Netzwelt-Ticker: Confickers böser Zwillingsbruder

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Virenexperten ist ein böser Zwillingsbruder des Conficker-Wurms ins Netz gegangen und Dell ficht Psions Netbook-Markenrechte an. Außerdem im Überblick: Der Internet Explorer 6 soll sterben, Gericht weist Sammelklage gegen Microsoft zurück und Facebook bringt Kommentare auf fremde Websites.

Die unbekannten Entwickler des Conficker-Wurms, der unter anderem Rechner der Bundeswehr, des britischen und französischen Militärs befiel und auf dessen Urheber Microsoft ein Kopfgeld ausgesetzt hat, haben dem berüchtigten Internetschädling einen noch böseren Zwilling zur Seite gestellt.

PC-Nutzer: Bedrohung wächst unbemerkt - bis das Gewürm zubeißt
Corbis

PC-Nutzer: Bedrohung wächst unbemerkt - bis das Gewürm zubeißt

Die neue Version Conficker B++ verfügt über mehr Möglichkeiten, neuen Schadcode aus dem Netz nachzuladen. Vor allem aber schützt er sich dadurch besser vor Angriffen der Wurm-Bekämpfer der "Conficker Cabal" (eines informellen Bündnisses von Software- und IT-Sicherheitsunternehmen rund um Microsoft), die sich bisherigen Conficker-Versionen mit Sabotage-Aktionen in den Weg stellten. Sie versperrten die Nachschub-Wege des Wums, indem sie Internetadressen blockierten, von denen der Wurm neuen Schadcode herunterladen konnte.

Conficker ist ein Internetwurm, er pflanzt sich übers Netz fort, infiziert Rechner, formt diese zu Rechensklaven von Internetkriminellen um. Die Zombiearmee der Conficker-Rechner kann dann für Denial-Of-Service-Attacken, zum Spam-Versand oder zum Ausspionieren zum Beispiel von Onlinebankingdaten benutzt werden. Schon im Dezember runderneuerten die Entwickler ihren Wurm, fügten den 297 Subroutinen in der B-Version 39 neue hinzu.

Die Version B++ wurde nun um gerade einmal drei solche Routinen erweitert. Die Sicherheitsexperten von SRI sehen darin ein Anzeichen, dass die Wurmautoren bald neue Wurmwege gehen werden. Die neue Conficker-Version B++ kann von jedem Ort im Netz aus per "Push" mit neuen Daten versorgt werden. Die Wurm-Saboteure der Cabal-Allianz müssen nun neue Wege finden, Conficker das Handwerk zu legen.

Die SRI-Experten kennen da einen ganz einfachen. In ihrem Bericht schreiben sie etwas verzweifelt: "Der Grund, warum sich Conficker so weit verbreiten konnte, ist ein interessanter Beweis für die Sturheit mancher PC-Nutzer, die sich weigern, sich mit den aktuellen Microsoft-Sicherheitspatches auf den neusten Stand zu bringen."

Facebook Connect

Facebook und Google suchen Anschluss, wollen sich mit speziellen sozialen Web-Progrämmchen noch enger mit anderen Websites verknüpfen. Jetzt hat Facebook einen wichtigen Schritt getan und mit der "Comments Box" ihr erstes soziales Widget, also Web-Progrämmchen veröffentlicht.

Und das funktioniert laut Facebook so: Web-Administratoren bauen die "Comments Box" in ihre eigene Website ein, Besucher - ob Facebook-Mitglied oder nicht - können dort einen Kommentar hinterlassen. Der Clou: Wenn Facebook-Nutzer kommentieren, erscheint der Kommentar auch in deren Facebook-Profil und lockt so theoretisch auch noch zahllose weitere Facebook-Nutzer auf die Website.

Das Allfacebook-Blog hat noch einen weiteren "riesigen Vorteil" der Box gegenüber vergleichbaren Blog-Features ausgemacht: Kommentare, die zu einem bestimmten Thema innerhalb von Facebook abgegeben werden, können damit auch nach draußen dringen. Das bringt Leben auf die eigene Website. Wie so was aussieht, macht das Jomlr-Blog vor. Bleibt nur eine Frage offen: Wie hat Facebook die offensichtlichen Datenschutz-Probleme gelöst? Das Allfacebook will das in einem weiteren Blog-Posting erklären.

Netbook: Dell versus Psion

Computerhersteller Dell wehrt sich gegen die Trademark-Klage von Computerhersteller Psion. Es geht um die Marke "Netbook", mit der Computerhändler, Journalisten, Analysten heute generell sehr kleine Laptops bezeichnen. Psion aber hält Rechte an diesem Begriff, brachte vor Jahren ein "The Netbook" auf den Markt.

Zwar bietet Psion dafür noch Support an, im Verkauf ist es aber schon seit Jahren nicht mehr. Psion versuchte jedoch letztes Jahr, unter anderem Blogger juristisch daran zu hindern, das Wort "Netbook" für irgendetwas anderes als Psion-Rechner zu verwenden. Damals musste Psion eingestehen: Blöde Aktion, eigentlich wollen wir nur nicht, dass andere Computerfirmen vom Begriff profitieren.

Dell versucht mögliche Abmahnungen nun durch einen juristischen Einspruch aus dem Weg zu räumen, die "Petition for Cancellation" [der Marke] steht öffentlich im Netz. Darin führt Dell drei Gründe auf, warum Psion kein Recht auf die Rechte mehr haben sollte: Psion habe die Marke längst aufgegeben, sich die Rechte unrechtmäßig ergattert, außerdem sei, drittens, das Wort "Netbook" längst ein generischer Begriff für kleine Computer.

Rolf Claessen, ein Kölner Patentanwalt, schätzt die Erfolgschancen von Dells Argumentation als gut ein: "Das Abandonment-Argument hat sehr gute Chancen auf Erfolg. In den USA kann eine Marke gelöscht werden, wenn der Inhaber die Benutzung der Marke aufgegeben hat und es nicht glaubhaft erscheint, dass er die Benutzung in Zukunft wieder aufnehmen wird."

Für Blogger und Computerhändler, die in Deutschland von Psion abgemahnt wurden, sieht er außerdem "eine reelle Chance, erstens ihr Geld im Zusammenhang mit der Abmahnung zurückzubekommen, zweitens Schadenersatz von Psion verlangen zu können, drittens die Marke auch mit Wirkung in Deutschland gelöscht zu bekommen."

Der Internet Explorer 6 soll sterben

Microsofts Internet Explorer 6 treibt Webentwickler in den Wahnsinn. Vor allem, weil er gängige Webstandards nicht unterstützt, bezeichnet ihn Web-Entwickler David Walsh in seinem Blog als "Problempaket von Anfang an" - und nennt sechs gute Gründe, warum IE6 sterben muss. Auch ein Cnet-Blogger war sich schon letzten Sommer im klaren: "Noch mehr Gründe, den IE zu umschiffen." Auch Eva Vesper von Web-Kreation.com kann zehn Gründe aus dem Ärmel schütteln, warum man IE6 abschaffen sollte. Ihre Analyse: IE6-Sicherheit ist ein Witz, die Software ist steinalt, IE6 ist ein Bug-Hort, es gibt längst neue Versionen des Microsoft-Explorers, die auch deutlich schneller laden - und innerhalb von zwei Minuten installiert wären.

Aber: So groß die Kritik, so groß die IE6-Anhängerschaft: Laut MarketShare setzen noch immer rund 20 Prozent der Internetnutzer auf den Internet Explorer 6.

Dahinter steckt mangelndes Problembewusstsein, Faulheit - und die Tatsache, dass Internet Explorer vor allem noch in Büros eingesetzt wird, wo ein schneller Browser-Tausch nicht möglich ist. Jedenfalls: Dave Auayan will dem Trauerspiel ein für alle Mal ein Ende setzen. Er rief vergangenen August den "IE Death March" aus. Bis März 2009 sollen alle Webentwickler den Browser links liegen lassen. Erfolgsaussicht: Gering.

Weitere Meldungen

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