Netzwelt-Ticker CCC knackt Chinas Firewall

Ein US-Pastor überwacht heimlich die Netzaktivitäten seiner Schäfchen und baut die Netzsünden in seine Sonntagspredigt ein, Apple bringt angeblich ein iPhone nano heraus und ein falscher Bill Kaulitz machte im Netz Jagd auf Tokio-Hotel-Fans. Das und mehr im Überblick.

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Mauer mit Tunnel

Anti-Zensur-Aktion: Per USB-Stick die "Chinesewall" untertunnelt

Anti-Zensur-Aktion: Per USB-Stick die "Chinesewall" untertunnelt

Der Chaos Computer Club weist mit einer Aktionsseite auf eine besonders bequeme Möglichkeit hin, chinesische Zensurbestrebungen zu umgehen. Zum Einsatz kommt der altbekannte Tor-Browser, der Daten verschlüsselt übermittelt. Der CCC bietet dafür den so genannten Freedom Stick an, einen USB-Stick, der das Programm als Installationsdatei enthält.

Tor, Jap, Proxyserver und VPN-Software werden seit Jahren eingesetzt, um die staatliche Zensur in China zu umgehen. Realistisch ist das nur von privaten Rechnern aus möglich oder ratsam: In chinesischen Internetcafes werden Kunden namentlich erfasst, der Einsatz solcher Software dürfte für Fragen sorgen. Immerhin funktioniert die Sache, auch wenn deutsche Sportler und Journalisten darauf nicht angewiesen sind: Ihnen bietet das deutsche Nationale Olympische Komitee NOK eine VPN-Verbindung an, die ebenfalls die Zensur umgeht.

Für den CCC ist das Hickhack um die staatliche Web-Zensur in China wohl vor allem eine willkommene Gelegenheit, einmal mehr auf die Existenz dieser restriktiven Politik hinzuweisen. Denn dass dort virtuell gemauert wird, berichten der Club und die Medien seit Jahren - es interessiert nur selten jemanden.

E-Book-Reader: Amazon verkauft 240.000 Kindle

Seitdem Amazon das E-Book-Lesegerät Kimble im November auf den Markt brachte, fragt man sich: Wie gut verkauft sich das Ding denn? Jetzt will Techcrunch eine Antwort gefunden haben: 240.000 Mal, das habe eine Amazon-nahe Quelle ausgeplaudert.

Aus dem Preis zwischen 230 und 260 Euro und den Einnahmen aus E-Book-Käufen ergeben sich rund 60 Millionen Euro Einnahmen - nicht schlecht. Aber es soll steil bergauf gehen mit dem Kindle. Analyst Scott Devitt sieht eine rosige Zukunft mit insgesamt rund einer Million verkauften Kindles innerhalb des nächsten Jahres voraus. Damit könnte der Kindle langfristig ein Milliarden-Geschäft für Amazon werden. Möglich werde das, wenn Kindle an Schulen als Lehrbuch-Ersatz zum Einsatz kommt und Eltern reichlich Kindle-Inhalte bei Amazon einkaufen.

Big Pastor is watching you

Anmerkung: Bei dieser Meldung ist SPIEGEL ONLINE einer Satire aufgesessen, hier lesen Sie die Richtigstellung.

Wenn Pastor Alton, 62, aus Peoria im US-Staat Arizona zu seiner Gemeinde spricht, dann weiß er mehr als Gott, berichtet die christliche US-Zeitung "Lark News". Pastor Alton überwacht heimlich die MySpace-, Facebook- und andere Onlineaktivitäten seiner Schafe, und konfrontiert sie dann in seiner Predigt mit deren im Netz offengelegten Sünden.

Der eine kauft lieber ein Boot als zu beten, die andere treibt sich in Bars rum und ein Elternpaar weiß nichts von den College-Sünden ihrer Tochter. Wie aus dem Himmel schallen da die Ermahnungen des Pastor Alton direkt ins Herz der Finsternis: "Es war so, als ob der Heilige Geist direkt zu mir gesprochen hätte," staunt der Bootkäufer. Die Bar-Besucherin bittet um Vergebung: "Ich weiß, ich hätte nicht in dieser Umgebung herumlungern dürfen." Die anderen holen ihre arme Tochter heim vom College, um ihr statt Partyskills "Gutes Benehmen" beizubringen.

In seiner Gemeinde gilt der Stalking-Pastor als Technik-Feind. Das World Wide Web nennt er World Wide Waste (weltweiter Müll), die E-Mail schlicht Sündenmail. Doch Alton speichert 170 Bookmarks, surft wöchentlich stundenlang seinen Schäfchen hinterher – um doch noch eines ihrer Vergehen aufzuspüren und in seine Sonntagspredigt einzuarbeiten.

Das scheint zu wirken, die Gemeinde ist baff, glaubt an höhere Mächte. Pastor Alton ist da bodenständiger: "Wenn sie die Verbindung zwischen dem, was sie von sich im Netz preisgeben und dem, was ich sage, nicht hinbekommen, dann könnte ja wirklich Gott zu ihnen sprechen." Jedenfalls behandelten sie Alton nun mit "viel mehr Respekt."

Da kann man nur hoffen, dass sich unter den zahlreichen Internetnutzern seiner Gemeinde nicht noch versprengte Zeitungsleser finden: Dann dürfte das wohl kaum so bleiben.

iPhone 2.0.1 Software

Knapp einen Monat nach dem Update auf die iPhone-Software 2.0 bringt Apple schon ein Patch für den Patch. Zwar verschweigt Apple, was das 250 Megabyte große Update auf die Version 2.0.1 genau bringen soll, aber Apple Insider hat sich in den Netzkommentaren umgeschaut und Erfahrungsberichte zusammengetragen: Das Adressbuch, das Backup, das Tastenfeld sei schneller, Anwendungen können besser herumgeschoben werden, Safari dreht Websites weicher (aber hässlicher) und es gibt Updates für Software aus dem App Store.

Kurz: Keine großen Neuigkeiten. Aber es berichten auch vereinzelte iPhone-Nutzer von garstigen Problemen mit dem Update. Ein Beispiel aus dem Wired-Blog: "Seit drei Stunden resette ich das iPhone, lösche es, resette es nochmal richtig, stelle es wieder her und liege weinend auf dem Boden."

Irgendwas läuft seit dem iPhone-Update 2.0 ganz offensichtlich schief. Erst die enorm nervigen Serverprobleme zum Update-Termin, die haufenweise Apple-Telefone stundenlang lahmlegten, dann der verpatzte .mac-Nachfolger MobileMe. Das ganze Netz lästerte über Apples Fehlstart. Das bekam scheinbar auch Steve Jobs mit. In einem Memo an seine Mitarbeiter kritisiert der Apple-Boss, dass MobileMe unter Apple-Niveau war. Aber ruhig Blut, Fans, die Apple-Gerüchteküche hat was Feines für Euch:

Kommt das iPhone nano?

Die britische Zeitung "Daily Mail" will von einem Insider erfahren haben, dass Apple – zumindest in Großbritannien – zu Weihnachten eine abgespeckte Version des iPhones in den Handel bringt. Das gleiche in der Schokoriegel-Form dem iPod nano, habe möglicherweise kein druckempfindliches Display, sondern ein Drehrad auf der Rück– und einen konventionellen Bildschirm auf der Vorderseite. Ohne Vertrag soll es 190 Euro kosten und eine günstige Alternative zum teuren iPhone 3G, dem "sich am schnellsten verkaufenden Handy in UK" sein.

Was ist dran an den Gerüchten? Der deutsche Apple-Partner T-Mobile will sich zu Gerüchten nicht äußern – "davon gibt es 45 jeden Tag". Solche Gerüchte kennt nur die "Daily Mail" (Lästermäuler meinen, Nachrichten seien eher deren Nebengeschäft).

Aber so ein iPhone nano könnte tatsächlich funktionieren – womöglich zu Lasten des Verkaufs des konventionellen iPhones. Das könnte dann nur noch mit dem Argument "mobiles Surfen" den zarten Kannibalen übertrumpfen – von der bunten Superwelt der hunderttausend Killer-Applications sind iphone 2G und 3G noch weit, weit entfernt.

Falscher Bill Kaulitz im Netz

Ein 18-jähriger Jugendlicher aus Frankreich soll sich im Netz als "Tokio Hotel"-Frontmann Bill "die Frisur!" Kaulitz ausgegeben haben, um an Nacktfotos von Fans zu gelangen, die er dann im Netz veröffentlichte. Der falsche Bill wurde bereits letzten Dienstag von der Polizei festgenommen. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, dass er seine Masche auch an minderjährigen Mädchen, eines gerade einmal elf Jahre alt, versucht hat.

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