Von Felix Knoke
Der Konflikt zwischen Googles Videoportal YouTube und dem Medienunternehmen Viacom geht in die nächste Runde: Viacom legte am Mittwoch Berufung gegen das für YouTube erfreuliche Urteil vom Juni 2010 ein. Damals urteilte ein Richter, dass YouTube nicht für massenhafte Rechtsverletzungen seiner Kunden haften müsse, also nicht dafür belangt werden kann, wenn User urheberrechtlich geschützte Filme auf das Videoportal laden.
Das Angebot werde vom amerikanischen Digital Millennium Copyright Act (DMCA) geschützt, hieß es in der Begründung. Danach darf ein Inhalteanbieter so lange nicht für Urheberrechtsverletzungen seiner Nutzer belangt werden, wie er mit den Rechteinhabern zusammenarbeitet und problematisches Material auf Anfrage rasch entfernt.
YouTube hatte schon 2007 ein Filtersystem eingerichtet, mit dem Rechteinhaber unrechtmäßig hochgeladene Videos automatisch löschen lassen können.
Die Internet-Branche schaut gespannt auf diesen Prozess: Egal, wie das Gericht urteilt, die Folgen für Medienanbieter im Netz werden weitreichend sein. Prozessbeobachter gehen davon aus, dass der Fall letztlich vor dem Supreme Court, dem Obersten Gericht der USA verhandelt werden wird.
Netzneutralität: Facebook stellt sich gegen Google und Verizon
Facebook mischt sich in die Debatte um Netzneutralität ein. Das Unternehmen sprach sich, wenig überraschend, für die Gleichbehandlung von Daten aus - und stellt sich damit gegen das umstrittene Abkommen zwischen dem US-Provider Verizon und Google. "Facebook unterstützt weiterhin die Prinzipien der Netzneutralität, egal ob in Datenkabeln oder Funknetzwerken," sagt der Sprecher des Sozialen Netzwerks (über 500 Millionen Mitglieder) in einem Statement. Ein offenes, freies Internet lade zur Innovation ein, fördere einen lebendigen, freien Markt in dem die Verbraucher Kontrolle über Inhalte und Dienstleistungen haben.
Google und Verizon hatten Anfang der Woche eine gemeinsame Erklärung zur Netzneutralität abgegeben, in der sie die Aufweichung der strengen Prinzipien, etwa in Funknetzen, fordern. Das Abkommen schlug hohe Wellen, über die Vor- und Nachteile wird noch heute diskutiert.
Eigentlich klar, dass Facebook diese Chance nutzen muss: Facebook geht es besser, je freier die Daten sind, die dessen Kunden in Form von YouTube-Videos, Zeitungsartikeln oder Online-Spielchen über ihre Profile verbreiten. Lahmen Teile der Content-Maschinerie, etwa weil Daten ausgebremst werden, lahmt Facebook. Das Unternehmen ist nicht umsonst Mitglied der Open Internet Coalition. Die Lobbygruppe setzt sich für strikte Netzneutralität ein. Mitglied sind all jene Firmen, die von der freien Fahrt für freie Daten profitieren - darunter auch Google. Warum ausgerechnet der Suchmaschinenkonzern sich jetzt gegen die Netzneutralität positioniert, verwundert laut "New York Times" die eigenen Lobby-Mitglieder. Dabei ist es (zumindest in einem Aspekt) so einfach: Google ist dreist und souverän, setzt sich mit all seiner Größe in Lücken, die kein anderer zu füllen sich traut - und gewinnt so immer mehr an Einfluss, erklärt Siva Vaidhyanathan in einem interessanten Kommentar für MSNBC.
Hardware-Hack: Apple entfernt Kamera-App
Weil Apple es nicht dulden will, dass App-Entwickler sich mit Tricks und Mauschelei an der iPhone/iPod-Hardware zu schaffen machen, hat das Unternehmen nur wenige Stunden nach Veröffentlichung eine Kamera-App wieder aus dem App-Store gelöscht. Grund: Die Kamera-Software hatte eine geheime Funktion, die den App-Zensoren entging: Wer mit dem iPhone die URL "camplus://enablevolumesnap " in Safari ansurfte, schaltete damit die Lautstärke-Regler des iPhones in Kamera-Auslöser um.
Dem Programm selbst war das bei Apples Überprüfung nicht anzusehen. Erst als die App-Entwickler die URL per Twitter hinausposaunten, wurde ihr Winkelzug bekannt. Das Mobilecrunch-Blog ist nun gespannt, wie es mit den App-Entwicklern weiter geht. In ähnlichen Fällen hatte Apple mit dem jahrelangen Ausschluss solcher Trickser-Entwickler aus dem App-Store reagiert.
Schlechtes Bild: Körperscanner machen Probleme
In Italien wurde der Test von Körperscannern auf mehreren Flughäfen abgebrochen, schreibt ORF Futurezone. Weil die von den Scannern gelieferten Bilder zu unscharf seien, sei die Testphase mit den auch Nacktscanner genannten Geräten auf dem Venediger Flughafen Marco Polo, in Mailand Malpensa und Rom Fiumicino unterbrochen worden. Mit den mauen Bildern könne man nicht die nötigen Sicherheitsstandards bei den Kontrollen garantieren. Ab September werden neue Geräte getestet, die schärfere Bilder liefern sollen. "Die Resultate der Tests waren bisher nicht die erhofften", erklärte der Präsident der Luftfahrtbehörde Enac, Vito Riggio.
Auch in Deutschland gibt es Probleme mit zwei Körperscannern, die in Hamburg getestet werden sollten. Die Bundesregierung prüft, einen Vertrag für zwei dieser Geräte aufzulösen, weil der US-Mutterkonzern des Herstellers auch Streubomben produziert, die international geächtet sind.
Wegweisende Songs
"Um von der dunklen Wüste zum Hotel California zu gelangen, fahren Sie bitte in Richtung des schimmernden Lichts, bis sie in der Hölle ankommen. Für den Rückweg gibt es derzeit keine Routen-Angaben." Bei Buzzfeed werden gerade Songtexte in Fahranweisungen von Google Maps umgewandelt. Ein Beweis, dass auch der schärfste Verstand eine gute Idee nicht verhindern kann.
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