Netzwelt-Ticker: Bing holt auf

Von Richard Meusers

Googles Thron als König der Suchmaschinen wankt, warnen US-Marktforscher. Ciscos Flip ist ein Flop, und eine Frau hat nichts mehr auf dem Konto, aber dafür jede Menge Viren auf dem Rechner. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.

Microsofts Bing: Wird der Windows-Konzern bald auch bei Suchmaschinen Marktführer? Zur Großansicht

Microsofts Bing: Wird der Windows-Konzern bald auch bei Suchmaschinen Marktführer?

Wer "Suchmaschine" sagt, meint Google. Das ist zumindest hierzulande in 90 Prozent der Fälle so. In entsprechender Höhe bewegt sich der Marktanteil des amerikanischen Internet-Unternehmens. Doch dieser Zustand muss nicht anhalten, wie ein Blick nach Amerika zeigt. Dort bekommt Google zunehmend Konkurrenz durch Microsofts Bing. Das Marktforschungsunternehmen Experian Hitwise hat sich die Nutzerzahlen näher angesehen und festgestellt, dass Bing im März 2011 in den USA auf einen Marktanteil von 30 Prozent kam. Jedenfalls dann, wenn die Suchen über bing.com und yahoo.com zusammengefasst werden. Gegenüber dem Wert vom Oktober 2010, damals waren es noch 23,64 Prozent, eine kräftige Steigerung. Im selben Zeitraum fiel der Google-Anteil von 72,15 auf 64,42 Prozent.

Für "Mashable" ist ein Ende dieser Entwicklung nicht abzusehen. Nur folgerichtig, dass die Internet-News-Seite den Zahlenverlauf in die Zukunft verlängerte und so eine Prognose für die künftige Marktaufteilung erstellte. Und da sieht es für Google dann gar nicht gut aus. Hält der derzeitige Trend an, hat Bing im Januar 2012 den ehemals großen Konkurrenten eingeholt und überholt. Doch woran liegt diese Aufholjagd der anfänglich belächelten Microsoft-Suchmaschine? Marktforscher sehen die Erklärung in der höheren Qualität der Bing-Suchergebnisse. Einen entsprechenden Hinweis liefere das Klickverhalten der Anwender nach erfolgter Suche. Gut 80 Prozent der Bing-Nutzer klickten auf eines der präsentierten Ergebnisse, bei Google lag die Trefferzahl lediglich bei knapp 66 Prozent.

Die Flip ist ein Flop

Vor zwei Jahren noch waren die hippen Flip-Camcorder dem Netzwerkriesen Cisco viel Getöse und 590 Millionen Dollar wert. Die kleinen Flip-Kameras liefern für kleines Geld ansehnliche HD-Filme, die anschließend auf Plattformen wie YouTube hochgeladen werden können. Doch jetzt scheinen die Verantwortlichen die Lust an diesem Privatkundenmarkt verloren zu haben, sie stellen die Produktion des Kult-Camcorders ein.

Nicht zuletzt die starke Verbreitung von Smartphones mit hochauflösenden Kameras an Bord hat den Cisco-Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Freunde des schnellen Video-Clips nutzen lieber ihre Handys. Die Flip-eigene Internet-Plattform wurde ebenfalls nie so richtig angenommen.

Cisco erklärte, man wolle sich nun auf seine "Kernprioritäten" konzentrieren. Die 550 Flip-Angestellten jedoch werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Schon in der vergangenen Woche hatte Konzernchef John Chambers das Scheitern der diesbezüglichen Unternehmensstrategie eingeräumt und erklärt, man habe die Investoren enttäuscht und die Mitarbeiter verwirrt.

US-Gesetzentwurf sieht Opt-out gegen User-Tracking vor

So manchem Netz-Surfer ist die Neugierde nicht ganz geheuer, mit der sich private und staatliche Datensammler für sein Verhalten interessieren. Manche schützen sich mit Verschleierungswerkzeugen wie zum Beispiel "Track me not" für Firefox, um den Datensammlern zu entgehen. In den USA bekommen sie jetzt möglicherweise Schützenhilfe vom Gesetzgeber.

Zwei prominente Politiker, die Ex-Präsidentschaftskandidaten John Kerry und John McCain, brachten am Dienstag im US-Senat einen Gesetzentwurf ein, der Netz-Surfer vor übergroßem Interesse Dritter bewahren würde. Sie erhielten das Recht, von jeder Website beziehungsweise deren Betreiber zu verlangen, keinerlei Material über ihr Nutzerverhalten zu sammeln.

Derzeit würden Daten über Amerikas Online-Aktivitäten "in einem unvorstellbaren Ausmaß" verfolgt, gesammelt und weiterverteilt, so Kerry bei der Vorstellung der Gesetzesinitiative. Datenschützer hingegen kritisierten das parteiübergreifende Projekt als nicht weitgehend genug, berichtet "Wired".

Erster Testlauf für Internet Explorer 10

Gerade erst erfreute Microsoft die Netzgemeinde mit der neunten Ausgabe seines Internet Explorer, da gibt es schon konkrete Neuigkeiten zur zehnten Version. Auf der Entwicklerkonferenz MIX wurden erste Fakten zum IE10 vorgestellt, dessen " Platform Preview 1" bereits zum Herunterladen bereitsteht.

Schwerpunkt des kommenden Browsers soll der native HTML5-Support sein. Der IE10 liegt bei den Redmondern seit drei Wochen auf Kiel. In Intervallen von acht bis zwölf Wochen sollen Updates veröffentlicht werden. Diese wären dann nach und nach in den kommenden Platform Previews verfügbar, heißt es im hauseigenen "IEBlog".

Neuseeland vor neuem Anti-Pirateriegesetz

Auf der südpazifischen Doppelinsel Neuseeland bereiten sich Internetuser auf Proteste gegen Regierungspläne zur Bekämpfung von Raubkopien vor. Im Verlauf des heutigen Tages soll ein Gesetz mit aller Eile durchs Parlament in Wellington gedrückt werden, aufgrund dessen mehrfach ertappte Online-Sünder für sechs Monate vom Internet abgeklemmt werden könnten. Schon vor zwei Jahren scheiterte ein ähnliches Vorhaben an massiven Protesten von Online-Aktivisten. Deren Protestaktionen könnten nun erneut aufflammen.

3800 Viren auf dem Rechner, nichts auf dem Konto

Es ist das Jahr 2011 und jeder, wirklich jeder, der schon einmal einen Computer auch nur angesehen hat, weiß um die Gefahr von Viren und Trojanern, die sich unvorsichtige Surfer einfangen können. Sollte man jedenfalls meinen. Doch es gibt immer noch arglose Zeitgenossen, die glauben, auf den Schutz eines Antivirenprogramms verzichten zu können. Ein böser Fehler, wie jetzt eine 32-Jährige aus Niedersachsen feststellen musste.

Die Frau meldete der Polizei den überraschenden Verlust von 650 Euro, die von ihrem Konto verschwunden waren. Der Grund war bald gefunden. Anfang des Monats war die Frau mit ihren Online-Banking-Programm zugange, als ein Pop-up erschien und die Eingabe von 100 TAN-Nummern verlangte. Weil diese Seite so "professionell" ausgesehen hätte, habe sie sich nichts gedacht und einfach ihre TAN-Liste abgetippt und dem vermeintlichen Bankmitarbeiter zugeschickt.

Dass ein so simpler Phishing-Versuch überhaupt funktioniert, verwunderte auch die Polizisten. Als die Beamten den Rechner der geprellten Frau näher untersuchten, staunten sie nicht schlecht: Keine Antiviren-Software, keine Firewall, aber dafür über 3800 Viren und Trojaner.

Auch das noch:

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Bingle dir einen...
BlakesWort 13.04.2011
Zitat von sysopGoogles Thron als König der Suchmaschinen wankt, warnen US-Marktforscher. Ciscos Flip ist ein Flop und eine Frau hat nichts mehr*auf dem Konto, aber dafür jede Menge Viren auf dem Rechner. Das und mehr im Nachrichtenüberblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,756729,00.html
Ich sehe das zwiespältig. Microsoft ist in vielen Software-Bereichen direkt oder indirekt Marktführer. Dass sie jetzt google ernsthaft Konkurrenz machen, hat sich der Platzhirsch selbst zuzuschreiben. Überlegen Sie mal selbst: Wie oft haben Sie in letzter Zeit simple Produktinformationen gesucht und wurden mit 30 Treffern von Preissuchmaschinen überrumpelt, bevor sie die korrekten Daten und Informationen auf Seite 4 gefunden hatten. Dieser Überhang von cash generierendem Inhalt gegenüber Informationen ist es, der mir google zunehmend verleidet.
2. .
cyberdrop 13.04.2011
Leider hat die deutsche Version der Bing Suchmaschine eine nicht annähernd so gute Trefferqualität wie die US Version. Wer den Unterschied mal anschauen möchte muss die Bing Suche nur mal auf US-Englisch umstellen...
3. Unsinn...
watislos 13.04.2011
Der Marktanteil aller MS Suchen plus Yahoo lag schon immer schwankend zwischen 20 und 30 Prozent. Mal geht es auf und dann wieder ab. Zudem steckt MS regelmäßig Geld in die Suche womit Leute "belohnt" werden die Bing nutzen. Nicht ohne Grund macht Microsoft mit dem Onlinegeschäft bei 2 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Jahr auch 2 Milliarden US-Dollar Verlust. Ohne diese finanziellen Stüzen ist Bing nicht lebensfähig.
4. ...
_42_ 13.04.2011
Dass Bing bessere Suchergebnisse als Google produziert, wage ich zu bezweifeln. Ich denke ein nicht geringer Anteil von Bing wird durch die DAUs erzeugt, die einfach zu faul sind, die Windows-Voreinstellungen wie Internet Explorer und Bing als Standardsuchmaschine zu ändern. Wobei sich die Qualität der Suchergebnisse zunehmend angleicht, seit Bing im Hintergrund die Google-Ergebnisse mit berücksichtigt: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-Bing-guckt-ab-1181837.html
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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.

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