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Netzwelt-Ticker Bundesgerichtshof stärkt Online-Käuferrechte

Google produziert weiterhin Neuheiten am laufenden Band, diesmal gibt's Chromglanz testweise auch für Mac und Linux. Ganz fertig ist dagegen Mozillas neuer E-Mail-Client Thunderbird, und auch Phisher verstehen etwas von Suchmaschinenoptimierung. Das und mehr im Überblick.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat erneut die Rechte von Verbrauchern bei Online-Käufen gestärkt. Ebay und andere Plattformbetreiber sind nun in Zugzwang. Denn laut einem Urteil vom Mittwoch reicht ein Mausklick nicht aus, um bei einem Vertragsabschluss die Kosten für eine spätere Verschlechterung der Ware auf den Kunden abzuwälzen.

"Laut Gesetz ist dies erst gültig, wenn der Verbraucher darüber in Textform, also schriftlich, belehrt worden ist", entschied der Bundesgerichtshof. Dies sei bei Ebay nicht der Fall, dort gelte der Käufer bereits durch den Tastendruck als belehrt. Anlass der Entscheidung war eine Klage der Verbraucherzentralen gegen ein Unternehmen, das über Ebay Kinder- und Babybekleidung verkauft (VIII ZR 219/08).

Solange eine Belehrung nur online vorgegeben sei, muss der Händler für beschädigte Produkte seines Kunden aufkommen, wenn dieser die Waren innerhalb eines Monats zurückgibt und sie in dieser Zeit nur so genutzt wurde, wie es vorgesehen ist, erklärte ein BGH-Sprecher. "Nach diesem Urteil ist Internethändlern anzuraten, ihre Geschäftsbedingungen genau zu prüfen", sagte er. Diese müssten "eindeutig, klar und transparent" sein.

dpa

Mehr Datenschutz-Optionen für Facebook-Nutzer

Das Online-Netzwerk Facebook will seinen Nutzern mehr Kontrolle über ihre Privatsphäre geben. Mitglieder können künftig bei der Veröffentlichung von Inhalten wie Fotos, Kommentaren oder Links jedes Mal festlegen, wer diese auf der Internetplattform sehen darf. Zudem vereinfacht das Unternehmen aus San Francisco die Einstellungen zum Datenschutz und fordert in den nächsten Tagen alle 350 Millionen Mitglieder dazu auf, diese zu überprüfen. Facebook war wegen seiner Datenschutzpolitik in den vergangenen Monaten mehrfach in die Kritik geraten. Im August hatte zum Beispiel die kanadische Datenschutzbeauftragte Jennifer Stoddart bemängelt, dass die Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten "oft verwirrend und unvollständig" seien.
dpa

Google Chrome jetzt auch für Mac und Linux

Erst vor wenigen Tagen angekündigt, nun ist es soweit: Google arbeitet weiter am allumfassenden Netzangebot und stellt seinen Browser Chrome in einer Betaversion für Linux und Mac OS X vor. Schon vor mehr als einem Jahr, im September 2008, hatten die Suchmaschinisten ihren Browser für Windows herausgebracht. Nach Angaben von Google nutzen das Programm inzwischen weltweit 40 Millionen Menschen. In Deutschland liege der Marktanteil jedoch noch unter dem allgemeinen Durchschnitt, so Google-Manager Brian Rakowski gegenüber "Golem".

Auch in der Mac-Version soll Chrome besonders fix starten, außerdem setzt das Programm auf die Keychain von Mac OS X und erfreut den Betrachter mit den gewohnten Animationen zum Beispiel beim Öffnen der Lesezeichen-Leiste. Auch für Linux gibt es einige Anpassungen, Updates durch den Paketmanager sind ebenso dabei wie GTK-Themes. Und das Chrome-Angebot wird nun noch kontinuierlich durch eigene Erweiterungen ergänzt. Ähnlich wie bei Firefox soll eine Vielzahl von individuell auswählbaren Zusatzprogrämmchen dem Nutzer das Surferleben angenehmer machen. Derzeit gibt es bereits 300 dieser Extensions.

"Living Stories": Neuer Nachrichtenservice von Google

Damit ist die Liste der Neuerungen aber noch nicht vollständig. Zusammen mit den beiden Flaggschiffen der US-Zeitungswelt, der "New York Times" und der "Washington Post", geht Google mit einem neuen Nachrichtenprojekt an die Öffentlichkeit. Die Grundidee: Anders als bei gedruckten Zeitungen können News im Internet ständig einer veränderten Nachrichtenlage angepasst werden. Dies dient als Basis für einen Service namens "Living Stories", der sich nicht nur auf regelmäßige Aktualisierungen beschränken soll. Jede Nachricht kommt mit einem ganzen Bündel von vernetzten, multimedialen Zusatzinfos daher, die der Leser nach Bedarf abrufen kann. Wichtige Artikel können via E-Mail-Benachrichtigung oder RSS-Feed abonniert werden, so erfährt der Nutzer immer, wenn es etwas Neues zum Thema gibt. Gerade vor dem Hintergrund der teilweise heftigen Auseinandersetzungen, die sich Zeitungen mit Google im Streit um die gerechte Verteilung der Vermarktungsgewinne liefern, markiert das neue Konzept einen interessanten Ausweg. Anstatt sich weiter in Konfrontationen zu verbrauchen, könnten die Beteiligten ein neues Finanzierungsmodell erarbeiten, von dem beide Seiten profitieren.

Thunderbird 3 ist fertig und verfügbar

Dagegen hat Mozilla nach langer Vorbereitung die neueste Finalversion seines E-Mail-Programms Thunderbird herausgebracht. Die jahrelange Arbeit an der Alternative zu Microsoft Outlook hat sich in einer großen Zahl von Verbesserungen und Neuheiten niedergeschlagen. Thunderbird 3 soll immerhin der schnellste, sicherste und anpassungsfähigste Client sein. Unter den insgesamt 2000 Änderungen finden sich jetzt Tabbed E-Mail, ein integriertes System zur Archivierung und eine völlig veränderte Suchfunktion. In gewohnter Weise können die Nutzer das Programm durch Add-ons nach ihrem persönlichen Geschmack einrichten. Unter der Haube treibt eine Gecko 1.9.1 Engine die Software an und soll - auch durch regelmäßige automatische Updates - ein größeres Maß an Sicherheit bieten als bisher schon.

Wie Phisher Suchmaschinen manipulieren

Dass Phisher arglose Zeitgenossen mit allerlei Tricks auf betrügerische Webseiten zu locken und ihnen wertvolle Daten wie zum Beispiel Kreditkartennummern zu entlocken versuchen, ist mittlerweile ein alter Hut. Doch leider können auch sicher erscheinende Suchmaschinenergebnisse ins Verderben führen, wie eine Studie des Sicherheitsexperten Jim Stickley zeigt. Dazu fälschte er die Web-Seite der Credit Union of Southern California (die zuvor für den Test ihr Einverständnis gegeben hatte). Dann nutzte er seine Kenntnisse in Sachen Suchmaschinenoptimierung und erhielt nach ein wenig Bastelei ein Ergebnis, das ihn schockierte: die Fake-Seite landete bei der Yahoo-Suche auf Platz zwei, Microsofts Bing platzierte die Stickley-Seite sogar noch vor dem echten Bankenauftritt.

Anders das Ergebnis bei Google, dort hatten Stickleys SEO-Übungen nicht den gewünschten Erfolg. Hier landete er auf Seite sechs der Suchergebnisse, wo ein durchschnittlicher Surfer nie hingelangt. Doch selbst das Google-System sei nicht narrensicher, wie der Qualitätsbeauftragte Jason Morrison gegenüber "AP" bekannte. Gerade während der aktuellen Rezession seien einige betrügerische Seiten in die Google-Listen gerutscht, aber das seien "sehr, sehr wenige gewesen. Sobald wir derlei bemerken, passen wir uns an, aber es ist ein bisschen wie ein Katz-und-Maus-Spiel. Wir können nicht jede einzelne Betrugsseite aus den Ergebnissen entfernen, das ist unmöglich."

Handy-Standard GSM auf dem Prüfstand

Eine Reihe von Forschern ist dabei, den Handy-Standard GSM, mit dem weltweit drei Milliarden Menschen telefonieren, grundsätzlich in Frage zu stellen. Denn Karsten Nohl, Forscher beim IT-Sicherheitsunternehmen H4RDW4RE und zugleich Mitglied des Chaos Computer Club (CCC), ist dabei, den GSM-Sicherheitsstandard A5/1 zu knacken. Die Details will er bis zum Ende des Jahres veröffentlichen. Bei der GSM-Telefonie wird aus dem jedem Handy-eigenen Geräteschlüssel ein einmaliger Session-Key erstellt, und den will Nohl knacken. Das braucht natürlich Rechenkraft, die holt sich der Forscher aus einem Peer-to-Peer-Netz von 80 angeschlossenen Computern. Eine derartige Netzwerk-Basis würde es im Ernstfall auch unmöglich machen, die entsprechenden Dateien wieder aus dem Web zu löschen. Zweck der ganzen Aktion ist die Demonstration der Anfälligkeit und Verletzbarkeit des GSM-Standards gegenüber Attacken. Mit dieser Erkenntnis vor Augen, so Nohls Hoffnung, werden die Telefonprovider zukünftig verstärkt auf verbesserte Sicherheitsrichtlinien setzen.

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Zum Autor
Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.






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