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Netzwelt-Ticker: Apple patentiert Wortfilter gegen Schmuddel-SMS

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Im App Store sperrt Apple Anwendungen wegen entblößter Brüste - nun sollen iPhone-Besitzer auch ihre SMS sauber halten. Ein Apple-Patent beschreibt den SMS-Schmuddelfilter. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Facebook verteilt Wegwerf-Passwörter und Piratebay-Mitgründer Peter Sunde verlässt Flattr.

Steve Jobs: Der Apple-Boss präsentiert im September 2010 neue iPhone-Funktionen Zur Großansicht
REUTERS

Steve Jobs: Der Apple-Boss präsentiert im September 2010 neue iPhone-Funktionen

Bekanntlich fühlen sich die Apple-Verantwortlichen auch für die moralische Sauberkeit ihrer Kunden zuständig. Schmuddelkram hat zum Beispiel im App Store nichts verloren. Doch auch sonst sollen sich die Applejünger unterwegs benehmen. Ein Filterprogramm könnte zum Beispiel verhindern, dass iPhone-Besitzer Kurznachrichten mit zweifelhaftem Inhalt versenden, indem es "anstößige" Wörter gezielt herausfischt.

Diese Art der Kontrolle, die Eltern für die Geräte ihrer Kinder benutzen könnten, hat Apple bereits 2008 zum Patent angemeldet, jetzt wurde es zuerkannt. Im Erläuterungstext des Patentantrags ist von "anstößiger Sprache" ("objectionable language") die Rede.

Es geht um eine Technologie, die nach der Festlegung bestimmter Schlüsselwörter den Versand der Nachricht unterbindet, sobald eines Wörter der schwarzen Liste im Text auftaucht. Was genau blockiert werden soll, liegt ganz beim Anwender. Wieder ein Schritt des Unterhaltungselektronikers, seine Produktpalette von Schmuddelkram freizuhalten, findet "Readwriteweb".

Facebook gibt Wegwerf-Passwörter heraus

Nach dem letzten Besuch im Internet-Café oder bei einem Freund hat sich sicher schon mancher gefragt, ob er sich bei der Benutzung des dortigen Computers auch wieder ordentlich ausgeloggt hat. Oder vielleicht sogar Passwörter versehentlich vor Ort abgespeichert hat. Diese Sicherheitslücke schließt Facebook jetzt mit einem neuen Sicherheitsfeature, dem Wegwerf-Passwort. Auf Wunsch kann sich jeder Facebook-Nutzer ein Einmal-Passwort für seinen Account auf sein Handy schicken lassen (wenn es mit dem Nutzer-Profil verknüpft ist).

Dieses Instant-Wort kann nur einmal verwendet werden und verfällt nach 20 Minuten. Zukünftig sollen die Profilinformationen auch eine Auflistung der bisherigen Aktivitäten enthalten. Das kann hilfreich sein, wenn die Befürchtung besteht, jemand anderer habe sich am eigenen Account zu schaffen gemacht. Diese Art der Aktivitätenprotokollierung ist recht ähnlich gestrickt wie bei Googles Gmail. Die Facebook-Lösung sei allerdings viel eleganter, findet "TechCrunch". Denn das Social Network informiert zusätzlich, von welchem Ort aus und mit welchem Gerät der jeweilige Zugriff erfolgt ist.

Foxconn wehrt sich gegen Prügelvorwürfe

Der taiwanesische Apple-Zulieferer Foxconn kommt nicht aus den Schlagzeilen. Im Mai machten Meldungen über eine Selbstmordserie unter den Angestellten und deren miserablen Arbeitsbedingungen die Runde. Der iPhone-Hersteller gelobte Besserung und Lohnerhöhungen. Nun wurden die Ergebnisse einer Studie chinesischer Wissenschaftler veröffentlicht, und laut ihrer Aussage hat sich bei den Arbeitsbedingungen nichts gebessert. Noch immer sei Lachen oder Reden am Arbeitsplatz untersagt, widerspenstige Arbeiter müssten jederzeit damit rechnen, von Vorgesetzten verprügelt zu werden. Die Zustände glichen denen in einem Arbeitslager.

Foxconn ließ nun via E-Mail an "The Register" ausrichten, das Unternehmen sei "sicher nicht perfekt, aber wir nehmen die Verantwortung unseren Angestellten gegenüber sehr ernst und fühlen uns verpflichtet, jedem unserer mehr als 937.000 Angestellten in China eine sichere und postive Arbeitsumgebung zu geben".

Außerdem liege man im Lohnniveau auf gleicher Höhe wie die Wettbewerber. Auch halte man sich an die von der Electronic Industry Code of Conduct (EICC) vorgegebenen Standards, die die Arbeitszeit auf eine 60-Stundenwoche begrenzten, inklusive Überstunden.

Peter Sunde verlässt Flattr-Geschäftsführung

Peter Sunde, Mann der ersten Stunde beim Bezahldienst Flattr, nimmt seinen Hut und soll auch dabei sein, seine Anteile abzugeben, wie "Netzwertig" berichtet. Dort wird auch die Vermutung geäußert, der Grund für den überraschenden Schritt seien nicht etwaige Probleme mit Flattr, sondern womöglich der vor dem Abschluss stehende Prozess gegen The Piratebay.

Die einstigen Verantwortlichen des Torrent-Trackers, darunter auch Sunde, stehen in Schweden vor Gericht. Für den Bezahldienst Flattr, bei dem angemeldete User einen zuvor auf ein Konto eingezahlten Betrag portionsweise für Blog- und Zeitungsartikel der eigen Auswahl verteilen können, ist Sundes Weggang ein herber Verlust. Schließlich ist der Schwede ein veritabler Netzpromi mit weitreichenden Verbindungen in die Onlinewelt.

Zwei Rüffel für das BKA

Das Bundeskriminalamt dürfte sich nicht besonders über die Schlagzeilen freuen, die es dieser Tage bekommt. BKA-Chef Ziercke hatte am vergangenen Freitag auf die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung bestanden, andernfalls sei eine erfolgreiche Bekämpfung vieler Straftaten nicht mehr möglich. Alles Unsinn, so Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), tatsächlich käme die Vorratsdatenspeicherung ziemlich selten zum Einsatz. "2009 waren bei 4,7 Millionen Strafermittlungsverfahren nur in 0,5 Prozent der Fälle Telekommunikationsdaten überhaupt von Belang", wird die Ministerin zitiert. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Vorratsdatenspeicherung in Kraft war, sei überdies die Aufklärungsquote von Straftaten mit Online-Bezug von 82,9 Prozent im Jahr 2007 auf 75,7 Prozent gefallen.

Der Hauptgrund für diese blamablen Zahlen sei schlichter Personalmangel: "Wenn sich in Hamburg 1450 Kripobeamte 50 Rechner mit Internetzugang teilen müssen, wird es schon schwierig mit der Aufklärung. Wenn das BKA nur 30 Experten hat, um gegen Kinderpornografie vorzugehen, ebenfalls." BKA-Chef Ziercke betreibe reine Stimmungsmache, die nicht weiterhelfe.

Nicht nur von der Justizministerin kassierten die Bundeskriminaler eine Ohrfeige. Auch vor Gericht bekamen die Ziercke-Mannen ihre Grenzen aufgezeigt. Beim Straßburger Nato-Gipfel im Frühjahr 2009 hatte das Amt Daten über zwei Journalisten an die Nato-Zentrale in Brüssel weitergeleitet. in der Folge wurde den beiden die Presse-Akkreditierung verweigert. Dagegen klagte einer der zwei Journalisten, der über das Ereignis in der polnischen Ausgabe von "Le Monde Diplomatique" berichten wollte. Wie die Tagesschau meldet, gab das Verwaltungsgericht Wiesbaden dem Kläger nun recht und erklärte, es habe für die Datenweitergabe überhaupt keine rechtliche Grundlage gegeben. Personenbezogene Daten dürften zwar an internationale kriminalpolizeiliche Organisationen übermittelt werden, dazu gehöre aber ganz sicher nicht das Brüsseler Nato-Hauptquartier. Das BKA hätte also dieses Material gar nicht weitergeben dürfen.

Auch das noch:

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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    Seite 1    
1. nicht zulässig
rst2010 13.10.2010
Zitat von sysopIm App Store sperrt Apple Anwendungen wegen entblößter Brüste - nun sollen iPhone-Besitzer auch ihre SMS sauber halten. Ein Apple-Patent beschreibt den SMS-Schmuddelfilter. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Facebook verteilt Wegwerf-Passwörter und Piratebay-Mitgründer Peter Sunde verlässt Flattr. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,722854,00.html
den wortlaut von sms, briefen, post zu verändern dürfte rechtlich nicht zulässig sein.
2. Cool!
blue_plasma, 13.10.2010
Endlich wird die Apple-Welt so steril, wie ich sie mir schon immer vorstellte. Wahrscheinlich gibts in Zukunft im iStore auch einen kleinen Plastikbeutel mit einer weisslichen Flüssigkeit drin (von Steve Jobs auf genetische Qualität geprüft) und die nennt sich dann iFuckYou.... :)
3. Rechtslage und drei andere Dinge
peterbruells 13.10.2010
Zitat von rst2010den wortlaut von sms, briefen, post zu verändern dürfte rechtlich nicht zulässig sein.
Wäre erstens keine Patentfrage. Zweitens gilt in den USA erst mal US Recht. Drittens dürfen Eltern auch hierzulande die Kommunikation ihrer Kinder zensieren. Viertens ist das ein typisches Bla-Patent, eins von tausenden, daß eine Firma ihrem Patentpool zufügt, falls man es mal braucht.
4. Schmuddel-Filter
Cipo, 13.10.2010
Zitat von rst2010den wortlaut von sms, briefen, post zu verändern dürfte rechtlich nicht zulässig sein.
Ich halte von einer solchen Software zwar auch nichts, aber im Artikel steht ja auch: *"Was genau blockiert werden soll, liegt ganz beim Anwender."* Nicht beantwortet wird die Frage, ob das Programm auch erhaltene Nachrichten zensiert.
5. Dabei...
sappelkopp 13.10.2010
...stehe ich doch auf die schmutzigen SMS, die meine Frau mir immer schickt. Und nun? Das wäre ja genauso, als wenn die Post mir Briefe schickt, in denen "schmutzige" Worte geschwärzt sind. Was erlauben sich Apple?
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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.


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