Netzwelt-Ticker Computerclub versteigert Nerds

Computer aufrüsten? Statistik-Unterricht? Ein Computer-Nerd nimmt solchen Aufgaben den Schrecken - findet ein Nerd-Club und will künftig PC-Freaks per Auktion vermitteln. Die können dann vielleicht helfen, Excel die Rechenfehler auszutreiben. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.


Frei nach dem Motto "Eine neue Liebe ist wie ein neues Arbeitsspeicher-Upgrade”, versucht der Computerclub der Washington State University sein Image aufzupolieren und mehr weibliche Mitglieder zu rekrutieren - indem er seine männlichen Mitglieder öffentlich versteigert.

Vorzeige-Nerd Damian Hess alias "MC Fronatlot": Leute wie ihn will der Computerclub der Washington State University meistbietend versteigern

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Aber damit überhaupt jemand bei der Auktion zuschlägt, da ist sich das Club-Weblog im Klaren, müssen die Nerds erstmal auf Vordermann gebracht werden. Eine Schwesternschaft, ein Verbund weiblicher Studenten, soll das bewerkstelligen. Die haben, was dem Nerd klischeehaft fehlt: Ein funktionierendes Sozialleben.

Per Video soll die Frischzellenkur dokumentiert, der aufgehübschte Computerfreak anschließend an den Meistbietenden versteigert werden. "Du kannst Dir einen Nerd kaufen und er repariert deinen Computer, hilft dir mit den Statistik-Hausaufgaben oder, wenn du richtig abenteuerlich drauf bist, führt er dich zum Dinner aus!" – Ben Ford, der Präsident der Linux User Group(LUG) ist zuversichtlich, dass das klappt.

Den Anlass zur ungewöhnlichen Aktion gab eine Studie eines PR-Seminars der Uni, das die LUG unter die Lupe nahm und zu einem wenig überraschenden Ergebnis kam: Die Nerds sollten mal an ihrer Außenwirkung feilen.

Einigung um Zocker-Websites, neuer Streit in Aussicht

Die Vereinigten Staaten haben der Europäischen Union ein Angebot gemacht, den absurden Streit um Online-Glückspiele beizulegen. Angeblich gehen allein den Web-Kasinos des kleinen Karibikstaates Antigua jährlich 3,4 Milliarden Dollar durch die Lappen, weil ihre Angebote in Nordamerika durch den Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA), ein Gesetz gegen Online-Glücksspiele, verboten wurden.

Auf der Karibikinsel florierten Online-Spielhäuser, bis die Vereinigten Staaten das Zocken im Netz verboten. Antigua forderte daraufhin Amerika vor der Welthandelsorganisation WTO heraus – und gewann. Währenddessen hatten sich die EU, Japan und Australien hinter den kleinen Inselstaat gestellt – und fordern nun gemeinsam Schadensersatz. Die Schadenssumme, die Amerika nun zur Last gelegt werden, häuft sich mittlerweile ins Unermessliche. Die Glückspielfirmen forderten die EU nun laut Reuters dazu auf, 100 Milliarden Dollar Schadensersatz von den USA zu fordern.

Die zeigen derweil jedoch an, dass sie die Drohungen nicht sonderlich ernst nehmen: Sie bieten 500.000 Dollar Schadensersatz und zum Ausgleich für das Spielverbot die Öffnung weniger spektakulärer Märkte an.

Aber "The Register" sieht die USA schon weiter erweichen. Da das kleine Antigua selbst kaum den USA mit Handelsboykotten drohen könnte, erlaubt die WTO besondere Maßnahmen: Antigua hat kein Urheberrecht – unterwarf sich aber gewissen Selbstverpflichtungen gegenüber den USA. Die droht der Inselstaat nun aufzulösen und damit ein kleines Paradies für Softwarepiraten und Filesharing-Anbieter zu werden.

Neuseeland: Polizeigesetz zum Mitmachen

Neuseeland braucht ein neues Polizeigesetz und jeder darf es mitgestalten. Auf dem Policeact-Wiki können User aus aller Welt – nicht nur aus Neuseeland – ihre Vorschläge und Verbesserungen einbringen. Der neuseeländische Polizeipräsident Hamish McCardle, der für die Entwicklung des neuen Gesetzes zuständig ist, sieht die Demokratie da neues Grenzland betreten: "Die Leute haben die beste Vorstellung davon, wie sie kontrolliert werden wollen", sagte er gegenüber Stuff.co.nz.

Auf die Frage, ob er nicht Angst habe, dass Online-Randalierer das Wiki, die Mitmach-Webseite, verunstalten, zeigt er sich mit dem Verweis auf die Wikipedia optimistisch: "Im großen und ganzen werden Wikis nicht verunstaltet – die Leute sind generell konstruktiv und produktiv."

Excel 2007 kann nicht richtig rechnen

Wie aus einer fernen Zeit erscheint ein Bug in der Microsoft-Tabellenkalkulation Excel 2007. Die kann die eigentlich einfache Rechnung 77,1 x 850 nicht ordentlich ausführen. Statt korrekt 65.535 spuckt Excel 2007 reichlich großzügig nach oben gerundet 100.000 aus. Da werden doch sofort Erinnerungen an die berühmten Rechenschwierigkeiten des 1994 noch neuen Pentium-Prozessors von Intel wach. Der konnte in seiner Gleitkomma-Einheit manche Divisions-Aufgaben nicht ordentlich lösen. 4195835 durch 3145727 ergab damals 1,33373907 statt korrekt 1,3338204, wie jeder nur halbwegs geübte Kopfrechner schnell feststellen kann …

Aber was steckt eigentlich hinter dem seltsamen Excel-Bug? Programmierer Joel Spolsky hat sich die Mühe gemacht, das dem Laien mal so halbwegs verständlich zu erklären. Es geht da um Nullen und Einsen, Standards und Konversionen. Wie es jedoch überhaupt zum Bug kommen konnte, weiß Joel auch nicht. Sein Tipp: Spielt doch mal mit dem "IEEE-754 Taschenrechner" von Quanfei Wen herum und findet es heraus. Ja, wenn's sonst nichts ist?

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