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Netzwelt-Ticker: Bürgerrechtler verurteilen Facebooks Datenschutzreform

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Facebooks neue Privacy-Einstellungen sollen das Social Network ein bisschen mehr wie Twitter machen - bedrohen aber den Datenschutz der Nutzer, sagt die Electronic Frontier Foundation. Außerdem im Überblick: Musiklabel verklagt Google und Microsoft, Musik in 140 Zeichen und mehr.

Facebook: Neue Datenschutz-Einstellungen sorgen für Unmut Fotos
DPA

Facebook will es mit Twitter und dem Echtzeit-Web aufnehmen. Grundlage dafür wäre aber die Veröffentlichung aller Nutzer-Aktivitäten im Netz. Eine Datenschutzreform soll nun den Spagat zwischen totaler Entblößung und Schutz der Privatsphäre schaffen - und erzürnt Onlinepresse und Bürgerrechtsbewegungen: Die Reform macht theoretisch alles sicherer, aber praktisch vieles unsicherer.

Wenn Facebook etwas am Datenschutz dreht, sind davon 350 Millionen Menschen betroffen. Diese Dimension muss man sich vor Augen halten, um den Aufruhr, den Facebooks neue Datenschutzeinstellungen bei Bürgerrechtlern und in der Onlinepresse verursachten, zu verstehen. Facebook will seinen Nutzern mehr Kontrolle über ihre Privatsphäre geben, schrieb gestern die DPA. Zukünftig sollen die Nutzer Fall für Fall entscheiden dürfen, wer einen neuen Eintrag im sozialen Netzwerk sehen darf. Die freizügigste Einstellung führt zur Preisgabe aller neuen Facebook-Einträge bei Google und anderen Suchmaschinen; das Private wird öffentlich. Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung Electronic Frontier Foundation (EFF) sieht deswegen in den neuen Optionen neben guten Ansätzen vor allem auch große Gefahr. Sie erkennt in den neuen Einstellmöglichkeiten den Versuch, Facebook-Nutzer zur Preisgabe von noch mehr Informationen als bisher zu bewegen, heißt es im EFF-Blog. Am Ende bedeuten die Datenschutzänderungen "weniger Kontrolle der User über ihre persönlichen Daten." Ari Schwartz vom Center for Democracy and Technology sieht das einem Bericht der "Computerworld" zufolge ähnlich: Zwar sei es gut, Usern mehr Einstellmöglichkeiten zu geben, aber die neuen Standard-Einstellungen von Facebook werden einen negativen Einfluss auf den Datenschutz haben.

Diese Einschätzung ist gerechtfertigt: Facebook stellt Nutzer jetzt vor die Wahl, alles bei den alten Einstellungen zu belassen oder die neuen Standards "für alle" zu akzeptieren. Wer schon einmal Facebooks Datenhunger per manueller Einstellmöglichkeiten zu drosseln versuchte, fährt mit "Alte Einstellungen" gut. Wer noch nie am Datenschutzregler drehte, wird vor die Wahl "schlecht oder eklig" gestellt, wie es die EFF formuliert. Wer bei den Standard-Einstellungen bleiben will, veröffentlicht zukünftig seine Facebook-Status-Updates für die Welt. Was sich auf jeden Fall ändert: Gruppen-Mitgliedschafen sind auch für Nutzer sichtbar, die keine freundschaftliche Verbindung zum gerade betrachteten Profil pflegen. Das gleiche gilt für die eigene Freundesliste, Alter, Geschlecht, derzeitigen Wohnort und die "Networks", denen man angehört. All das kann man künftig nicht mehr privat halten, wenn man bei Facebook angemeldet ist.

Wie also am besten vorgehen? Egal, was man beim aktuellen Datenschutz-Dialog eingab: Alle Facebook-Nutzer sollten das "Privatsphäre-Einstellungen"-Menü bei "Einstellungen" aufrufen und Punkt für Punkt für sich beantworten: Sind das Informationen, die ich mit der ganzen Welt teilen will?

Prinzipiell aber gelte, so die EFF: "Nutzer, die Kontrolle über ihre Privatsphäre für wichtig halten, werden entscheiden müssen, ob Teilnahme am neuen Facebook einen so extremen Privatsphären-Verlust wert ist."

Klage gegen Google und Microsoft

Weil Microsoft und Google mit ihren Suchmaschinen den illegalen Handel mit urheberrechtlich geschützten Songs "erleichtern und ermöglichen" würden, hat das amerikanische Mini-Musiklabel Blue Destiny Records vor einem US-Bundesgericht Klage gegen die beiden Unternehmen eingereicht. Im Fokus steht der deutsche Filesharing-Dienst Rapidshare, ein Unternehmen, das kostenlosen, öffentlich zugreifbaren Speicherplatz im Internet anbietet. Rapidshare betreibe wissentlich "ein Vertriebszentrum für unrechtmäßige Kopien von urheberrechtlich geschützten Werken", heißt es in der Klageschrift. Microsoft und Google unterstützten das Unternehmen, da es eine wirtschaftliche Beziehung über die Online-Werbedienste von Google und Microsoft gebe, über die Rapidshare zahlende Abonnenten suche.

Internetjurist und Jura-Professor Eric Goldman analysiert das Geschehen in seinem Blog: Es gab bereits einen ähnlich gelagerten Fall, der die Blue-Destiny-Klage erst ermöglichte. "Meiner Ansicht nach ist diese Klage unklug und wird wahrscheinlich keinen Erfolg haben."

Werbung für das Label ist es aber allemal …

Microsoft veröffentlicht Windows-7-Tool erneut

Microsoft hat am Mittwoch bekanntgegeben, ein Programm, mit dem man Windows 7 via USB-Stick installieren kann, wieder zum Download anzubieten. Microsoft musste das Programm zurückziehen, nachdem bekanntgeworden ist, dass das Unternehmen damit gegen die Open-Source-Lizenz GNU Public Licence (GPL v2) verstößt. Das Microsoft-Programm beinhaltete Programmcode unter GPL-Lizenz, laut GPL-Lizenz hätte damit auch der Rest des Programmcodes offen gelegt werden müssen. Microsoft hat das nun nachgeholt und den Programmcode auf CodePlex.com, Microsofts eigener Open-Source-Plattform, veröffentlicht.

140-Zeichen-Musik

Der "New Scientist" berichtet von einem nerdigen Musikexperiment: Wie viel Musik steckt in 140 Zeichen Programmcode? Mehrere Programmierer haben sich dran gemacht, in nur 140 Zeichen - das entspricht der Maximallänge einer Twitter-Nachricht - Musik und Geräusche zu programmieren. Herausgekommen ist ein kostenloser Sampler mit 22 dieser Tracks: SC140. Das britische Musikmagazin "The Wire" stellt die Künstler und deren Ansinnen vor. Die Kunst, ganz klein zu programmieren, hat Demoszene-Künstler TBC perfektioniert: Mit Programmen, die teilweise nur wenige Byte groß sind, schafft er kleine Grafikwunderwelten, wie dieses Listing seiner Werke bezeugt.

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Zum Autor
Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.


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