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Netzwelt-Ticker: Datenschützer kritisiert neue Facebook-Einstellungen

Facebooks neue Datenschutz-Einstellungen sind Augenwischerei, urteilt Hamburgs oberster Datenschützer: Die wirklichen Probleme seien sogar noch verschlimmert worden. Außerdem im Überblick: Ein Botnet auf Pizza-Jagd, und die Nasa vernetzt Weltraum-Sonden per Laser-Lan.

Facebook: "Verschärfung der Situation" durch neue Regelungen Zur Großansicht
dapd

Facebook: "Verschärfung der Situation" durch neue Regelungen

Die neuen Datenschutz-Einstellungen von Facebook stellen den Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar nicht zufrieden: "In vielen Teilen sind das nur kosmetische Änderungen," sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Besonders bedenklich findet Caspar, dass die Facebook-Mitglieder künftig nicht nur von ihren Freunden, sondern von allen anderen Mitgliedern in Fotos mit Namen markiert werden können: "Gerade mit Blick auf die automatische Gesichtserkennung bei Facebook ist das eine Verschärfung der Situation." Was Caspar damit meint: Damit könnte Facebook noch schneller noch mehr Gesichter identifizieren - Facebook ist längst auf dem Weg, die größte Gesichter-Datenbank der Welt zu werden.

Caspar findet zwar positiv, dass Facebook-Beiträge künftig nachträglich unsichtbar gemacht werden können. Aber: "In den Punkten, um die es wirklich geht - zum Beispiel, wie lösche ich bereits abgespeicherte biometrische Merkmale meines Gesichts - da bleibt alles beim Alten".

Die Hamburger Datenschutzbehörde habe Facebook deutlich gemacht, dass sie die aktuelle Umsetzung der automatischen Gesichtserkennung nicht akzeptiere und notfalls zu rechtlichen Schritten greife werde. Bis 16. September habe Facebook Zeit für eine Erklärung.

Caspar ist mit der Kritik an den neuen Einstellungen nicht allein. Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) kritisiert die Facebooks Einstellung zum Datenschutz: "Facebook hat mit den angekündigten Änderungen einen kleinen Schritt gemacht, aber der Weg zu einem grundlegend verbesserten Datenschutz ist noch weit," heißt es in einer Erklärung des Ministeriums.

dpa

Ein Botnet attackiert Pizza-Bringdienste

Das neue Miner-Botnetz feuert übers Wochenende wild um sich: Insgesamt 33 Websites aus Österreich und Deutschland waren zwischen Donnerstag und Montag Ziel eines DDoS-Überlastungsangriffs. Bemerkenswert war die Zielauswahl des Botnetzes. In einer ersten Welle griffen 250.000 von Miner gekaperte Rechner Lebensmittel-Bringdienste und Immobilienportale an, in einer zweiten Welle deren Anti-DDoS-Dienstleister.

Da die Portale im Alltagsgeschäft allesamt mit großen Datenmengen arbeiten, verkrafteten sie die Angriffe relativ schadlos: Pizza.de war zum Beispiel nur für fünf Minuten offline: "Wir rüsteten einfach unsere Server-Kapazitäten auf," erklärte der Leiter der Pizza.de-Entwicklungsabteilung SPIEGEL ONLINE.

Doch es hätte schlimmer kommen können, warnt Tillmann Werner vom Antivirus-Anbieter Kaspersky Labs im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Die Angriffe waren technisch nicht sehr versiert. Die Angreifer setzten auf eine Angriffsmethode für alle Ziele." Mit maßgeschneiderten Attacken hätte die Angreifer größeren Schaden anrichten können. Dass diese technisch mehr drauf hatten, zeigt ihre Reaktion auf die Anti-DDoS-Vorkehrungen der betroffenen Unternehmen: Nach der ersten Angriffswelle verschickten die Botnet-Betreiber ein Programm-Update an die gekaperten Bots, damit diese mit einer neuen Taktik auch Anti-DDoS-Dienstleister lahmlegen konnten.

Doch viel interessanter als technische Details ist die Frage: Wer steckt hinter dem Angriff? War der Angriff ein Werbe-Schaulauf des neuen Botnetzes, um es an Cyberkriminelle vermieten zu können? War es Vandalismus, ein Erpressungsversuch, die Konkurrenz?

Zu Spekulationen wollten sich weder Pizza.de noch Kaspersky Labs hinreißen lassen. Nur so viel: Die Miner-Kontrollserver stünden zwar in Russland und der Ukraine, über die Botnet-Betreiber und mögliche Auftraggeber der Angriffe sage das aber wenig; für einen Erpressungsversuch gebe es keine Hinweise, und so ein Schaulauf wäre sehr ungewöhnlich.

Pizza.de erklärte nur: "Wir können derzeit nichts dazu sagen, aus welcher Richtung die Angriffe kommen. Wir haben inzwischen Strafanzeige erstattet und dürfen die Ermittlungen nicht gefährden."

Nasa plant das Laser-Lan

Nicht nur der Provinzbewohner spürt "steigende Bandbreitenanforderungen" an seine lahme Internet-Anbindung, sondern auch die Planeten-reisenden Raumfahrzeuge der Nasa. Eine neue Laser-Datenbrücke soll das Problem lösen - und interplanetare Datenkommunikation, wenn schon nicht in Echtzeit, dann wenigstens mit Dutzenden bis hunderten Megabits pro Sekunde (bei einem Abstand Erde - Mars bis Erde - Jupiter) ermöglichen.

Um zu zeigen, dass das funktioniert, will die Weltraumagentur zwischen 2015 und 2016 entsprechende Testsonden als Teil einer "Technik-Demonstrations-Mission" losschicken - zusammen mit einer neuen Weltraumuhr und einem Sonnensegel. Alle sind sie Gewinner eines Wettbewerbs für Zukunftstechnologien.

Zum Vergleich: Der gerade aktuelle Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) schafft gerade einmal 6 Megabits; die Übertragung eines einzigen hochauflösendes Bildes vom Mars zur Erde kann damit bis zu 90 Minuten dauern. Mit der neuen LCRD-Technik wären 5 Minuten bei 100 Megabit drin. Deutsches Durchschnitts-DSL in der Stadt: 16 Mbit, auf dem Land oft unter 2 Mbit ...

Außerdem wichtig in der Netzwelt:

  • Ein richterlicher Beschluss soll den Web-Dienstleister von WikiLeaks zur Herausgabe von Kundeninformationen zwingen - WikiLeaks erkennt in dem Schreiben die Sprache des US-Terrorgesetzes Patriot Act.
  • Ein großer US-Spielehändler öffnet Computerspiel-Kartons, um Gutscheinkarten der Online-Konkurrenz zu entfernen. US-Zocker können es einfach nicht fassen, der Spielehändler reitet sich mit Erklärungen tiefer in den Schlamassel.
  • Über 3 Millionen Couchsurfing-Mitglieder bieten sich gegenseitig eine Couch zum Übernachten an. Jetzt rüstet das soziale Netzwerk auf: Mit einem neuen Status als wohltätige Organisation - und mit über sieben Millionen Dollar Investorengeld. Ausverkauf oder wichtiger Schritt? fragt sich TG Daily.
  • Hacker könnten anhand von Microsofts-Sicherheitsupdates Details über Sicherheitslücken herausfinden - und die etwa für Überlastungsangriffe gegen Windows-Computer missbrauchen.
  • Dank Touchscreens könnte es bald dem starren Tastatur-Layout an den Kragen gehen. Dieses Video zeigt, wie sich australische Forscher ein " flüssiges Keyboard" vorstellen - mit Tasten, die sich geradezu unter die Finger werfen.

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1.
Marshmallowmann 25.08.2011
Zitat von sysopFacebooks neue Datenschutz-Einstellungen sind Augenwischerei, urteilt Hamburgs oberster Datenschützer: Die wirklichen Probleme*seien sogar noch verschlimmert worden. Außerdem im Überblick: Ein Botnet auf*Pizza-Jagd, und die Nasa vernetzt Weltraum-Sonden per Laser-Lan. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,782347,00.html
Nein, sie reiten sich damit nicht in den Schlamassel.
2. apropos grundrechte
rondon 25.08.2011
ich wollte mal anmerken, dass die grundrechte nicht nur im netz bedroht sind: http://acampadaberlin.blogspot.com/2011/08/25-082011-nachtliche-polizeigewalt-und.html
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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.


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