Von Richard Meusers
Am Mittwoch ging beim Web-Auftritt des Vatikans vorübergehend gar nichts mehr. Die italienische Sektion der Hackertruppe Anonymous hatte sowohl die Seite des Heiligen Stuhls www.vatican.va lahmgelegt als auch die der offiziellen Vatikanzeitung "l'Osservatore Romano". In einer Erklärung verkündete Anonymous Italia, dieser Schritt sei wegen "der absurden und anachronistischen Lehren, Liturgien und Gebote" erfolgt. Die Kirche habe in ihrer Geschichte Texte von großem historischen und literarischen Wert verbrannt, sie sei für die Versklavung ganzer Völker verantwortlich. Die Attacke habe sich nicht gegen die christliche Religion oder deren Gläubige in aller Welt gerichtet, sondern gegen die "korrupte römische Kirche".
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In einer Stellungnahme verkündeten die italienischen Bischöfe, diese Vorwürfe seien nichts als ein "Zusammenrühren von Gemeinplätzen mit antikatholischer Soße drüber". Mit Freiheit oder Toleranz habe der Anonymous-Angriff nichts zu tun. "Für solche Prinzipien treten Katholiken in jedem Teil der Welt ein, oft müssen sie dafür sogar ihr Leben lassen", hieß es weiter.
Während die frommen Webpräsenzen am Mittwochabend wieder problemlos erreichbar waren, machte sich ein unbekannter Witzbold auf Kosten von Papst Benedikt XVI. lustig. Via Twitter verkündete der Fake-Account des vorgeblichen Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone den Tod des Kirchenführers. Dort hieß es: "Der Heilige Vater ist auf unerwartete Weise diesen Nachmittag verschieden. Wir verkünden es mit Schmerz und Bestürzung." Vatikansprecher Federico Lombardi wies die Nachricht umgehend zurück, sie sei "ohne Sinn und ohne Glaubwürdigkeit und verdient keine Aufmerksamkeit".
US-Regierung kann jederzeit auch ausländische .com-Domains beschlagnahmen
Domain-Endungen wie .com, .net, .cc, oder .tv werden innerhalb und außerhalb der USA genutzt, auch viele deutsche Website-Betreiber nutzen diese Kürzel. Doch wer geglaubt hat, damit dem Zugriff der amerikanischen Justiz entzogen zu sein, könnte sich geirrt haben. Das Fachmagazin "Wired" machte jetzt auf die Einschätzung aufmerksam, die US-Ermittlungsbehörden in Bezug auf ihre Zugriffsrechte haben. Denn die genannten Top-Level-Domains würden sämtlich vom Internet-Unternehmen VeriSign betrieben, und das habe seinen Sitz in den USA und sei daher den Regeln der US-Justiz unterworfen. Selbst wer eine entsprechende Seite über einen anderen Registrar eintragen lasse, sei nicht auf der sicheren Seite. So erst jüngst im Falle der Sportwettenseite Bodog.com geschehen. Die sei zwar durch den kanadischen Dienst DomainClip eingetragen worden. Da es sich bei DomainClip aber um eine VeriSign-Tochter handele, habe dies den US-Behörden die Abschaltung von Bodog.com ermöglicht.
VeriSign wurde mit der Erklärung zitiert, das Unternehmen reagiere "auf rechtmäßige Gerichtsbeschlüsse", wenn es technisch machbar sei. "Wenn Strafverfolger uns solche rechtmäßigen Anordnungen präsentieren, die von uns registrierte Domains betreffen, handeln wir im Rahmen unserer technischen Möglichkeiten."
Übrigens sind Nutzer von .org-Domains keineswegs ungefährdet. Die werden zwar nicht von VersiSign verwaltet, aber von einem anderen amerikanischen Registrar: Public Interest Registry.
Megaupload-Aus verstärkt TV- und Streaming-Nutzung
Während nach dem plötzlichen Ableben der Download-Plattform Megaupload (MU) bei den Betreibern anderer Filehoster die Angst vor ähnlich drastischen Maßnahmen umgeht, können sich Online-TV- und Streaming-Dienste nicht beklagen. TorrentFreak berichtet mit Blick auf Frankreich, die dortige Urheberrechtsbehörde Hadopi habe nach dem MU-Ende eine erhebliche Zunahme der Nutzung legaler Angebote verzeichnet. Video-on-demand-Dienste hätten in dieser Zeit eine um 25,7 Prozent höhere Nutzungsrate verzeichnet als in den Wochen unmittelbar vor der MU-Schließung.
Allerdings würden MU-Konkurrenten wie Rapidshare, Uploaded.to, Depositfiles oder Hotfile seitdem ebenfalls deutliche Traffic-Zunahmen verzeichnen.
Facebook will mit Interest Lists personalisierte Zeitung einführen
Die Betreiber des Social Networks haben sich wieder ein Feature einfallen lassen um ihre Nutzer noch länger auf der Seite zu halten. Die neue Funktion heißt "Interest Lists", die eine Filterung des Newsfeeds nach persönlichen Interessen erlaubt. Dieser individuellen Liste kann der Anwender Aktivitäten oder Seiten hinzufügen, was sich auf die im Newsfeed angezeigten Inhalte auswirken soll. Das räumt den Nachrichtenstrom auf, könnte aber auch bei Reklamefirmen für leuchtende Augen sorgen. Denn sobald ein Facebook-Nutzer zum Beispiel die Fan-Seite eines Unternehmens der Liste hinzufügt, könnte die passende Werbung noch zielgenauer im Newsfeed abgelegt werden. Noch ist das Feature nur für einige Facebook-Anwender sichtbar, es ist nicht bekannt, wann es für alle freigeschaltet wird. Gegenüber "Zdnet" erklärte ein Facebook-Sprecher: "Wir probieren ständig neue Produkte und Funktionen aus, aber wir haben nichts weiter bekanntzugeben."
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