Netzwelt-Ticker Chinas Internet-Zensoren testen neue Filter

Merkwürdige Aktivitäten in Chinas Netz: Anonymisierungs-Anbieter beobachten, dass Datenverbindungen ins freie Web immer häufiger abbrechen - erkennt neue Filtertechnik Anti-Zensur-Dienste? Außerdem im Überblick: Microsoft baut Riesen-Touchscreen, iPad-App soll angeblich den Puls messen.

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Surfer in einem Internet-Café in Peking (2009): Die Filtertechnik wird immer effektiver
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Surfer in einem Internet-Café in Peking (2009): Die Filtertechnik wird immer effektiver


Im Wettlauf zwischen Internet-Nutzern und der chinesischen Zensur scheinen derzeit die Behörden einen Schritt voraus zu sein: Wie das US-Wirtschaftsblatt "Forbes" berichtet, testen Pekings Zensoren offenbar eine neue Filtertechnik. Sie soll imstande sein, verschlüsselte Datenströme zu Anonymisierungs- und Proxydiensten zu erkennen, über die bislang für Nutzer in Festland-China ein zensurfreier Zugriff aufs Web möglich war.

Anbieter entsprechender Dienste wie TOR, Freegate und Ultrasurf berichten laut "Forbes", dass sie seit einigen Monaten rätselhafte Aktivitäten aus China verzeichnen. Jedesmal, wenn ein chinesischer Nutzer einen ausländischen Server zu erreichen versuchte, würde zuerst ein scheinbar zufälliges Datenpaket den Zielserver erreichen. Mit der Folge, dass dann die erwünschte Verbindung fehlschlüge.

So hätte das Anti-Zensur-Netzwerk TOR festgestellt, dass gerade erst etablierte Brückenknoten binnen Minuten für chinesische Surfer nicht mehr erreichbar waren. Sprich: Wenn hier eine neue Filter-Software im Einsatz ist, dann erkennt sie auch eben erst in Betrieb genommene Zugangspunkte zu Anti-Zensur-Diensten. TOR-Chef Andrew Lewman beschreibt die Lage mit diesem Vergleich: "Es ist, als ob ich meiner Frau sagte, ich würde mit ein paar Freunden kegeln gehen und sie würde dann schon vorher bei der Kegelbahn anrufen, um zu sehen, was ich wirklich mache."

Wie Facebook das Teilen ruiniert

Das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook hat seine führende Marktstellung auch deshalb erreicht, weil das Angebot einfach für jedermann zu verstehen und zu nutzen war. Diesen Erfolgsweg droht Gründer Mark Zuckerberg jetzt zu verlassen. So urteilt jedenfalls "Cnet": Der IT-Branchendienst warnt angesichts der seit September eingeführten Neuerungen davor, Facebook könnte sein Grundprinzip ruinieren. Das Teilen von Inhalten wandele sich mit der neu eingeführten Funktion "frictionless sharing" von einer bewussten Entscheidung der Nutzer zu einem standardmäßigen Protokoll aller Aktivitäten. "Cnet" fürchtet, in dieser Flut könnten normale Posts völlig untergehen.

Microsofts Touchscreen-Tisch kann jetzt vorbestellt werden

Das Wisch-Prinzip hat Smartphones und Tablet-Rechner populär gemacht. Nun gibt es noch etwas größere Touchscreens: Samsung bringt Microsofts berührungsempfindlichen Tisch Surface SUR40 auf den Markt. Die Oberfläche besteht aus einem 40-Zoll-Touchscreen mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Der Monster-Touchscreen kann mehr als die in Tablets verbauten Bildschirme, bis zu 50 Berührungspunkte sollen gleichzeitig angesprochen werden können. Ab 2012 sollen die Streicheltische auch in Deutschland zu haben sein, der US-Preis soll bei 8400 Dollar liegen. Damit ist der Surface SUR40 wohl weniger etwas für den privaten Endanwender. Vor allem Unternehmen könnten das Gerät für Präsentationen verschiedenster Art nutzen.

Auch das noch:

  • Terroristen verschlüsseln laut Untersuchung online so gut wie nichts, behauptet ein britischer IT-Forensik-Experte aufgrund eigener Untersuchungen. Terroristen würden Verschlüsselungsprogrammen wie Truecrypt zumeist misstrauen. Wenn überhaupt Methoden zur Chiffrierung verwendet würden, dann simple Verfahren wie das Austauschen von Buchstaben nach einem vorgegebenen Schlüssel (monoalphabetische Substitution).
  • Das neue YouTube-Design kommt bald auch nach Deutschland. Das Googlewatchblog erklärt, wie Nutzer der Videoplattform in vier Schritten schon jetzt das neue Design testen können. Derzeit ist es für deutsche Nutzer nämlich nur sporadisch zu sehen.
  • Die EU-Digitalkommissarin fürchtet, dass Copyright bei vielen Netznutzern als "Hasswort" gilt. Neelie Kroes kritisierte, die millionenschweren Aktionen zur Eindämmung der Urheberrechtsverletzung hätten der Piraterie keinen Einhalt geboten. Das Copyright habe sich von einem Mittel zur Anerkennung von Kreativität in ein Strafinstrument verwandelt. Das gesamte Reglement müsse überarbeitet und den Erfordernissen der Gegenwart angepasst werden.
  • Eine halbe Million Dollar von Google-Mitbegründer Sergey Brin für Wikipedia. Da kann sich Wikipedia-Gründer Jimmy Wales freuen: Brin öffnet die Schatulle und spendiert der Online-Enzyklopädie 500.000 Dollar. Vielleicht kürzt das ja Wales' alljährliche Spendenwerbetour auf der Wikipedia-Startseite etwas ab.
  • Puls messen mit dem iPad. Eine neue App von Philips soll Apples Tablet mittels der Kamera in einen medizinischen Dienst verwandeln. Durch Analyse der fürs menschliche Auge unsichtbaren Farbänderungen im Gesicht soll die Software mit dem Namen Vital Signs auf den Puls schließen, am Heben und Senken der Schultern soll die Software zudem die Atemfrequenz messen.

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insgesamt 4 Beiträge
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MaxGrabowski 21.11.2011
1. ...erkennt *neue Filtertechnik*
Als Quasi-Laie mal gefragt: 'Packetstuffing' durch den Provider? Nichts anderes passiert doch hier bekanntermaßen bei UMTS-Zugriffen zwecks Werbung(!) - vereinfacht gesagt. Den Rest beurteile ich mal nicht mangels Fakten. Ist doch logisch, wenn jede Verbindung erst über einen Provider gehen muss, daß dieser Filtern - und stuffen - kann was er will. Außer bei einigen VPN-Verbindungsarten vielleicht. Aber vor allem PPTP als meistgenutze Variante gilt hier als unsicher. Soweit ich weiß. Aber wie sagt Konfuzius: "Einzugestehen, dass man etwas nicht weiß, ist Wissen." http://de.wikiquote.org/wiki/Konfuzius War ja das revolutionäre bei der Jasmin-Revolution, daß 'private' Netze mittels jeglicher Infrastruktur hergestellt werden konnten - ohne Privider und ohne Nokia-Siemens-Networks-Monitoring oder sonstiges bipolares Macht-Beziehungsgeflecht. Zur Erinnerung: (Deutsche) Technik, die begeistert! http://www.youtube.com/watch?v=5x7J9kq86Qc http://www.youtube.com/watch?v=G6lwWl9ut4Q Wenn man will geht es also auch ohne. Sollte man den Kurznasen mal nen PDF rüberschicken? Aber wahrscheinlich sind die Kinesen zu schlau und würden das als Attacke enttarnen. Oder es hängt zu viel Kohle in der Wolke, als daß man se wegpusten könnte. Als Ausländer in China/Russland/Ukraine/Polen/Österreich... sollte man sich darüber informieren! Zumal wenn wirtschaftliche Interessen von Belang sein könnten. Wird Zeit das das Auswärtige Amt ne konkrete Handlungs-Empfehlungsseite für VPN und Wlans im Ausland rausbringt bzw. generell aufgklärt. Wahrscheinlich sind die AHKs mit solchen Fragen schon überfordert! Sollte man vielleicht mal privat starten! Wär ein Projekt! "Hardened Outdoor-PC-Security" sozusagen. ;-) Wer macht den Venture-Capitalist? China Club Berlin oder ne 'Aussenstelle' der US-Botschaft? Hehe,... würde wohl eher Crowdfunding und den CCC als TÜV empfehlen! Anonyme Spenden vom BDI und Kapitalismus-Konsorten würden natürlich angenommen! Hehe,.. Suckers!
drmtiede 22.11.2011
2. copyright
" Neelie Kroes kritisierte, die millionenschweren Aktionen zur Eindämmung der Urheberrechtsverletzung hätten der Piraterie keinen Einhalt geboten. Das Copyright habe sich von einem Mittel zur Anerkennung von Kreativität in ein Strafinstrument verwandelt. " warum greift die GEMA oder die anderen nationalen aequivalente nicht einfach Gebuehren bei den Providern ab, die mit den ADSL-Vertraegen Millionen verdienen? Dann wuerde sich das Problem von selbst erledigen - wie bei Fernsehen und Videorekorder. Evtl wuerden die vertraege ein paar Mark im Monat teurer, aber dann waere wenigstens Frieden.
charles&charles 22.11.2011
3. Puls messen mit dem iPad..
Puls messen mit dem iPad finde ich jetzt nicht grade revolutionär wenn man sich die Technik von AliveCor ansieht, mit der man per iPhone Puls messen und korrekte EKGs schreiben kann: http://www.newsgrape.com/a/alivecor-wenn-das-iphone-ein-ekg-schreiben-lernt/
bambata 22.11.2011
4. Deutsche sind auch dabei...
... zumindest in Syrien. http://www.change.org/petitions/demand-us-and-european-cos-stop-supporting-deadly-syria-net-surveillance Würde mich nicht wundern, wenn die auch in China dabei sind. Klingelnde Kasse lässt jeden Skrupel im Keim ersticken. Mir unbegreiflich, dass die Ausfuhrkontrollen derart versagen.
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