Netzwelt-Ticker Das Ende aller Rätsel

...mag das Grid-Computing sein: Durch die Verschaltung von 2500 Privat-PCs knackte ein Brite nun die letzten ungelösten Enigma-Nachrichten aus dem zweiten Weltkrieg. Außerdem im Überblick: Kirchtum verhindert Internet, Farbe verhindert Handy-Anrufe und mehr.

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Die erste Million

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia vermeldet einen weiteren Meilenstein. Demnach wurde am späten Mittwochabend der millionste Artikel in die englischsprachige Version eingestellt. Es handelt sich um einen Text zum Bahnhof in Jordanhill, Schottland. Die Gesamtzahl der in insgesamt 125 Sprachen veröffentlichten Artikel beläuft sich auf 3,3 Millionen, heißt es in einer Pressemeldung. Davon gehen rund 360.000 auf das Konto der deutschsprachigen Variante. Herzlichen Glückwunsch.

Amateure knacken Nazi-Code

Legendäre Code-Maschine Enigma: Wurde nur geknackt, weil die Allierten einen Schlüssel in die Hand bekamen
DPA

Legendäre Code-Maschine Enigma: Wurde nur geknackt, weil die Allierten einen Schlüssel in die Hand bekamen

Die deutsche Chiffriermaschine Enigma M4 bereitete den Allierten 1942 großes Kopfzerbrechen. Deutsche U-Boote nutzen ihre Codes, um sich gegenseitig über die Position generischer Versorgungs-Konvois auf dem Laufenden zu halten. Erst nachdem ein deutsches U-Boot samt Code-Unterlagen gekapert werden konnte, gelang es die Verschlüsselung dieser Maschine zu knacken - zumindest meistens. Drei verschlüsselte Nachrichten widerstanden jedoch allen Entschlüsselungsversuchen und wurden 1995 in einem Journal für Kryptografie veröffentlicht. Damit war das Interesse von Stefan Krah, einem deutschstämmigen Geiger und Hobby-Kryptologen geweckt, berichtet die BBC.

Krah entwickelte eine Software, mit deren Hilfe der Code geknackt werden sollte. Die dazu nötige Rechenleistung hätte die Fähigkeiten eines normalen PC allerdings bei weitem überstiegen und so veröffentlichte er sein Projekt im Internet und bat um mithilfe. Das Resultat: Binnen eines Monats konnte die erste der drei Nachrichten durch verteiltes Rechnen auf rund 2.500 Computern entschlüsselt werden.

Sie stammt von U264, das im November 1942 im Nordatlantik unterwegs war. Hier die Übersetzung der kryptischen Zeichenfolge: "Bei Angriff unter Wasser gedrueckt, Wasserbomben. Letzter Gegnerstandort 08:30 Uhr, Marqu AJ 9863, 220 Grad, 8 Seemeilen, stosse nach. 14 Millibar faellt, NNO 4, Sicht 10."

U264 wurde bald darauf als erstes deutsches U-Boot mit der so genannten Schnorcheltechnik aufgerüstet, die bei ruhiger See einen Einsatz der Dieselmotoren auch unter Wasser ermöglichen sollte. Insbesondere die frühen Versuche verliefen aber fatal: Auch U264 ging am 19.2.1944 im Nordatlantik unter nicht im Detail geklärten Umständen verloren und sank.

Mit Farbe gegen Handys

Bimmelnde Handys in Oper, Konzertsaal und Unterrichtsraum sollen bald der Vergangenheit angehören, schreibt "Newsday.com". Demnach hat die im New Yorker Rochester angesiedelte NaturalNano Inc. eine Farbe entwickelt, welche es ermöglicht hochfrequente Signale, etwa von Handys, WLan-Netzwerken oder Funkgeräten, effektiv und steuerbar abzuschirmen. Die Basis für diese Technologie bilden in der Natur vorkommende Nano-Röhren namens Halyosit, die zwecks Abschirmung mit Kupfer gefüllt werden. "Im Gegensatz zu illegalen Störsendern überwacht und kontrolliert unser System den Signalfluss von Funk-, Mobilfunk- und WIFI-Signalen in ein Gebäude", sagt der für die Entwicklung verantwortliche Robert J. Crowley. Zudem sei das System auf Knopfdruck an- und ausschaltbar und könne sogar mit einer Abrechnungsfunktion versehen werden. Dann gibt es vielleicht bald auch im Kino wieder Ruhe vor Dauer-Telefonierern.

Abrechnung mit DRM

Normalerweise jammern immer die Anwender über DRM-Systeme. Zu umständlich, zu einschränkend, zu unzuverlässig, hört man es regelmäßig aus den Tiefen des Web tönen. Heute ist das mal anders. Heute rechnet ein echter Businessman mit den DRM-Systemen der Medienkonzerne ab. Scott Granneman beschreibt in "Security Focus" seine Kopierschutz-Erfahrungen und lästert darüber, wie DRM-Systeme "zahlende Kunden verletzen", die so genannten Fair-Use-Rechte unterwandern und "die Investitionen des Verbrauchers wertlos machen". Seinen Artikel aber schließt er mit der Feststellung, dass dennoch alle Mühen der Industrie vergebens sind, da kein DRM, so restriktiv es auch sein mag, wirklich sicher sei.

Mac mini: schneller als erwartet

Kaum vorgestellt, muss Apples neuer Mac mini schon die ersten Testparcours über sich ergehen lassen. Das einhellige Ergebnis: Der neue Intel-getriebene Mac ledert seinen Vorgänger in allen Kategorien lässig ab. Einzig die 3D-Grafik scheint der insgesamt hohen Leistung hinterher zu hinken, wie "Macintouch" bei einem Test mit der deutsche Testsuite Cinebench bestätigt. Die von anderen Anwendern vermeldeten guten Grafikleistungen seien dagegen auf einen Fehler des von ihnen verwendeten xBench zurückzuführen. Derweil stellt Paul Stamatiou in seinem Blog die These auf, man könne die CPU des Mac mini gegen ein schneller getaktetes Modell austauschen. Ob Apples TPM-Modul einen solchen Tausch zulässt, kann aber erst ein Selbstversuch zeigen.

Was kost' mein Blog?

Vergangenes Jahr übernahm AOL das Blogger-Netzwerk Weblogs Inc. zu einem nicht näher spezifizierten Preis. Die Gerüchte sprechen von einer Summe zwischen 25 und 40 Millionen US-Dollar. Dane Carlson, Betreiber des "Business Opportunities Weblog" hatte nun nichts besseres zu tun, als auf Basis dieser Zahlen und der Verlinkungsstatistiken von Technorati ein Applet zu schreiben, das wieseflink den Wert eines Blogs berechnet. Eine hübsche Zahlenspielerei - aber, ob das genügt, um die Einkäufer von AOL vom Kauf zu überzeugen?

Die Kirche ist im Weg

Gerade auf dem flachen Land kann es manchmal schwierig werden einen schnellen Internet-Zugang zu bekommen. Vor diesem Problem stand auch der Kanadier Kevin Lavallée. Eine Kirche blockiert die Sendestrecke zwischen seinem Haus und dem Sendemast eines Internet-Providers. Seine pragmatische Lösung: Er baute sich einen 20 Meter hohen Empfangsturm in den Garten. Nachahmung auf eigene Gefahr!

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