Netzwelt-Ticker Atomstopp für Hackintoshs

Feierabend für Mac OS X auf Netbooks: Gerüchten zufolge wird Apples System bald nicht mehr auf den Atom-Chip der Kleinrechner laufen. Außerdem: Die Vorabversion eines EU-Papiers erzürnt Open-Source-Vertreter und ein Hacker kidnappt iPhones. Das und mehr im Überblick.

Soll aus Netbooks ausgesperrt werden: Apples Mac OS X auf PC-Hardware
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Soll aus Netbooks ausgesperrt werden: Apples Mac OS X auf PC-Hardware


Wer mit viel Bastelei das Apple-Betriebssystem Mac OS X auf seinem Netbook zum Laufen gebracht hat, sollte das Mac-OS-X-Update auf die Version 10.6.2 wohl lieber auslassen. Stimmen Gerüchte aus der Hackerszene, blockiert Apple in künftigen Versionen seines Betriebssystems Intels "Atom"-Prozessor, der in den meisten Netbooks zum Einsatz kommt.

Das wäre kaum verwunderlich: Die Zahl der Hackintosh-Nutzer steigt offenbar rapide an. Nie war es einfacher, mit ein wenig Software-Bastelei einen herkömmlichen PC in einen Mac zu verwandeln. Und auch auf den kleinen Netbooks macht Mac OS X - und wäre eine ernste Konkurrenz, sollte Apple tatsächlich demnächst einen flachen Tablet-Mac veröffentlichen.

OSXDaily, die von den Atomstopp-Plänen gehört haben wollen, behaupten: "Mac OS X läuft absolut problemlos auf den meisten PC-Netbooks. Sobald es richtig konfiguriert ist, merkt man nicht, dass man gar nicht an einem Mac sitzt."

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Mac OS X auf Standard PC: Ein Hackintosh im Eigenbau

EU definiert Open Source um

Eine ins Netz entfleuchte Vorabversion eines EU-Papiers zur Regelung von Open-Source-Software und offenen Standards erregt die Gemüter: Der Text liest sich, als sei er aus der Feder eines Industrie-Lobbyisten geflossen. Der Hintergrund: Die EU braucht ein transparentes, offenes und günstiges E-Government-System. Die Rahmenbedingungen dafür legt das European Interoperability Framework (EIF) for Pan-European eGovernment Services (PEGS) des EU-Programms Interoperable Delivery of European eGovernment Services to public Administrations, Businesses and Citizens (IDABC) fest.

Da die erste Version dieses Papieres seit seinem Entstehen 2004 für Reibereien sorgte - es war kommerziellen Softwareanbietern und -entwicklern zu offen - erhofften sich alle Parteien von Version 2 ein klares Statement für oder wider offener Standards.

Doch das scheint gescheitert, "Computerworld UK" fasst die Vorwürfe zusammen: "EU will 'verschlossen' als 'beinahe offen' umdeklarieren". Wo früher klar für mehr Offenheit plädiert wurde, steht jetzt eine schwammige philosophische Abhandlung über das, was Offenheit sein soll - im Grunde ein schönes Gefühl. Es gebe ein Offenheits-Kontinuum, auch Closed-Source-Software könne als "Open" betrachtet werden.

Die "Computerworld UK" kann das kaum fassen: "Wer so denkt, glaubt auch, dass Interoperabilität herrsche, wenn nur jeder Microsoft Word benutzt." Die kaum verhohlene Unterstellung ist klar: Microsoft, offenbar ein Feind offener Standards, Verfechter proprietärer Software, hat am Dokument mitgeschrieben. Auf Nachfragen von IT World Canada wollte das Unternehmen freilich nicht eingehen: " Kein Kommentar" bis zur endgültigen Veröffentlichung des Papiers.

Dass das zumindest authentisch ist, bestätigte IDABC-Chef Karel De Vriendt SPIEGEL ONLINE. Aber auch er will das Papier nicht kommentieren, bevor nicht die endgültige Version veröffentlicht ist.

Update: Neues von KZ.de

Ein Tag nach dem Bericht von SPIEGEL ONLINE über die teils anstößige Bewerbung der Domain KZ.de ist wieder alles anders: Yves M., Inhaber der Domain, gibt an, der Domain-Park-Service NameDrive, der als zusätzliche Werbe-Lockworte, um Surfer anzulocken, unter anderem "Adolf Hitler" eingesetzt hatte, habe sich "verabschiedet, weil denen das Thema wohl zu heikel geworden ist". Seit Dienstag ziert die Seite stattdessen eine Abstimmung darüber, was denn der liebe Seitenbesucher sich vorstellen könne, wie die Domain KZ.de am besten genutzt werden sollte.

Das bisherige, wenig überraschende Ergebnis der Umfrage: Rund 70 Prozent plädieren für eine Gedenkseite oder die Stiftung der Domain "an ein bestimmtes Projekt".

Erpressung: Hacker kidnappt iPhones, fordert fünf Euro Lösegeld

Ein holländischer Hacker macht sich eine Sicherheitslücke zunutze, wegen der die Hintertüren von iPhones, die per Jailbreak-Software entsperrt wurden, sperrangelweit offen stehen. Der Hacker verschafft sich mit einem Trick Zugang zum Smartphone und hinterlässt dort eine deutliche Botschaft: "Ihr iPhone wurde gehackt, weil es wirklich unsicher ist! Bitte besuchen Sie [eine bestimmte Webseite] und machen Sie ihr iPhone sicher." Die in der Nachricht genannte Seite gibt es mittlerweile nicht mehr. Über sie, berichtet Ars Technica, sollten Opfer die Hacker-Nachricht gegen Zahlung von 5 Euro entfernen lassen. Erpressung!

Von der Hackaktion betroffen waren nur Besitzer von iPhones mit Software-Entriegelung, einem so genannten Jailbreak. Damit können auch Programme auf dem iPhone ausgeführt werden, die von Apple nicht für den App Store zugelassen wurden. Um seine Beute zu finden durchforstete der holländische Hacker das Web nach derart entsperrten iPhones, bei denen die Besitzer es versäumt hatten das Standardpasswort für den sogenannten SSH-Zugang, eine Hintertür, zu ändern. Fand er so ein Handy, konnte er sich mühelos Zugang verschaffen und die Meldung anzeigen lassen.

Ars Technica geht davon aus, dass der Hacker nichts Böses im Schilde führte: Den Hack konnte man per Software-Reset einfach rückgängig machen. Auf der Website schrieb der Hacker: "Wenn Du nicht zahlen willst: Kein Problem. Aber denk daran, dass sich Tausende andere genau wie ich Zugang zu deinem iPhone verschaffen können." Sie könnten SMS-Nachrichten verschicken, Anrufe tätigen oder aufzeichnen oder es gar für ihre Hacking-Aktivitäten missbrauchen. "Ich versichere Dir, dass ich Dir nichts Böses will - im Gegensatz zu einigen Hackern. Das ist nur der Tipp von mir, Dein Telefon besser zu schützen."

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