Netzwelt-Ticker: Apples Quicktime öffnet Windows-PCs

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Apple hat selten Probleme mit Viren, Würmern und anderer Schad-Software - und wenn doch, dann nur auf Rechnern der Konkurrenz. Außerdem im Nachrichtenüberblick: US-Plattenindustrie kuscht vor Elite-Uni, Chinesen sind gerne online und eine Ansagerin bekommt Probleme mit der U-Bahn.

Apple hat Probleme mit seinem Multimedia-Koloss Quicktime. Angreifer, so demonstriert Milw0rm.com, könnten durch einen Trick beliebige Befehle auf einem Computer ausführen. Dazu müsste dieser Computer nur eine präparierte Audiostream-Datei von einem Server abrufen. Solche Audiostreams setzt auch Apples iTunes-Software ein - Newsfactor mutmaßt deswegen, dass das Problem weit verbreitet sein könnte.

Multimedia-Software Quicktime: Öffnet ein Einfallstor zu Windows
SPIEGEL ONLINE

Multimedia-Software Quicktime: Öffnet ein Einfallstor zu Windows

Betroffen sind die Quicktime-Versionen für Windows Vista und XP. Ob auch Apples Mac OS X gefährdet ist, wurde noch nicht geklärt. Wer sich schützen will, sollte zunächst keine Quicktime-Daten von unbekannten Servern streamen, das Stream-Protokoll RTSP blockieren, die Quicktime ActiveX-Komponenten für den Internet Explorer und Firefox deaktivieren und JavaScript ausschalten. In Zukunft, so sagen Antiviren-Experten voraus, werden solche Plattform-übergreifenden Anwendungen wie iTunes und Quicktime immer öfter von Hackern ins Visier genommen.

Plattenindustrie vs. Welt

Der Verband der amerikanischen Plattenindustrie RIAA versucht, amerikanische Hochschulen mit einer wahren Briefflut dazu zu bewegen, doch Daten von Studenten herauszurücken, die Tauschbörsen nutzen. Werden Musikdateien aus einem Uni-Netzwerk heraus getauscht, sendet die RIAA ein Schreiben an die Uni-Leitung, die doch bitte selbst nach den Tauschbörsennutzern fahnden soll. Seit Februar verschickte die RIAA rund 4100 solcher Briefe an 160 Hochschulen.

Die sind über die Schreiben zerstritten - reagieren sehr unterschiedlich. Die einzigen, die sich scheinbar keine Gedanken um die Plattenindustrie machen müssen, sind Studenten der Harvard Elite-Uni.

Warum nur, fragt sich Ars Technica und beantwortet die Frage gleich selbst: An der Harvard Law School unterrichten die Professoren Charles Nesson und John Palfrey, die auch das Berkman Center for Internet & Society führen. Nesson und Palfrey gelten als Gegner einer Uni-RIAA-Vasallenschaft. Die Unis, riefen sie auf, sollten nicht das Vertrauen und die Privatsphäre der Studenten aufs Spiel setzen.

Sollte die RIAA nun einen ihrer Briefe nach Harvard abschicken, könnte das zu einigen Diskussionen führen. Aus denen heraus, fabuliert Ars Technica, könnte sich wiederum eine Elite-Armee der besten Harvard-Rechtsexperten bilden, die den Brief in der Luft zerreißen - oder ganz einfach an die RIAA zurückschicken würde.

Das sähe man dort nicht sonderlich gerne, zumal es in Sachen Öffentlichkeitsarbeit sowieso gerade schlecht läuft. Neuester Rückschritt für die Plattenfirmen: Verschiedene Platten-Labels müssen vor Gericht begründen, wie sie auf die übertrieben hohen Schadensforderungen kommen, die sich angeblich aus den Verlusten durch einzeln im Netz verbreitete Songs errechnen. Es soll herausgefunden werden, ob 750 Dollar Entschädigung pro Songdatei nicht ein bisschen viel - vielleicht sogar ein bisschen verfassungswidrig - sei.

Studie: Chinesen sind lieber online

Chinesische Internet-User vertrauen stärker auf ihre Erfahrungen im Internet und sehen das Netz öfter als den Schlüssel zum Meinungsaustausch und Plausch mit anderen Leuten an als US-Bürger - behauptet eine Studie die von verschiedenen Internet-Agenturen durchgeführt wurde.

Insgesamt 42 Prozent der befragten Chinesen hätten angegeben, hin und wieder internetsüchtig zu sein - in den USA wären das nur 18 Prozent der Surfer. Mehr als einen Tag ohne Netz halten 25 Prozent der befragten Chinesen für unmöglich, doppelt so viele, wie in Amerika. Aber was sowieso klar ist: Die Aussagekraft solcher Studien ist bestenfalls gering. Sie zu verallgemeinern gefährlich: Sie verraten meist mehr über die Untersuchenden als über die Untersuchten.

"Please mind the Gap" - habt keinen Humor

Emma Clarke ist die Stimme der London Underground. Ihr "Mind the Gap" rettete viele unschuldige Touristen vor dem sicheren Quetschtod in der Londoner U-Bahn. In der Victoria, der Bakerloo und den Central-Linien sagt sie die Stationen an. Doch Emma Clarke hat nun zum letzten Mal für die berühmte U-Bahn gesprochen - die Londoner Underground will nicht weiter mit ihr zusammenarbeiten.

Der Grund: In ihrem Blog veralberte Clarke mit Sprecherinnen-Grabesstimme die U-Bahn-Ansagen: "Würde der Passagier im roten Hemd bitte damit aufhören, so zu tun, als lese er eine Zeitung, obwohl er in Wirklichkeit der Frau auf die Brust schaut? Du legst damit niemanden rein, du schmutziger Perversling.” Die MP3s sammelte Metafilter, B3ta führte ein lustiges Chat-Interview mit Emma Clarke.

Doch nicht etwa die Ansagen hätten zum Ende der Geschäftsbeziehung geführt, sondern abwertende Kommentare über die Londoner U-Bahn: Ein Unternehmenssprecher zum Tube-Trubel: "Teilweise sind die Ansagen sehr lustig. Aber Emma ist ein bisschen blöd, wenn sie herumläuft und die Angebote ihrer Kunden herunterputzt.” So soll sie gesagt haben, dass die Tube grauenhaft und schrecklich sei - und Clarke sie deswegen schon gar nicht mehr benutze.

Die Beschuldigte rechtfertigt sich gegenüber der BBC: Das habe sie niemals gesagt - sie habe viel mehr im B3ta-Interview darauf hingewiesen, wie schauderhaft es sei, seine eigene Stimme zu hören - zumal, wenn dabei noch Passagiere voller Furcht zu ihrem "Mind the Gap" das Gesicht verziehen.

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