Netzwelt-Ticker Aus für das TechCrunch-Surftablett

Überraschend hat TechCrunch-Chefblogger Mike Arrington das nahe Aus des Surf-Tablets CrunchPad verkündet. Außerdem: Arbeitnehmerdaten auf Vorrat, neues Konzept soll die Cebit retten. Das und mehr im Überblick.

TechCrunch: Das Touch-Tablet zum Sofasurfen kommt unter die Räder

TechCrunch: Das Touch-Tablet zum Sofasurfen kommt unter die Räder


Mike Arringtons Tablet-PC CrunchPad steht vor dem Aus. In einem Post in seinem einflussreichen IT-Blog TechCrunch-Blog schreibt er resignierend: "Ich war so nah dran, dass ich es schon schmecken konnte." Aber "Gier, Neid und Fehlkommunikation" hätten das ambitionierte Projekt vor die Wand fahren lassen: Die Teilhaber des Unternehmens Fusion Garage, mit dem zusammen TechCrunch den Tablet-Rechner bauen wollten, hätten gemeutert. Das CrunchPad war Arrington zufolge seine Vision von einem Sofatauglichen Surf-Gerät mit Touchscreen. Nun wird es womöglich nicht gebaut. In der Silicon-Valley-Szene ist die Geschichte heute Tagesthema, Dutzende Blogeinträge befassen sich mit dem Eklat.

Per Brief sei Arrington mitgeteilt worden, dass er nicht länger am Projekt beteiligt sei. "Das ist so, als ob Foxconn, die das iPhone bauen, Apple ein paar Tage vor Veröffentlichung mitteilen, dass sie das iPhone selbst ohne Einfluss von Apple verkaufen werden."

Wenn Arrington mitspiele, soll es in einer E-Mail geheißen haben, könne er eine Rolle als Tech-Evangelist und Marketing-Figur bekommen. Undenkbar für Arrington: "Und damit hat sich das ganze Projekt selbst erledigt." In seinem Post kündigte Arrington rechtliche Schritte gegen Fusion Garage an. TechCrunch gehörten die Markenrechte, der CrunchPad-Prototyp sei von TechCrunch und Fusion Garage gemeinsam entwickelt worden. Das Unternehmen aus Singapur könne das Gerät deshalb gar nicht alleine verkaufen. Bislang war niemand von Fusion Garage für eine Stellungnahme erreichbar.

Zusammen mit Fusion Garage und anderen Entwicklern wollte TechCrunch-Chefblogger Mike Arrington einen billigen Tablet-PC entwickeln, der nicht viel mehr ist als ein Touchscreen-Display, auf dem ein Browser installiert ist, etwa Google Chrome. Das Crunchpad hätte nur 300 Dollar kosten sollen, die Produktion des 12-Zoll-Geräts hätte Anfang 2010 beginnen sollen.

Arbeitnehmerdaten auf Vorrat

Heise.de fürchtet sich vor dem zum Jahreswechsel in Kraft tretenden " Elektronischen Entgeltnachweis" Elena, für den ab 1. Januar 2010 Arbeitgeber bundesweit die Einkommensdaten ihrer Beschäftigten verschlüsselt an eine zentrale Datenbank bei der Deutschen Rentenversicherung senden müssen, wo sie anonymisiert gespeichert werden. Das zugrundeliegende Gesetz wurde im März 2009 von der Großen Koalition durchgedrückt.

Elena soll dem Bürokratieabbau dienen und ein wichtiger Schritt zur Einführung einer qualifizierten elektronischen Signatur sein, mit deren Hilfe etwa Anträge auf staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld, Wohngeld und Elterngeld elektronisch ausgeführt werden können. Dazu sollen via Elena haufenweise Daten erfasst werden. Heise.de verweist auf einen aktuellen Artikel der "Frankfurter Rundschau", der die Sammelwut der deutschen Behörden kritisiert: In Deutschland wird künftig zentral erfasst, wer an einem Streik teilgenommen hat. Auch ob rechtmäßig oder wild gestreikt wurde, oder Beschäftigte vom Arbeitgeber ausgesperrt wurden, steht vom 1. Januar 2010 an in einer bundesweiten Datenbank.

ACTA gegen Interoperabilität

Immer neue Details sickern aus den geheimen Verhandlungen um das internationale Handelsabkommen ACTA, das Rechteverwertern den Kampf gegen Produktpiraterie erleichtern soll. Zuletzt wurde in Seoul das so genannte Internet-Kapitel des Vertrages besprochen, das Rechteinhaber bei der globalen Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet unterstützen soll. "Ars Technica" hat sich die geleakten Unterlagen mit gemischten Gefühlen angesehen: So werden zum einen zwar keine individuellen Internetsperren nach dem Three-Strikes-Prinzip mehr gefordert, dafür die Durchsetzung einer internationalen Variante des amerikanischen Digital Millennium Copyright Act (DMCA), der unter anderem die Umgehung von Kopierschutzsystemen bestraft. Und es wurden Forderungen niedergeschrieben, welche die sogenannten Interoperabilitätsgesetze einzelner Staaten hinterlaufen würden. Das sind Gesetze, welche Verbraucher vor den Gängeleien von Hard- und Softwareentwicklern schützen soll. Wer sich ein digitales Stück Musik kauft, soll dies auch auf allen digitalen Abspielgeräten anhören können.

Diese Einschätzungen zog "Ars Technica" aus zwei Dokumenten, die schon am 11. November im "Digitale Linke"-Blog der Partei Die Linke veröffentlicht worden sind. Die Dokumente sind Stellungnahmen der EU zu den ACTA-Vorschlägen der USA, sie spiegeln die US-Wünsche für das Internet-Kapitel des ACTA-Abkommens wieder. Der kanadische Rechtsprofessor Michael Geist hat die Dokumente genauer analysiert und sieben Kernpunkte des amerikanischen Vorschlags zum Internet-Kapitel des ACTA ausgemacht. Demnach soll unter anderem ein globales "Notice and Takedown"-System eingeführt werden, das Provider zwänge, von Rechteinhabern beanstandete Inhalte selbständig zu entfernen. Michael Geist wertet das als Einfallstor für ein Three-Strikes-Modell. Ein solches würde vorsehen, Internetnutzern, die beim illegalen Filesharing erwischt werden, beim dritten Verstoß den Internetzugang zu sperren. Auch die EU bezieht gegen dieses Modell Stellung und weist auch die US-Passagen zur Interoperabilität zurück: Das geht gegen EU-Richtlinien, heißt es in der Stellungnahme.

Neues Konzept soll erfolglose Cebit retten

Der Branchenverband Bitkom hat laut Winfuture.de eingeräumt, dass die Technologiemesse Cebit "strukturelle Probleme" habe. Auf deutsch: Sie ist so langweilig und dröge, dass niemand mehr hin will. Die internationale Messenkonkurrenz ist einfach interessanter für Händler, Presse, Publikum. Um diesen Missstand zu beheben, habe man sich mit der Deutschen Messe AG zusammengetan, ein neues Konzept für die Cebit zu erarbeiten. Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer: "Wir haben die Reißleine gezogen."

Das sieht dann so aus: Für frischen Wind sollen nächstes Jahr Mitglieder der spanischen Königsfamilie sorgen. Das allein kann natürlich nicht den Erfolg einer Hightech-Messe ausmachen, weiß auch Scheer. Aktuelle Themen sollen die Messe deshalb interessanter machen, etwa "Green IT" und "Future Care", also die Zukunft der Gesundheitsversorgung und Medizin. Vielleicht gibt's dann ja auch einen Aussteller, der ihnen zeigt, wie (und ob) Messe-Wiederbelebung funktioniert.

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