Netzwelt-Ticker: Blogger setzt sich gegen Bahn durch

Von Felix Knoke

Netzpolitik.org hat sich gegen die Bahn durchgesetzt - die Abmahnung gegen das Blog wird nicht weiterverfolgt. Außerdem im Überblick: Online-Dienste wie Google Latitude stoßen auf Kritik, Microsoft tratscht in Web-Hochglanz über Promis, und Sarah Palin ärgert sich über Lästerblogger.

Netzpolitik.org war erfolgreich: Die Bahn wird die Abmahnung gegen den Blogger Markus Beckedahl, der ein Dokument über die Überwachungsmethoden des Konzerns veröffentlicht hatte, nicht weiterverfolgen. Ein Sprecher der Bahn bestätigte SPIEGEL ONLINE, was Beckedahl im Blog berichtet: Man werde die Unterlassungserklärung, die man dem Blogger habe zukommen lassen, nicht weiter durchzusetzen versuchen. Das Ziel, das von Beckedahl online gestellte Dokument aus der Öffentlichkeit zu verbannen, ist ohnehin gescheitert.

Netzpolitik.org: "Vielen Dank für die Unterstützung!"

Netzpolitik.org: "Vielen Dank für die Unterstützung!"

Inzwischen ist das Protokoll einer Unterredung zwischen dem Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix und mehreren Bahn-Mitarbeitern ohnehin an verschiedenen Stellen gespiegelt worden - unter anderem als Tauschbörsen-Datei und auf anderen Webseiten, etwa der des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck. "Vielen Dank für die Unterstützung!" schreibt Beckedahl nun. Denn auch viele Leser seines Blogs und andere Blogger hatten ihn unterstützt, nachdem er die Abmahnung aus dem Hause Mehdorn öffentlich gemacht hatte.

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Ortungssysteme - Das Internet will wissen, wo wir sind

Zwar versprechen Online-Ortungssysteme wie Googles Latitude ganz neue Web-Möglichkeiten für Empfehlungsdienste wie Qype und soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter. Aber das neue Web-Wunderwerkzeug hat auch seine Schattenseiten: Die britische Datenschutzorganisation Privacy International hat zum Beispiel kurz nach der Latitude-Veröffentlichung schon eine Sicherheitslücke im Handyortungsdienst ausfindig gemacht. Nicht alle Telefone, auf denen Latitude läuft, fasst die ORF Futurezone die Warnung zusammen, können ihre Nutzer regelmäßig darüber benachrichtigen, ob der Dienst aktiviert ist oder nicht. Mithilfe dieser Sicherheitslücke und ein wenig Hackarbeit könnten böswillige Personen Mobiltelefonbesitzer unbemerkt verfolgen: ein Traum nicht nur für Stalker und misstrauische Lebenspartner.

Über ein anderes Problem ist das Techdirt-Blog gestolpert, ohne es zu merken: Rein unter Wettbewerbsaspekten analysiert Blogger Derek Kerten den Einfluss, den Googles kostenloser Dienst auf all die kostenpflichtigen Ortungsdienste – wie sie auch einige Mobilfunkanbieter anpreisen: Immer wissen, wo das Kind gerade ist – hat. Resümee: Die Leute gewöhnen sich dank Google Latitude an Location Sharing, den Austausch von Informationen über den aktuellen Aufenthaltsort. Das vergisst Kerten zu sagen: Wer sich all zu sehr daran gewöhnt, solche Informationen preiszugeben, wird vielleicht einmal die Kontrolle darüber verlieren, wer wann was über jemandes Aufenthaltsort, Absichten, Ziele weiß.

Microsoft: Promihochglanz an der Tratschwand

A propos Stalker und Online-Überwachung: Microsoft versucht, im Wettrennen um die saftigsten Prominews und Paparazzi-Bilder zu den Webtratsch-Vorreitern TMZ.com und perezhilton.com aufzuschließen. Das nötige Know-how für das Online-Magazin Wonderwall.com soll der ehemalige VH1-Blogger Alex Blagg mitbringen: Er gewann schon zwei Webby-Awards für die beste Celebrity/Fan-Site, seinem Blog "Best Week Ever". Und tatsächlich: Wonderwall.com sieht nicht nur hübsch aus, sondern führt den neugierigen Surfer auch in wenigen Klicks an die Quellen der dunklen Geheimnisse der Stars: Nämlich all den anderen Online-Ausgaben von Tratschzeitschriften und Tratschblogs ohne Berührungsängste vom Schlage TMZ.com.

Apple: Neues vom Snow Leopard

Der Appleinsider.com hat Neuigkeiten zu Apples nächster Mac OS X-Version Snow Leopard (Mac OS X 10.6): Das Apple-Betriebssystem wird ein wenig in die Trickkiste des iPhone greifen und dessen Ortungssysteme übernehmen. Sprich: Das neue Mac OS X weiß immer, wo sich der Nutzer gerade aufhält. Das sollte sich einmal Microsoft leisten, das Geschrei wäre groß. Aber, siehe oben: Ortungssysteme sind Fluch und Segen, der Nutzer kann selbst entscheiden, was schwerer wiegt.

Muss sich jetzt jeder Mac OS X-Besitzer ein GPS-Gerät kaufen, um von den neuen Fähigkeiten Gebrauch zu machen? Nein, wie schon beim alten 2G- und etwas weniger wichtig auch beim 3G-iPhone wird der "CoreLocation"-Dienst drahtlose Netzwerke in der Umgebung abscannen und so seinen ungefähren Standpunkt orten.

Ein im Vergleich weitaus weniger spektakuläres, wenn auch im Alltag wahrscheinlich häufiger benutztes Feature: Das neue Betriebssystem wird verstärkt auf Multitouch-Gesten auf dem Trackpad setzen: Programmierer sollen von den Möglichkeiten Gebrauch machen, ihre Nutzer schon mal an die Vorteile der vielen Trackpad-Finger gewöhnen.

Sarah Palin hetzt gegen Blogger

Als die Lästerblogger Sarah Palin entdeckten, ihre außenpolitischen Randpositionen und randpolitischen Äußerungen unter die Lupe nahmen, war es das Netz-Aus für die einstige Vize-Kandidatin John McCains. Hiesiger Höhepunkt der Online-Lästerung: Der Vergleich Palins mit Hessens SPD-Debakelchefin Andrea Ypsilanti. Doch jetzt holt zumindest die amerikanische Trümmerfrau zum Schlag gegen die Bloggerbrut aus: In der März-Ausgabe des US-Magazins "Esquire" schimpfte sie gegen "anonyme, lächerliche Blogger", die Unwahrheiten über sie verbreiteten. Wie seltsam ihr die Welt der Medien erscheint, erklärt sie mit den Verschwörungstheorien, denen einige Journalisten scheinbar immer noch aufsitzen: Nein, ihr neunmonatiger Sohn Trig ist nicht das Ergebnis einer früheren geheimen Schwangerschaft ihrer 18-jährigen Tochter Bristol. Dieses Gerücht wurde zunächst nur im Internet verbreitet. Für Palin ein Zeichen, dass der Journalismus noch immer in der Krise steckt.

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