Netzwelt-Ticker Auswärtiges Amt wechselt von Linux zu Windows

Die Open-Source-Zeiten im Außenministerium sind vorbei, die Opposition wittert Lobbyismus. Außerdem im heutigen Überblick: Nokia-Aktionäre gegen Microsoft-Bündnis und wie ein Virus Googles Suchergebnisse manipuliert.

Windows-Logo: Das Auswärtige Amt löscht Linux und installiert wieder Windows
AFP

Windows-Logo: Das Auswärtige Amt löscht Linux und installiert wieder Windows


Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden Windows-Nutzer für altbackene Langweiler gehalten. Open Source hingegen war schick und modern - diesem Trend wollte sich auch das Auswärtige Amt (AA) nicht verschließen. 2002 stellte das Ministerium, damals unter der Ägide von Joschka Fischer, seinen Rechnerbetrieb zumindest Teilweise auf offene Software um. Nun die Rolle rückwärts: Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sind die Techniker im Außenministerium dabei, die hauseigenen Computer nach und nach wieder mit Microsoft-Programmen auszustatten.

Eigentlich sollten laut ursprünglichen Planungen bereits im vergangenen Jahr sämtliche Amtsrechner mit Linux laufen, doch daraus wird nun nichts mehr. Schon im August 2010 wurde die Rückkehr zum alten System beschlossen - die anderen Ministerien wollten nicht mitziehen, die Kosteneinsparungen der Insellösung waren offenbar zu gering. Noch in diesem Jahr will der amtseigene IT-Chef "jene Arbeitseinheiten der Zentrale und Auslandsvertretungen, die derzeit mit Linux arbeiten, wieder auf das vertraute Windows-XP-Betriebssystem umstellen", zitiert ihn die "SZ".

Diese IT-Wende war schon vor einigen Wochen der Opposition aufgefallen, die darin nicht weniger als einen Strategiewechsel der Regierung erkennen wollte. So mancher sprach dabei sogar von Software-Lobbypolitik der politisch Verantwortlichen. Unter Federführung des SPD-Abgeordneten Oliver Kaczmarek stellte die SPD-Fraktion eine kleine Anfrage an die Bundesregierung (PDF). Sie sollte erklären, ob tatsächlich die Software-Ausstattung des AA wieder auf proprietäre Programme umgestellt werden.

In ihrer Antwort bestätigte die Bundesregierung den Schwenk, ging aber nicht auf Vorwürfe ein, dass mit proprietärer Software wesentlich höhere Kosten verbunden seien. Sie stellte lediglich fest, dass das mit der Nutzung freier Programme verbundene mögliche Einsparpotential "aufgrund der tatsächlichen Marktentwicklung im Software-Bereich nur in geringem Umfang ausgeschöpft werden konnte" (PDF).

iPhone-Jailbreak macht iBookstore-Bücher unlesbar

Apple schlägt zurück. Wieder einmal vermiest das Unternehmen Hackern den Spaß am Gerät. Hatten sie sich eben noch über den letzten greenpois0n-Jailbreak gefreut, mit dem sich das iPhone freischalten lässt, gibt es jetzt zumindest bei den Nutzern von iBooks lange Gesichter. Denn iPhones, deren Sicherheitssperren mit dem jüngsten Hack umgangen wurden, verweigern nun das Öffnen kopiergeschützter iBooks. Anstelle dessen erscheint lediglich eine Fehlermeldung, die zur Neuinstallation von iBooks auffordert.

Beeinflusst ein Virus Googles Suchergebnisse?

Wissen Sie, was "Na pohybel janas" heißen soll? Keine Sorge, das wissen die wenigsten. Die rätselhafte Wörterfolge taucht seit kurzem vermehrt in den Ergebnissen der Google-Suche auf. Und zwar nicht irgendwo unter ferner liefen. Weltweit belegt der Rätselspruch schon Platz sechs auf der Liste der am schnellsten zunehmenden Suchergebnisse innerhalb des letzten Monats.

Für diese Beliebtheit gibt es keine Erklärung, jedenfalls keine offizielle von Google. Doch der "Sydney Morning Herald" hat einen Suchmaschinen-Experten aufgetrieben, der glaubt, den Grund für das Rätsel gefunden zu haben: Frank Watson ist sich sicher, dass hinter dem Phänomen ein Computervirus steckt, das befallene Rechner dazu zwingt, die sinnfreie Zeichenfolge wieder und wieder bei Google abzufragen. Auch die Tatsache, dass die entsprechenden Anfragen weltweit zum selben Zeitpunkt begonnen hätten, würden für eine gezielte Aktion sprechen.

Gekaperte Computer wählen teure Nummern

Leute anrufen lassen und dabei reich werden. Feine Sache, dachte sich offenbar ein Mann im amerikanischen Ostküstenstaat New Hampshire. Aber warum erst umständlich und kostspielig Reklame machen, bis jemand die teure Nummer wählt? Also heuerte er ein paar Programmierer an, die ein Anruf-Virus erstellten. Von 2003 bis 2007 wurde so eine nicht bekannte Zahl von Rechnern in Deutschland und anderen Ländern mit Dialern infiziert. Die riefen daraufhin immer wieder per Modem bei kostenpflichtigen Nummern an, bescherten ihren Besitzern riesige Rechnungen und dem Urheber der Aktion satte Gewinne.

In mindestens 250 dokumentierten Fällen konnte der Übeltäter so die stolze Summe von 7,94 Millionen Dollar abgreifen. Wie erst jetzt bekannt wurde, sprach ihn deshalb ein Bezirksgericht in Massachusetts im April 2010 schuldig, was ihm bis zu zehn Jahre Gefängnis einbringen könnte.

Auch das noch:

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insgesamt 44 Beiträge
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SG1-RL 16.02.2011
1. Komisch
Schafft die CIA es nicht die LINUX Systeme zu knacken? Naja so erklaert sich der Rueckschritt nach WIndows.
roterschwadron 16.02.2011
2. Die gelbe Gefahr - Teil 2
Zitat von sysopDie Open-Source-Zeiten im Außenministerium sind vorbei, die Opposition wittert Lobbyismus. Außerdem im heutigen Überblick: Nokia-Aktionäre gegen Microsoft-Bündnis und wie ein Virus Googles Suchergebnisse manipuliert. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,745885,00.html
Herr Westerwelle wittert wahrscheinlich mangelhafte Englischkenntnisse in seinem Ministerium. Daher soll jetzt das Betriebssystem zurücktreten...
flower power 16.02.2011
3. Tja,
Wenn man zu doof ist Linux zu bedienen, dann ist man eben noch lange nicht zu doof für das Auswärtige Amt. Dann können ja die amius gleich alles umsonst geliefert bekommen, brauchen keinen Botschafter mehr. Womöglich noch den IE oder darf er auch der Google-Browser sein? Westerwilli freut sich, endlich alles in Tschörmän. Auch Öttinger hat dann all problems in one boot versenkt. Traurig nur.....was das wieder kostet, aber man hat es ja. Wenn nicht...wird bei den Sozialausgaben abgezogen.
nick999 16.02.2011
4. FDP bereitet Initiative vor, oder?
Unbestätigten Presseberichten zufolge gibt es eine Initiative, Windows Betriebssysteme mit einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7% auszustatten. Aus der Begründung: ...es ist nicht nachvollziehbar, daß für Windows Software ein anderer Mehrwertsteuersatz als für Hotelrechnungen herangezogen wird. ;-D
Rubeanus 16.02.2011
5.
Beim "Standard" aus Österreich heißt es zu den Gründen des Wechsels von Linux zu Windows: ---Zitat--- Neben Servern wurden ab 2005 auch Desktop-PCs mit Linux betrieben. Für den Schwenk zurück zu Windows habe man sich deshalb entschieden, weil "der Aufwand für Anpassungen und Erweiterungen, etwa die Erstellung von Drucker- und Scanner-Treibern, sowie für Schulungen höher gewesen seien als erwartet". ---Zitatende--- Das ist nun wirklich nicht nachzuvollziehen: Für den Endnutzer stellt sich ein Linux-Desktop im Prinzip genauso dar wie ein mit Windows ausgerüsteter, ein vermehrter Schulungsbedarf erscheint fraglich. Und bei den Druckern und Scannern hätte man schon bei der Beschaffung darauf achten können, dass es passende Treiber gibt.
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