Netzwelt-Ticker Bundesprüfstelle sperrt Magersucht-Blog

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat erstmals ein Privatblog indiziert, weil ein minderjähriges Mädchen darin seine Magersucht verherrlichte. Außerdem im Überblick: Handy-Trojaner verschickt Geld per SMS - und schon wieder eine Herzinfarkt-Falschmeldung über Steve Jobs.

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China legt 1.250 Porno-Web-Seiten still

Peking macht - nach anfänglich eher zögerlichen Schritten - mit der Sperrung von Sex-Seiten ernst. Wegen Verstoßes gegen das Pornografie-Verbot hat China seit Beginn des Jahres 1.250 Web-Seiten stillgelegt. Im Zuge der am 5. Januar begonnenen Razzia wurden 41 Personen verhaftet, wie die Behörde für Internet-Angelegenheiten am Freitag mitteilte. "Wir haben erkennbare Ergebnisse erzielt", sagte der stellvertretende Behördenleiter Liu Zhengrong. Es müsse aber noch mehr getan werden. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, dass die Säuberungsaktion auch auf Online-Spiele mit pornografischem Inhalt ausgeweitet worden sei. (AP)

BPjM sperrt Privatblog von Minderjähriger

Pro-Ana-Web-Seite, Selbstbildnisse Magersüchtiger: "Glaubensbekenntnisse" und Handlungsanweisungen

Pro-Ana-Web-Seite, Selbstbildnisse Magersüchtiger: "Glaubensbekenntnisse" und Handlungsanweisungen

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat erstmals ein Privatblog auf den Index gesetzt. Betroffen ist "Anna-Hanna-Blogspot", in dem sich eine minderjährige Autorin mit ihrer Magersucht Anorexia Nervosa auseinandersetzt. Laut BPjM gehört die Autorin zur "Pro-Ana"-Szene und verherrlichte die Krankheit in Gedichten, "Glaubensbekenntnissen", Handlungsanweisungen und "Motivationsverträgen", so die Prüfstelle in ihrer Entscheidung. "Gefährdungsgeneigte Jugendliche oder heranwachsende Betroffene fühlen sich auf Pro-Ana-Seiten verstanden und ermutigt, weiter an der Essstörung festzuhalten." Blog-Hoster Google hat das Angebot bereits aus dem Netz genommen - eine Zugangsbeschränkung für Minderjährige hätte genügt. Beim Lawblog hat die Sperrung derweil eine Diskussion um Netz-Zensur und Präzedenzwirkung entfacht: Wird Minderjährigen - und damit praktisch allen Nutzern - bald auch der Zugriff auf andere kritische und ungemütliche Internet-Beiträge durch Altersverifikations-Systeme gesperrt? Ein Kommentator fragt hintergründig: "Wann werden denn Modellwettbewerbe zensiert?"

Spreeblicker Johnny Haeusler dagegen bricht eine Lanze für die Prüfstelle - man müsse sich den digitalen Herausforderungen anders stellen "als durch reflexhafte 'Zensur!'-Statements". In den Kommentaren fordern dann einige aber wieder ein Recht aufs Zu-Tode-Hungern.

Polaroid: Fans wollen Kultkamera wiederbeleben

Als die Firma Polaroid im letzten Jahr ankündigte, zuletzt nun im Jahr 2009 auch die Filmproduktion für ihre Sofortbildkameras einzustellen, verhallte diese Ansage fast ungehört. Doch ein ehemaliger Polaroid-Mitarbeiter und ein ehemaliger Manager der Lomografischen Gesellschaft, eine Online-Community von Filmenthusiasten, wollen die legendäre Kamera nicht sterben lassen. Mit zusammengeschnorrtem Geld kauften sie nicht länger benötigte Fertigungsanlagen von Polaroid auf, mieteten sich eine Polaroid-Fabrik in den Niederlanden und kauften zehn Techniker, Chemiker, Ingenieure für ihr "The Impossible Project" ein. Das Blog der "New York Times" beschreibt die Mühen und Nöte der Fotofans - und die immer dräuende Frage: Warum braucht man eine veraltete Technik in Zeiten von Digitalfotografie? Die etwas nostalgische Antwort: "Das ist ein einzigartiges Medium, und es verdient eine zweite Chance."

Symbian Malware klaut Geld vom Handy

Cyberdiebe in Indonesien gehen seit kurzem mit einer neuen Masche auf Klau-Tour: Sie lassen sich das Geld einfach zusimsen. Und das funktioniert so: In Indonesien kann man sich Geld per SMS von einem Handy-Konto aufs nächste überweisen. Ein Trojaner, den die Hacker verteilen, nistet sich im Handy-Betriebssystem Symbian ein und überweist selbsttätig kleine Mengen Geld aufs Hacker-Konto. Antivir-Hersteller Kaspersky Lab hat den neuen Trojaner ausfindig gemacht und warnt: "Es sieht ganz so aus, als ob Finanzbetrug in der Mobile-Malware-Industrie im Kommen sei."

Steve Jobs erlitt keinen Herzinfarkt, aber Wired einen "Hack"

Steve Jobs Gesundheit ist mal wieder Ziel eines bösen Internet-Gags geworden: Blitzschnell verbreitete sich gestern die Nachricht, der Apple-Boss habe einen Herzinfarkt erlitten. Als Quelle wurde ein Artikel beim renommierten Online-Magazin "Wired" verlinkt. Allein: Der Link täuscht, die linkische Verlinkung verweist in Wirklichkeit auf ein Bild eines angeblichen "Wired"-Artikels, das der Scherzbold beim Wired-Bilderservice hochlud. Das Ergebnis: eine täuschend echte Wired-Replika. Wären da nur nicht die untypischen Rechtschreib- und Grammatikfehler.

Apple patentiert automatische Lautstärke-Anpassung

Man könnt fast denken: Typisch, dass da mal wieder nur Apple draufgekommen ist. Ein iPod, der automatisch die Lautstärke anpasst, wenn es in der Umgebung lauter oder leiser wird. Natürlich, so die Patentanmeldung vom Juli 2007, mit Sicherheitsvorkehrungen, die zum Beispiel die Musik bei Baustellenlärm nicht auf ohrzertrümmernde Lautstärke anschwellen ließe. Eine ähnliche Technik setzt Apple bereits bei der Hintergrundbeleuchtung der iPhone-Displays ein: Je heller die Umgebung, desto heller scheint das iPhone.

Jetzt mag aber der ein oder andere denken: Moment mal, Lautstärke, die sich an die Umgebungsgeräusche anpasst, das kenne ich doch ... aus dem Auto! Tatsächlich gibt's die automatische Lautstärkeanpassung unter dem Kürzel GAL oder GALA (Geräuschabhängige oder Geschwindigkeitsabhängige Lautstärkeanpassung) schon seit geraumer Zeit für Autoradios. Je größer der Brumm, desto lauter der Bumm.

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  • Soziale Netzwerke und die Überwachungsgesellschaft, eine kritische Fallstudie, PDF-Datei

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