Netzwelt-Ticker Chávez soll Hacker angeheuert haben

Die Twitter-Konten vieler Regimegegner in Venezuela wurden geknackt - angeblich im Auftrag von Regierungschef Hugo Chávez. Außerdem im Überblick: Hadopi nimmt sich Raubkopie-Portale vor, IT-Verbände warnen EU vor zu viel Datenschutz, und interne Mails enthüllen Grooveshark-Gebaren.

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Präsident Hugo Chávez: Unbekannte haben die Twitter-Accounts seiner Kritiker gehackt
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Präsident Hugo Chávez: Unbekannte haben die Twitter-Accounts seiner Kritiker gehackt


Wer hat die Twitter-Konten zahlreicher venezolanischer Oppositioneller gehackt und in ihrem Namen Chavismo-Jubel und Tiraden gegen die Opposition verbreitet? Staatschef Hugo Chávez war's, und eine Bande kubanischer Hilfs-Hacker - so lauten die Gerüchte, von denen Francisco Toro im Latitude-Blog der "New York Times" aus Venezuela berichtet.

Anhaltspunkt für diese Darstellung ist ein anonymes Schreiben, angeblich aus dem venezolanischen Ministerium für Wissenschaft und Technik: Ein ganzer Stock des Ministeriums sei der Überwachung und dem Hacken der Online-Aktivitäten von Online-Aktivisten gewidmet; es säßen vor allem Kubaner in dieser Social-Media-Abteilung.

Die Regierung selbst heizte die Gerüchteküche an, als sie ein Bekennerschreiben einer "unabhängigen Hacker-Gruppe" im staatlichen Propaganda-Kanal VTV verlesen ließ. Toro fasst es so zusammen: Twitter dient der US-Regierung als Instrument, das Chávez-Regime zu destabilisieren. Seltsam nur, dass Chávez noch im Sommer sein Land während einer Krebsbehandlung auf Kuba via Twitter regierte - oder zumindest: beeinflusste. In fünfzig Nachrichten innerhalb nur einer Woche vergab er Hilfsgelder und hielt 140-Zeichen-Lobreden auf Bauvorhaben und das Herren-Fußballteam.

Die Opposition jedenfalls nimmt die Angriffe mit Humor: "Wessen Twitter-Konto nicht gehackt wurde," hörte Blogger Toro bereits, "der ist ein Nobody in der venezolanischen Opposition."

Hadopi nimmt sich Raubkopier-Portale vor

Frankreich folgt dem US-Vorbild und will Cyberlocker und Streaming-Seiten bekämpften. Die exekutive Urheberrechts-Behörde Hadopi (bekannt durch Internet-Zugangssperren) gab nun in einer Pressemitteilung bekannt, "in eine neue Phase der Mission zum Schutz der Rechte" einzutreten. Das durch die Zugangssperren gewonnene Wissen wolle man nun im Kampf gegen die Nutznießer der Online-Piraterie einsetzen.

Streaming- und Downloadseiten soll es "technisch, wirtschaftlich, rechtlich" an den Kragen gehen. Alle Menschen, die davon betroffen sind, seien aufgerufen, sich an der Ausgestaltung der Maßnahmen zu beteiligen - vor allem die Finanz-Dienstleister: Banken, Micropayment- und andere Geldvermittler und die Werbeindustrie. Selbst eine Anpassung des rechtlichen Rahmens steht zur Debatte.

Ende des ersten Quartals 2012 will Hadopi "die ersten signifikanten Ergebnisse zu jedem dieser […] Bereiche" die ersten Ergebnisse haben.

Was am Dienstag sonst noch wichtig in der Netzwelt war

  • Große Interessenverbände der amerikanischen IT-Industrie warnen die EU vor zu viel Schutz der Privatsphäre, das würde nur der "technologischen Entwicklung in der Region" schaden. Hintergrund: EU-Justizkommissarin Viviane Reding plant ein neues, stärkeres EU-Datenschutzgesetz.
  • Interne E-Mails, die die Universal Music Group (UMG) einem Gericht vorlegte, sollen zeigen, wie herzlich egal der Grooveshark-Mutter Espace Media Group (EMG) der Urheberrechtsschutz ist. Viel interessanter dürften aber die Thesen über das Geschäftsmodell Groovesharks sein: Solange lizenzfrei Songs streamen, bis man den Labels mehr Geld für Nutzungsdaten abknöpfen kann, als die Lizenzen wert wären - so der Vorwurf der Kläger.
  • Die chinesischen Kommentar-Söldner der "Internen Wasser Armee" sind eine Gefahr für Bewertungsportale und freien Meinungsaustausch (wie andere Spammer-Brigaden auch). Eine Software von Cheng Chen, Kui Wu, Venkatesh Srinivasan und Xudong Zhang soll nun die Taten und Worte der Wasser-Armee erkennen können - Spamfilter, rüstet auf!
  • Twitter kauft die Android-Sicherheitsexperten von Whisper Systems auf. Warum nur, fragt sich "Wired" und wagt eine Antwort: Twitter gilt als unsicher, die Experten sollen's richten.
  • Ein MIT-Student hat ein Browser-Plugin entwickelt, das automatisch "Fakten" in Web-Veröffentlichungen mit anderen Informationen aus dem Internet gegenprüfen und so auf Fehler oder Ungereimtheiten aufmerksam machen kann. Ausprobiert und auf Fehler und Ungereimtheiten überprüft hat das außerhalb des MIT aber noch niemand.
  • Mit einem E-Mail-Verbot versucht eine große europäische IT-Firma die Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter effizienter auszubeuten. Nur zehn Prozent der täglich 200 E-Mails seien nützlich, ergab eine interne Untersuchung. Weg mit dem alten Kram, her mit Instant Messaging und Facebook-ähnlichen Intranetzen.
  • A propos Facebook: Hat das weltweit größte soziale Netzwerk mit einer Dreiviertelmilliarde Kunden eigentlich so etwas wie eine "Außenpolitik", fragt Foreign Policy. Die Kurzargumentation: Facebook hat viel Macht und kann instrumentalisiert werden. Wie verhält sich Facebook also gegenüber Staaten? Zum Beispiel, wenn Thailand bei Facebook anklopft, um "unrechtmäßige" Inhalte löschen zu lassen (also Seiten von Anti-Monarchisten), wie gerade geschehen, dann braucht das Netzwerk eine Haltung, ein Souverän ist es ja schon.
  • Von wegen "Digital Natives" - Großbritanniens Schulen produzieren Computer-Laien, beklagt ein Computerspielhersteller und fordert besseren IT-Unterricht.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
graf.koks 29.11.2011
1. Schon wieder?
Zitat von sysopDie Twitter-Konten vieler Regimegegner in Venezuela wurden geknackt - angeblich im Auftrag von Regierungschef Hugo Chávez. Außerdem im Überblick: Hadopi nimmt sich Raubkopie-Portale vor, IT-Verbände warnen EU vor zu viel Datenschutz, und interne Mails enthüllen Grooveshark-Gebaren. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,800596,00.html
Chavez, ein drittklassiger Despot, schlug wieder zu. Wenn es sich nicht um Venezuela, ein eigentlich reiches Land mit großartigen Menschen und uralter Kultur, handeln würde, könnte man weiterblättern. So aber bleibt die Trauer darüber, daß sich so Viele von den Versprechungen dieses Minipräsidenten verleiten lassen. Ein Mann, der nur eines im Sinn hat: Macht und Vermögen. Es bleibt auch das Unverständnis über die Verherrlichung dieses Ausbeuters von Seiten so vieler fehlgeleiteter und uninformierten Möchtegern-Revoluzzern gerade im westlichen Europa. Da kommen Erinnerungen auf an den Parka mit Baskenmütze, in der Tasche die "Rote Fahne", auf dem Weg zum Schachspielen in der Genossenkneipe.
einfach-nur-ich 30.11.2011
2. Nicht nur Chavez hat
Hacker angeheuert, Russland , China die USA und viel andere Staaten bezahlen den Datenklau
diwoccs 30.11.2011
3. Venezuela
Zitat von einfach-nur-ichHacker angeheuert, Russland , China die USA und viel andere Staaten bezahlen den Datenklau
Wir sind aber in Venezuela viel schlimmer dran: wir wissen nicht, wen die politische Polizei abhört - mit aus Deutschland gelieferten Geräten - werden Telefongespräche abgehört.Ohne jegliche rechtliche Kontrolle. Das Internet ist 100% in Händen der Regierung und Auslands -Post wird - vor Absendung - aufgemacht und zensiert. Die Ausstellung von Pässen und Personalausweises, die Kontrolle am Flughafen , all das ist in Händen des kubanischen G-2.
catcargerry 30.11.2011
4. Karl May statt Karl Marx
Wer ordentlich seinen Karl May gelernt hat, kann doch von dem hinterhältigen Mestizenhäuptling nichts anderes erwartet haben.
Spiegeluniversum 30.11.2011
5. -_-
Zitat von graf.koksChavez, ein drittklassiger Despot, schlug wieder zu. Wenn es sich nicht um Venezuela, ein eigentlich reiches Land mit großartigen Menschen und uralter Kultur, handeln würde, könnte man weiterblättern. So aber bleibt die Trauer darüber, daß sich so Viele von den Versprechungen dieses Minipräsidenten verleiten lassen. Ein Mann, der nur eines im Sinn hat: Macht und Vermögen. Es bleibt auch das Unverständnis über die Verherrlichung dieses Ausbeuters von Seiten so vieler fehlgeleiteter und uninformierten Möchtegern-Revoluzzern gerade im westlichen Europa. Da kommen Erinnerungen auf an den Parka mit Baskenmütze, in der Tasche die "Rote Fahne", auf dem Weg zum Schachspielen in der Genossenkneipe.
Vor allem hat das Land viel Öl, was nicht mehr wie gewohnt unterhalb des Marktpreises in die USA exportiert wird.
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