Netzwelt-Ticker Bundesrat winkt Sperrgesetz durch

Die letzte Hürde ist genommen: Der Bundesrat hat das BSI- und das Internet-Sperrgesetz beschlossen. Außerdem im Nachrichten-Überblick: US-Staatsanwalt beschuldigt Tagged.com des massenhaften Identitätsdiebstahls, internetsüchtige Chinesen müssen ins Erziehungslager.


Der Bundesrat hatte heute viel zu tun. Nicht weniger als 62 Gesetzen musste das Gremium seine Zustimmung geben - oder verweigern. Am Ende herrschte große Einigkeit und das Gesamtpaket wurde durchgewunken. Unter anderem nahm damit das umstrittene Gesetz zur Sperrung von Webseiten, die dem Urteil des BKA zufolge Kinderpornografie im Internet verbreiten, die letzte Hürde.

Warnschild bei Internetsperren: Wer diesen Hinweis im Browser zu sehen bekommt, hat versucht eine vom Bundeskriminalamt als
BKA

Warnschild bei Internetsperren: Wer diesen Hinweis im Browser zu sehen bekommt, hat versucht eine vom Bundeskriminalamt als

Ab dem 1. August sollen Internetnutzer die, absichtlich oder nicht, eine solche Seite ansurfen, einen Warnhinweis zu sehen bekommen der sie darauf hinweist, dass das Umgehen der Internetsperre strafbar wäre. Das Bundeskriminalamt (BKA) soll Internet-Provider ständig aktualisierte Listen einschlägiger Web-Adressen zur Sperrung bereitstellen. Bevor eine Seite auf der Sperrliste auftaucht, soll aber versucht werden, die Porno-Seite löschen zu lassen. Das Gesetz ist zunächst auf drei Jahre befristet.

Mit dem "Gesetz zur Stärkung der Sicherheit in der Informationstechnik des Bundes" segnete der Bundesrat zudem einen Bundestagsbeschluss ab, der dem BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) weitere Kompetenzen zusichert. Damit darf das Bundesamt künftig personenbezogenen Protokolldaten aus der Internetkommunikation in unbegrenzter Menge und ohne zeitliche Begrenzung speichern, sofern dies zur Bekämpfung von Schadsoftware nötig ist.

Im Gegensatz zu dem ursprünglich von der Bundesregierung eingebrachten Entwurf des sogenannten BSI-Gesetztes sind die darin enthaltenen Regelungen im Bundestag allerdings abgeschwächt worden. So wurde etwa die allgemeine Befugnis zur Übermittlung der Daten an Sicherheitsbehörden eingeschränkt, wie heise.de berichtet.

mak/dpa

Google sucht nach Creative-Commons-Bildern

Google sucht jetzt noch detaillierter nach Bildern unter der alternativen "Creative Commons"-Lizenz. Mit Hilfe der Creative Commons (CC) können Urheber sehr leicht abgestuft bestimmen, was andere mit ihren Werken tun dürfen. Zum Beispiel nicht-kommerziell wiederverwenden, kommerziell wiederverwenden, verändert wiederverwenden und veränderte Werke auch kommerziell wiederverwenden. Bisher suchte Google einfach nach Bildern unter CC-Lizenz und überließ es dem Finder herauszufinden, welche CC-Lizenz auf das jeweilige Bild zutrifft. Nun kann der Nutzer konkret angeben, welche CC-Lizenz die gesuchten Bilder erfüllen müssen.

Die CC-Suchoption versteckt Google, wo die Suchergebnisse auch auf bestimmte Bildgrößen, bestimmte Bildinhalte und Stichwörter eingegrenzt werden können.

Richtig sinnvoll ist die CC-Suche erst in Verbindung mit diesen weiteren Suchoptionen. So kann Google zum Beispiel die riesige Datenbank des Flickr-Bilderdienstes nach frei verwendbaren Bildern durchsuchen - für Künstler, Blogger, Agenturen ein Geschenk.

Allerdings weist Techcrunch.com völlig zurecht darauf hin, dass Google-Konkurrent Yahoo! eine so detailliertere CC-Suchoption schon seit langem anbietet; Googles Bildersuche aber fördere mehr Ergebnisse zu Tage. Fragt sich jetzt nur noch, wann Microsofts Bing-Suchmaschine auf den CC-Zug aufspringt. Wie's mit der CC-Suche weitergeht, kann man bereits auf Search.creativecommons.org sehen: Dort finden Suchmaschinen bereits neben Bildern auch Videos und Musikstücken unter der freien Lizenz.

Tagged.com: Angeklagt wegen Identitätsdiebstahl

Weil das soziale Netzwerk Tagged.com die Online-Identitäten von mehr als 60 Millionen Internetnutzern weltweit gestohlen haben soll, will der New Yorker Staatsanwalt Andrew Cuomo Anzeige gegen das Onlineangebot erstatten. Das Netzwerk habe betrügerische Marketingmethoden angewandt und sich der massenhaften Verletzung von Privatsphären schuldig gemacht. "Dieses Unternehmen stahl die Adressbücher und Identitäten von Millionen von Leuten," schrieb Cuomo in einem Statement. Im Namen der Bestohlenen verschickte das Netzwerk dann Spam-Mails an Adressen aus deren Adressbüchern, um noch mehr Kunden zu gewinnen. "Die Privatsphäre der Verbraucher wurde verletzt und sie sahen sich in der peinlichen Situation, sich bei all ihren E-Mail-Kontakten für das unethische - und illegale - Verhalten von Tagged zu entschuldigen."

Tagged.com, 2004 von zwei Harvard-Studenten gegründet, beansprucht für sich, nach Facebook und MySpace mit 80 Millionen registrierten Nutzern das drittgrößte soziale Netzwerk in den Vereinigten Staaten zu sein. Geht es nach Staatsanwalt Cuomo, gelangte Tagged.com an die meisten dieser registrierten Nutzer durch die unter fremdem Namen verschickten Einladungsmails. In diesen lockte Tagged.com die Ahnungslosen, Privatfotos von ihren Freunden, Arbeitskollegen, fernen Verwandten zu sehen: "(Name des Freundes) sent you photos on Tagged."

Diese feindliche Übernahme des privaten Adressbuches ist nicht einzigartig: Noch vor wenigen Jahren verschickten viele soziale Netzwerke im Namen ihrer Nutzer Mails. Heute bietet etwa Facebook eine verbesserte Methode an: Wer sein Adressbuch freiwillig hochlädt, bekommt nur angezeigt, welche der Adressbuchkontakte auch im sozialen Netzwerk registriert sind. Die eigentliche Verknüpfung nimmt der Nutzer dann selbst vor.

Frankreich: Hacker sabotieren 3-Strikes-Gesetz

Französische Hacker haben laut der französischen Wochenzeitung "Le Monde" auf einer Hackerkonferenz nahe Paris beschlossen, mit Hackermitteln ein Lieblings-Gesetzesvorhaben von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zu torpedieren: Geknackte Router sollen die französischen Netzsperren unmöglich machen.

Nachdem die ersten beide Versuche, sein umstrittenes Netzsperren-Gesetz durchzusetzen, dramatisch gescheitert sind, versucht Frankreichs Staatspräsident Sarkozy es nun zum dritten Mal. Erst gestern winkte der französische Senat einen neuen, an die Kritik des französischen Verfassungsrates angepassten, Gesetzesvorschlag durch. Mit ihm soll nicht die berüchtigte Internetkontrollbehörde Hadopi über Internet oder Nicht-Internet entscheiden, sondern ein Richter, den die Hadopi von Filesharer-Fall zu Filesharer-Fall anrufen müsse. Allerdings wären nicht nur die tatsächlichen Filesharer betroffen, sondern - wie in Deutschland - auch die Anschlussinhaber, die das Filesharing damit ermöglicht haben. Wer sein W-Lan offen hält oder nicht ausreichend verschlüsselt, macht sich mitschuldig, wenn andere über dieses Netz illegal Daten herunterladen.

Diese Argumentation wollen die Hacker mit ihrer Hacksoftware "Hadopi Router" entkräften: "Wir wollen diese Software veröffentlichen, damit jeder versteht, dass die technischen Daten, die von der Hadopi-Agentur zur Beschuldigung der Leute benutzt werden wird, nicht verlässlich sind. Unsertwegen werden die Richter nicht sagen können, dass sie davon nichts wussten."

"Internetsüchtig"? Ab ins Erziehungslager!

Tao Ran hat eine Mission: Jugendlichen, die an antisozialen Störungen leiden, in der Schule scheitern, depressiv sind, aus der Internetsucht zu helfen. Mit militärischem Drill, Kampfsportübungen, Vorlesungen und Therapiesitzungen - und dreimonatiger Internetabstinenz.

Während Experten sich noch darüber streiten, ob "Internetsucht" überhaupt eine Sucht ist und was die Ursachen für exzessive Computernutzung sind, dreht Tao Ran den Argumentationsspieß einfach um: Internetsucht ist die Ursache für antisoziales Verhalten, Depression und damit auch das knallharte Drilltraining nach dem Motto: Nur in einem kaputten Körper wohnt ein gesunder Geist.

Weitere Meldungen

  • Zu langsam: Klagen wegen lahmer iPhone 3G
  • Zu spät: Telekom erzwingt Liefervertrag mit Premiere
  • Zu viel: 20 Prozent der Onlinevideo-Fans schauen weniger TV
  • Zu zweit: Intel und Google machten gemeinsame Sache bei ChromeOS
  • Zu dritt: Microsoft veröffentlicht Flash-Alternative Silverlight 3



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.