Netzwelt-Ticker: Deutsche knacken HDTV-Kopierschutz

Von Carolin Neumann

Mit einem selbstgebauten Decoder für 200 Euro haben Bochumer Forscher Intels HDCP-Protokoll umgangen. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Nokia will Akkulaufzeit von Lumia-Smartphones verlängern und Mark Zuckerberg löscht Facebook.

HDMI-Kabel: Überträgt HD-Filme nur korrekt, wenn die Buchsen per HDCP geschützt sind Zur Großansicht
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HDMI-Kabel: Überträgt HD-Filme nur korrekt, wenn die Buchsen per HDCP geschützt sind

Damit ist Intels HD-Kopierschutz wohl endgültig geknackt: Als vor einem Jahr ein Master-Key für das von Intel entwickelte HDCP-Protokoll (High-Bandwidth Digital Content Protection) auftauchte, betonte ein Unternehmenssprecher noch, der ließe sich nur mit teurer Hardware nutzen. Nun ist Bochumer Forschern der Trick wesentlich günstiger gelungen.

Rund 200 Euro kostete demnach die Herstellung eines Decoders, mit dem der Kopierschutz umgangen werden kann. Das "spricht definitiv nicht für die Sicherheit des aktuellen HDCP-Systems", wird der leitende Forscher Professor Tim Güneysu in einer Pressemitteilung zitiert.

Die HDCP-Verschlüsselung dient dazu, die übertragenen Videodaten auf dem Weg vom Blu-Ray-Player oder der Grafikkarte im Computer zum Fernseher oder Computerbildschirm zu schützen. Das Ziel: Die Übertragung soll nicht dazu genutzt werden können, einen Datenstrom für Kopien der Inhalte abzuzweigen.

Wegen des vor rund zehn Jahren entwickelten Protokolls war es bislang für den Normalverbraucher schwierig bis unmöglich, HD-Inhalte über Geräte abzuspielen, die nicht mit dieser Kopierschutztechnik ausgestattet sind.

Gelungen ist der Hack nun mit einem "Man in the Middle"-Angriff, wobei ein Schaltbrett mit den notwendigen HDMI-Schnittstellen als Mittelsmann fungierte. "So konnten wir die HDCP-verschlüsselten Datenströme abgreifen, entschlüsseln und die digitalen Inhalte an einen ungesicherten Bildschirm oder ein entsprechendes HDMI-1.3-fähiges Aufnahmegerät senden", erklärt Güneysu. Er betont jedoch, dass es bei der Forschung im Rahmen einer Diplomarbeit des Studenten Benno Lomb nicht darum gegangen sei, Raubkopien zu ermöglichen.

Nokia verspricht Akku-Fix fürs Lumia 800

Obwohl es mit einer Enttäuschung begann, schnitt das neue Nokia-Smartphone Lumia 800 im SPIEGEL-ONLINE-Test eigentlich ganz gut ab. Vereinzelt scheinen jedoch Besitzer des Telefons Probleme mit ihrem Akku zu haben. Während sich im offiziellen Support-Forum die Beschwerden über Standby-Zeiten von höchstens einem Tag mehren und Kunden über mögliche Ursachen spekulieren, kündigte der Hersteller Software-Aktualisierungen an. Ein Update noch im Dezember soll die aktuellen Probleme beheben, ein weiteres Anfang 2012 die Akkulaufzeit generell verbessern.

Als Zuckerberg Facebook löschte ( Video)

Auch das noch:

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1. Haben die zuviel Zeit?
Wolfgang J. 25.11.2011
Die sollen forschen und nicht HDTV gucken ; )).
2. nicht ganz klar
Nonvaio01 25.11.2011
was der nutzten des geknackten codes sein soll? Kann mir da einer helfen? Ich hab HD zuhause und Blu Ray's spiele ich ueber meine PS3 ab. Am PC can ich mir HD Filme runterladen wenn ich denn will, ca 25GB (mache ich aber nie weil zu gross) Meine PS3 comprimiert normale DVD's so das ich diese fast in HD schauen kann.
3. Hier könnte ihre Werbung stehen
ArnoNym 25.11.2011
Zitat von Nonvaio01was der nutzten des geknackten codes sein soll? Kann mir da einer helfen? Ich hab HD zuhause und Blu Ray's spiele ich ueber meine PS3 ab. Am PC can ich mir HD Filme runterladen wenn ich denn will, ca 25GB (mache ich aber nie weil zu gross) Meine PS3 comprimiert normale DVD's so das ich diese fast in HD schauen kann.
Daß man Kopien ohne Funktionseinschränkungen machen kann (Vorspulsperre etc.).
4. Falsch...
Ex-Kölner 25.11.2011
Zitat von ArnoNymDaß man Kopien ohne Funktionseinschränkungen machen kann (Vorspulsperre etc.).
HDCP ist nicht der Kopierschutz von Blu-ray-Discs und auch nicht die Privatfernseh-Zuschauerver*****e namens HD+. HDCP hat mit "Vorspulsperre etc." nichts zu tun. HDCP wurde eingeführt, weil in Hollywood Leute Alpträume hatten bei dem Gedanken, beim Konsumenten könnte ein unverschlüsseltes HD-Signal irgendwo ohne Restriktionen abzugreifen sein. Daß selbst zehn Jahre nach der Verabschiedung von HDCP der Aufwand, dieses Signal aufzuzeichnen (anders als auf Blu-ray-Disc oder Digital-TV handelt es sich um unkomprimierte Signale mit rund einem Gigabit pro Sekunde) und zu speichern viel zu groß ist, um in der Praxis damit etwas anfangen zu können, hat die Kopierverhindermafia nicht interessiert. Wer heutzutage raubkopieren will, knackt die Sperren einer Blu-ray-Disc und kopiert diese, wer's legal haben will, schneidet HDTV-Sendungen mit.
5. HDCP ist ein längst gelachter Witz...
olicrom 25.11.2011
... und das problemlose Kopieren und Aufzeichen von HD-Inhalten - sei es von Blu Ray oder aus dem TV - ist seit Jahren massenmedialer Alltag. Wo bitte ist da die Meldung, wo das Ereignis? Hört sich an wie: Vinyl-Langspielplatten jetzt auch auf CD nutzbar. Hab ichs jezt nicht verstanden - ist ja auch möglich - oder sind die beim Spiegel der Technik um Jahre hinterher?
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Zur Autorin
  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.

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HDMI: Digitales Videokabel mit Tücken
HDTV: Hochauflösendes Abkürzungs-Wirrwarr
HDTV steht für High Definition Television. Nach den Vorstellungen der Hersteller von Unterhaltungselektronik soll es die alten TV-Standards wie PAL (576 sichtbare Zeilen) und NTSC (USA, 480 Zeilen) ablösen und mit höherer Auflösung und stabilerem Bild das Heimkino schöner machen. HDTV-Inhalte können mit 720 Zeilen im Progressive-Scan-Verfahren dargestellt werden (720p), das heißt, jedes Bild wird bei jedem Durchgang komplett neu aufgebaut. Die Alternative heißt 1080i, hat zwar mehr Bildzeilen zu bieten (nämlich 1080), von denen aber pro Durchgang abwechselnd nur jede zweite neu gezeichnet wird (interlaced-Verfahren, daher das 'i').
Full-HD-Filme, wie man sie in Online-Videotheken wie dem iTunes Store ausleihen oder über die integrierten Blu-ray-Laufwerke einiger Notebooks anschauen könnte, haben eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Das Label "HD ready 1080p" besagt, dass das Gerät Vollbilder von 1920 × 1080 Pixeln zeigt.
Das Advanced Access Content System ist ein Kopierschutzsystem, das vor allem auf Wunsch der Filmstudios in Hollywood in alle Laufwerke eingebaut werden soll, die HD-Inhalte abspielen können. Ohne AACS soll man keine hochaufgelösten Filme abspielen können. Kopien sollen nur mit expliziter Erlaubnis des Urhebers gemacht werden können, die man sich zum Beispiel online abholen könnte. Nur so könnte man einen Film dann auch über ein Media Center oder an mobile Geräte streamen. Der Urheber kann aber Kopien auch verbieten oder eine Gebühr verlangen. Um AACS gab es langes Gerangel - denn es gibt noch nicht viele Geräte, die das System überhaupt unterstützen. Eine Interims-Lösung wird den Kopierschutz deshalb nun zunächst zahnlos machen - auch über analoge Ausgänge wird man dann noch HD-Filme ansehen können, obwohl die Studios die Ausgabe lieber gleich auf digitale Ausgänge beschränkt hätten, die mit einem weiteren Schutz namens HDCP versehen sind.
High Bandwidth Digital Content Protection ist eine Art Hardware-Kopierschutz. Auch er soll verhindern, dass hochaufgelöstes Material einfach mitgeschnitten werden kann. HDCP muss im sendenden Gerät, also dem Player oder der Grafikkarte, ebenso eingebaut sein wie im Empfänger, also dem Monitor oder TV-Gerät. Während Fernseher, die das "HD Ready"-Logo tragen, HDCP-fähig sein müssen, sind es viele Monitore und Grafikkarten aber noch nicht. Eine HDMI-Schnittstelle kann immer auch HDCP, eine DVI-Schnittstelle nicht notwendigerweise.
Das High Definition Multimedia Interface soll nach dem Wunsch der Hersteller die generelle Schnittstelle der Zukunft sein, für Musik, Filme und auch die Verbindung zwischen Computer und Monitor. Sie ist standardmäßig mit HDCP ausgestattet - ein Ausgabegerät mit HDMI-Schnittstelle und ein Fernseher mit dem "HD Ready"-Logo sollten gemeinsam also in jedem Fall hochauflösende Filme darstellen können.
Digital Video Interface - die erste digitale Schnittstelle für Video-Inhalte, die aber bereits dabei ist, von HDMI abgelöst zu werden. Manche DVI-Ausgänge sind auch mit HDCP ausgestattet, andere nicht. Besonders bei vielen Grafikkarten fehlt der Hardware-Kopierschutz noch - was zu Problemen bei der Wiedergabe von kopiergeschützten hochauflösenden Filmen führen könnte.


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