Netzwelt-Ticker: Clinton fordert Weltstandards für Internet-Sicherheit

Von Felix Knoke

Mehr Sicherheit, offene Standards, geregelte Zusammenarbeit: So sieht die neue Cyber-Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten aus. Außerdem im Überblick: Datenleck beim Hadopi-Dienstleister TMG, Sony sagt leise 'Tschuldigung" und vieles mehr.

US-Außenministerin Hillary Clinton: Standards für die Abwehr von InternetangriffenZur Großansicht
AP

US-Außenministerin Hillary Clinton: Standards für die Abwehr von Internetangriffen

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat am Montag die Eckpfeiler ihrer zukünftigen internationalen Cyber-Strategie vorgelegt. Vor versammelter Presse erklärte US-Außenministerin Hillary Clinton das Ziel: Eine Entwicklung des Internets entlang offener Standards, mehr Sicherheit in der Netz-Infrastruktur und eine Verbesserung für die Umsetzung von Gesetzen im Cyberspace. "Es gibt keinen idealen Weg, diese Ziele zu erreichen," erklärte Clinton: "Wir müssen einen globalen Konsens für eine gemeinsame Vision des Cyberspace entwickeln."

Dazu formulierte Clinton sieben Grundregeln, die auch die diplomatischen Bemühungen der Obama-Administration prägen soll: (1) Ökonomische Anreize, um Innovation und Handel zu fördern bei gleichzeitigem Schutz geistiger Eigentumsrechte. (2) Cyber-Sicherheit für "Netzwerke und internationale Sicherheit". (3) Die Durchsetzung von Gesetzen, um besser auf die Cyber-Kriminalität reagieren zu können; auch ein stärkeres internationales Recht und strengere Regulierungen. (4) Militärische Kooperation, um zusammen mit den Verbündeten besser gegen Cybergefahren gewappnet zu sein und um die militärischen Netze besser zu sichern. (5) Eine Internet-Governance aller Interessenvertreter, damit "die Netzwerke so arbeiten, wie sie sollen". (6) Die Förderung der Entwicklung, Abwehrkraft und Infrastruktur anderer Länder. (7) "Und letztlich, aber für uns sehr wichtig: Internet Freiheit": Der Schutz der Privatsphäre, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit.

Auf den Weg gebracht hat die Regierung außerdem ein Gesetz, um die nationale Cyber-Sicherheit zu stärken. In dem Entwurf, "Law Enforcement Provisions Related to Computer Security" ( PDF), werden vier zentrale Punkte genannt:

  • Die stärkere Kriminalisierung von Hack-Angriffen und Internet-Betrug: Zum Beispiel bis zu drei Jahre Haft, Bewährung ausgeschlossen für Schaden an der kritischen Infrastruktur; bis zu 20 Jahre Haft für Hackangriffe auf geschützte Computer.
  • Verbraucherschutz bei Dateneinbrüchen: Online-Firmen mit Tausenden Kundendaten müssen - je nach Fall, mit vielen Ausnahmen - Staat, Regulierungsbehörden, Wirtschaftsauskunfteien und Individuen über einen möglichen Datenklau informieren.
  • Die engere Einbindung des Militärs zum Schutz der Infrastruktur und im Internet-Krisenfall. Bislang ist die Zusammenarbeit zwischen dem Militär und anderen staatlichen Einrichtungen nicht klar genug geregelt, etwa bei den Befugnissen des militärischen United States Cyber Command.
  • Den Einbezug des US-Heimatschutzministeriums und des Militärs: Mehr Kompetenzen und klare Richtlinien zur Sicherung und Verbesserung der nationalen Cyber-Sicherheit und Cyber-Krisenintervention; bei der Entwicklung neuer Standards (übrigens mit Mitspracherecht des US-Präsidenten) und der Einrichtung einer Cyber-Abwehrzentrale als Kommunikationsknotenpunkt und zur Zusammenarbeit mit staatlichen und privaten Organisationen.

Mit der Vorstellung dieses Gesetzesentwurfs löst die US-Regierung ein altes Versprechen Präsident Obamas ein: Die Verbesserung der nationalen Cyber-Sicherheit. Damit sich Staaten zur Abwehr von Internet-Gefahren zusammenschließen können, brauchen sie nationale Cyber-Strategien. Diese Erkenntnis hat sich seit dem vergangenen Jahr in Europa herumgesprochen, nachdem die USA den Anfang gemacht hatten. In Deutschland hat ein umstrittenes Abwehrzentrum, die Internet-Wacht am Rhein, am 1. April die Arbeit aufgenommen.

Datenleck beim Hadopi-Dienstleister

Ausgerechnet bei Trident Media Guard (TMG), dem einzigen privatwirtschaftlichen Dienstleister der umstrittenen französischen Anti-Piraterie-Behörde Hadopi, wurde am Wochenende möglicherweise ein klaffendes Datenleck gefunden. TMG überwacht im Auftrag von Hadopi Filesharing-Netze und sammelt verdächtige IP-Adressen, anhand derer angebliche Filesharer von Hadopi ermahnt oder vorübergehend vom Internet ausgeschlossen werden können.

Laut Netzpolitik.org fand ein französischer Blogger auf einem Firmenserver ein Überwachungsprogramm, ein Passwort, unzählige IP-Adressen und Listen heruntergeladener Werke und überwachter Filme.

Noch ist nicht geklärt, um welcher Art Daten es sich hierbei wirklich handelt. TMG dementierte, dass persönliche oder vertrauliche Daten abhanden gekommen seien. Beim Fundort habe es sich nur um einen schlecht gesicherten Test-Server gehandelt.

Diese Erklärung genügt Hadopi-Generalsekretär Eric Walter offenbar nicht. Via Twitter teilte er mit, "als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend die Verbindungen mit TMG gekappt zu haben".

Spiele und Downloadbrot: Sony sagt 'Tschuldigung

Sony will sich mit kostenlosen Spielen und Downloads bei den Kunden für den Ausfall des Playstation-Netzwerkes PSN entschuldigen. Allen PSN-Mitglieder werden zum Neustart des Netzwerkes zwei PS3-Spiele aus einer (kurzen) Liste zum kostenlosen Download und ein Wochenende lang eine (kleine) Auswahl Filme kostenlos zum Verleih angeboten, heißt es im Playstation-Blog. Alle Anwender bekommen einen Monat PSN-Mitgliedschaft und 100 virtuelle Gegenstände geschenkt. Ob das ausreicht, die Kunden von einer Sammelklage abzuhalten?

Welche Spiele deutschen PSN-Kunden als Entschädigung für den Ausfall kostenlos angeboten werden, kann man im PSN-Blog nachlesen.

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insgesamt 2 Beiträge
Mr.Threepwood 17.05.2011
eigentlich läuft doch alles super wie es ist. grosse firmen beschäftigen it experten für ihre sicherheit und was der privatmensch macht. ist doch wohl noch seine sache. sollte es daher nich heissen weltkontrollstandarts für [...]
eigentlich läuft doch alles super wie es ist. grosse firmen beschäftigen it experten für ihre sicherheit und was der privatmensch macht. ist doch wohl noch seine sache. sollte es daher nich heissen weltkontrollstandarts für inet user. denn zu nichts anderem wird es führen. da brüssel wohl nicht weit kommt beim europäer mit der eufirewall muss jetzt wohl die hillary ran. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,762783,00.html chinesische standarts für alle juchuuuu.
medienspektakel 17.05.2011
trotzdem möchte ich mich jetzt schon mal bei den Forenteilnehmern bedanken. Für die Denkanstöße, Informationen und Links! Wer weiß wie lange wir das noch genießen dürfen. FNPT-Trojaner go home!! Wo immer das auch sein [...]
trotzdem möchte ich mich jetzt schon mal bei den Forenteilnehmern bedanken. Für die Denkanstöße, Informationen und Links! Wer weiß wie lange wir das noch genießen dürfen. FNPT-Trojaner go home!! Wo immer das auch sein mag;)
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  • Dienstag, 17.05.2011 – 14:59 Uhr
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Zum Autor
Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Piraten-Paradise weltweit

Wo gibt es Raubkopien, wo wird mit gefälschten Produkten gehandelt? Das Büro des US-Handelsvertreters unterhält dazu die "Notorious Markets"-Liste mit Beispielen - und fordert die betreffenden Länder auf, Maßnahmen zu ergreifen.

Im Fadenkreuz der US-Regierung:
In dieser Kategorie sammelt die US-Regierung Online-Shops, in denen Musik-Raubkopien kostenpflichtig heruntergeladen werden können. Aufgeführt werden aber nur nicht näher benannte Allofmp3-Klone. Die russische Seite Allofmp3 wurde 2007 geschlossen, seitdem hätten nahezu identische Websites den Platz eingenommen, heißt es.

Quelle: Office of the United States Trade Representative. Out-of-Cycle Review of Notorious Markets, 28. Februar 2011






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