Netzwelt-Ticker: Das 26-Euro-Computerchen ist da

Von

Der Rechner für die Hosentasche ist da und schon wieder ausverkauft, Google+ ist womöglich nur eine virtuelle Geisterstadt, Kim Dotcom/Schmitz bleibt frei und beklagt seine Mittellosigkeit. Das und mehr im Überblick.

Computer Raspberry Pi: Winzig und heißbegehrt Zur Großansicht
Raspberry Pi

Computer Raspberry Pi: Winzig und heißbegehrt

So süß: Nach einer Himbeere ist der Zwerg-Rechner benannt und das Interesse ist riesig. Seitdem der vom Spieleentwickler David Braben ("Elite") erfundene Steck-Computer im Mai vergangenen Jahres angekündigt wurde, wartete die Fangemeinde auf die Auslieferung der Linux-basierten Gerätchen. Nun ist es soweit, für 35 Dollar (ca. 26 Euro) bekommt man eine Version mit 256 Megabyte Arbeitsspeicher, Ethernet-Anschluss, HDMI-Ausgang und zwei USB-Ports. Erst später soll auch noch eine Version für 25 Dollar, umgerechnet knapp 19 Euro, nachgeliefert werden. Für diesen Spottpreis bekommt der Käufer die Miniplattform mit nur einem USB-Port und ohne Ethernet.

Kaum bei Elektronik-Händlern angeboten, war der Hosentaschenrechner schon ausverkauft. Die Web-Präsenzen von Premier Farnell und RS Components zeigten sich zwischenzeitlich dem Ansturm der Interessenten nicht gewachsen und waren vorübergehend nicht erreichbar. Wie die Raspberry-Macher mitteilten, können Kaufwillige jetzt nur noch Vorbestellungen abgeben. Ende der Woche würden dann die bestellten Geräte ausgeliefert werden.

Mit der Markteinführung richten sich die Macher zunächst an die eingeschworene Computerbastler-Gemeinde. Damit soll sichergestellt werden, dass später dieses Jahr, bei der offiziellen Einführung vor allem für den Schulbereich schon eine erfahrene Nutzergemeinde vorhanden ist und die bei Produktneuheiten üblichen Kinderkrankheiten behoben sind.

Ist Google+ nur eine Geisterstadt?

Angeblich hat Google+ nicht einmal ein Dreivierteljahr nach seinem Start bereits 90 Millionen Mitglieder. Mit seinem schnellen Wachstum könnte es Facebook, dem König der Netzwerke, demnächst ernsthafte Konkurrenz machen. Doch möglicherweise sind die schönen Zahlen nur Augenwischerei. Im Vergleich zu Facebook sei Google+ eine "virtuelle Geisterstadt", schreibt das "Wall Street Journal" ("WSJ") unter Berufung auf Auswertungen des Marktforschers Comscore. Dort wurden die Zeiten erfasst, die Nutzer auf verschiedenen sozialen Netzwerken verbrachten. Die Ergebnisse sind für den Suchmaschinenbetreiber niederschmetternd.

Pro Monat halten sich Google+-Mitglieder demnach gerade einmal drei Minuten dort auf, nach der Anmeldung kommt kaum noch einer wieder. Bei Facebook verbrachten Mitglieder hingegen bis zu sieben Stunden. Selbst MySpace liegt mit acht Minuten Aufmerksamkeitsspanne noch vor dem Google-Netzwerk.

Als Grund für die schwache Attraktivität nennt das "WSJ" die mangelnde Unterscheidbarkeit der beiden Network-Angebote. "Im Augenblick will keiner ein neues soziales Netzwerk", so Analyst Brian Solis von der Altimeter Group. Für die, die schon bei Facebook seien, habe Google nicht ausreichend klargemacht, worin der Nutzen von Google+ liege.

Kim Schmitz bleibt vorerst auf freiem Fuß

Der neuseeländische High Court lehnte am Mittwoch das Ansinnen der Staatsanwaltschaft ab, den unter Anklage stehenden Chef der geschlossenen Plattform Megaupload, Kim Dotcom alias Schmitz, wieder in Haft zu nehmen. Eine mögliche Flucht außer Landes soll durch eine elektronische Fußfessel verhindert werden. Aufgrund eines Auslieferungsantrages der USA, wo Schmitz langjährige Gefängnisstrafen drohen, hatte die Staatsanwaltschaft die erneute Verhaftung des schwergewichtigen 38-Jährigen wegen Fluchtgefahr beantragt. Die Anhörung zur Entscheidung über seine Auslieferung wurde für August angesetzt.

In der Zwischenzeit darf Schmitz wieder zu seiner Familie zurückkehren, die Beschlagnahme seiner millionenschweren Besitztümer bleibt jedoch in Kraft. Daher sei er derzeit mittellos, klagte Schmitz und beantragte, ihm wenigstens einen Teil des festgesetzten Vermögens zuzubilligen. Ansonsten sei er außerstande, seine laufenden Kosten von umgerechnet gut 130.000 Euro pro Monat zu begleichen. Fast 18.000 Euro seien bereits jeden Monat nötig, um Kosten für das Wachpersonal, Kindermädchen und andere Hausangestellte zu begleichen. Dazu kämen noch weitere hohe Beträge für Strom, Heizung und Telefon. Zunächst habe Schmitz seinen monatlichen Finanzbedarf noch auf vergleichsweise bescheidene 6.000 Euro bemessen, so Staatsanwältin Anne Toohey.

Auch das noch:

  • EU will Zusatzkosten fürs Roaming bis 2016 abschaffen. Spätestens dann wird das Handytelefonat aus dem Urlaub nach Hause nicht mehr zum finanziellen Risiko. Schon ab dem 1. Juli 2012 sollen die Preise stärker als bislang geplant sinken, die Aufschläge bis 2016 kontinuierlich auf Null fallen. Die Vorlage des zuständigen Ausschusses könnte bereits Ostern im EU-Parlament beschlossen werden.
  • Microsoft-Tochter verkaufte 4.000 raubkopierte E-Books: Die australische Schnäppchenseite Cudo offerierte einen E-Book-Reader für 99 Dollar. Mit im Angebot war eine CD-ROM mit 4.000 Buchtiteln. Dumm nur, dass darunter zahlreiche noch vom Copyright geschützte Werke gewesen sein sollen. Das Angebot wurde inzwischen beendet.
  • Apple sichert sich Multitouch-Patente. Mit mehreren Fingern auf dem Touchscreen herumfuhrwerken, das gibt's schon länger. Aber nun hat sich Apple die entsprechenden Patentrechte besorgt. Der Auftakt für neue Schlachten im Gerichtssaal?
  • TechCrunch auf dem absteigenden Ast. Die Übernahme durch AOL scheint dem einstigen Zentralorgan der Silicon-Valley-Nerds nicht gut getan zu haben, findet "PaidContent". Nicht nur wichtige Autoren sind von Bord gegangen, auch die Leserzahlen haben im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent nachgegeben.
  • Mozilla-Add-On macht Tracking-Schnüffler anderer Webseiten erkennbar. Wer will da eigentlich was von mir wissen? Das Add-On namens Collusion macht sichtbar, was sonst nur unter der Haube passiert.
  • US-Kabelfernsehen auf dem Rückzug. Wozu noch Gebühren fürs Kabel-TV zahlen, wenn es praktische Bündelangebote über Breitband oder Streaming-Dienste gibt? Die Zahl der US-Haushalte mit Kabel-Anschluss sank seit Anfang 2010 um 2,3 Millionen auf zuletzt noch 41,5 Millionen.
  • Rosenkrieg am Vorabend des iPad 3. "Geek and Poke" zeigt, was derzeit passiert, wenn Nerds sich trennen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Auch SPON spioniert uns nach
Hugh 29.02.2012
Zitat von sysop(...) und mehr im Überblick. Netzwelt-Ticker: Das 26-Euro-Computerchen ist da - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,818312,00.html)
conclusion heißt collusion und zeigt an, dass SPON mir hinterher spioniert. Im Übrigen, wo ist der Neuigkeitswert der Meldung? Collusion gibt es doch schon eine ganze Weile.
2. Kommt davon ...
Pat-Riot 29.02.2012
Zitat von Hughconclusion heißt collusion und zeigt an, dass SPON mir hinterher spioniert. Im Übrigen, wo ist der Neuigkeitswert der Meldung?
wenn man den Gärtner zum Bock macht.
3.
pömpel 29.02.2012
Zitat von sysopDer Rechner für die Hosentasche ist da und schon wieder ausverkauft, Google+ ist womöglich nur eine virtuelle Geisterstadt, Kim Dotcom/Schmitz bleibt frei und beklagt seine Mittellosigkeit. Das und mehr im Überblick. Netzwelt-Ticker: Das 26-Euro-Computerchen ist da - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,818312,00.html)
ein weiterer Grund nicht zu google+ zu gehen ist die enorme Macht die dahinter steht. Ich möchte in Zukunft nicht von einem einzigen Konzern abhängig sein, der wie ja bekannt ist, nicht sehr viel auf die Rechte seiner Kunden achtet. Google Handy, Google Betriebsystem, Google Social Network, Google Tablet, Google Google, Youtube, Google Navigation, Gmail und all die versteckten Google Dienstleistungen die die Nutzer nicht sehen aber viele Webhoster in ihre Seiten eingebunden haben( statistiken werbung etc. ) Eine solch enorme Macht müsste eigentlich noch besser kontrolliert werden. Denn mit der Monopolstellung könnte Google schon jetzt Politik beeinflussen, allein durch die Suchergebnisse in Youtube und der Suchmaschine.
4.
pömpel 29.02.2012
Zitat von pömpel...
ach ich habe natürlich noch den Google Browser vergessen der sich ohne zu fragen mit anderen Programmen einfach mit installiert... und beim deinstallieren immernoch teile auf dem rechner lässt um den nichtkunden auch nach installation immer wieder zu nerven...
5. bloß nicht von einem Konzern abhängig sein!
subjektiv-betrachtet 29.02.2012
Zitat von pömpelein weiterer Grund nicht zu google+ zu gehen ist die enorme Macht die dahinter steht. Ich möchte in Zukunft nicht von einem einzigen Konzern abhängig sein
Witzigerweise höre ich so etwas häufig von Leuten, die seit mindestens 15 Jahren einem einzigen Konzern all ihre Daten auf dem Rechner anvertrauen - beim Betriebssystem, bei Business-Dokumenten (MS-Office), E-Mail (MS-Outlook), und für die eine Präsentation gleichzusetzen ist mit MS-Powerpoint, und die (neuerdings) auch mittels eines MS-Produkts kostenlos telefonieren (Skype), und womöglich auch ein Windows-Smartphone nutzen. Dann schon lieber statt google+ bei facebook bleiben - die sind ja für ihren Datenschutz bekannt ;)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Netzticker
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 13 Kommentare
Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

Fotostrecke
Raspberry Pi: Der Stick-PC
Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.



Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.