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Netzwelt-Ticker: Die Vorratsdatenspeicherung ist ein Flop

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... behauptet eine Studie eines Max-Planck-Instituts. Außerdem: Das MIT veröffentlicht die Top 10 der wichtigsten Technologien der Zukunft, die Kleine-Welt-Hypothese wurde wieder bestätigt und dank Mathematik die schönste Frau Italiens gefunden. Das und mehr im Überblick.

Studie: Vorratsdatenspeicherung weitgehend nutzlos

Überwachter Bürger: Viel Aufwand, wenig Nutzen?
DPA

Überwachter Bürger: Viel Aufwand, wenig Nutzen?

Überwachung lohnt sich nicht. "Heise.de" berichtet über ein Gutachten des Max-Planck-Instituts für Strafrecht: Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat Teile des Gutachtens veröffentlicht (PDF-Datei). Demnach hätte die umstrittene Pflicht zur sechsmonatigen anlassunabhängigen Protokollierung von Telefon– und Internetdaten nur in weniger als fünf Prozent der untersuchten Fälle eventuell die Aufklärungsquote gesteigert.

"Unter Berücksichtigung all(er anderen) Umstände ergibt sich, dass die Verfolgung von Straftaten zu gerade einmal 0,002% durch eine Vorratsspeicherung von Verkehrsdaten effektiviert werden könnte. Schon allein durch Zufälle und statistische Einflüsse schwankt die jährliche Zahl der aufgeklärten Straftaten um ein Hundertfaches dieses Betrags."

Das deckt sich mit Einschätzungen des BKA, das in einer eigenen Studie vom Sommer 2007 mit einer Erhöhung der Aufklärungsquote "von derzeit 55 Prozent, im besten Fall auf 55,006 Prozent" rechnet.

Die Zahl der Abfragen von Verbindungsdaten sei schon vor der Einführung der flächendeckenden Vorratsdatenspeicherung im Januar 2008 exponentiell auf 41.000 bereits im Jahr 2005 angestiegen, berichtet die Max-Planck-Studie nun. Und zumindest in Bayern nimmt das Wachstum weiter stark zu: Von 60 Prozent von 2006 auf 2007 ist die Rede. Statistisch gesehen ging es in 50 Prozent der Verfahren mit Abfragen von IP-Adressen um Betrug, in 25 Prozent um Urheberrechtsdelikte. Das Killer-Argument der Terror-Prävention und Fahndung, meistzitierte Begründung für die Einführung der Vorratsdatenspeicherung, spielt in den Statistiken bisher keine Rolle.

Die Abfragen tragen tatsächlich auch ein Risiko. Die Studie warnt vor Missbrauchsgefahren durch unberechtigte Zugriffe von innen oder außen, das Potential für "die strategische Überwachung" größerer Gruppen steige.

Scifi-Charts: Die Technik der Zukunft

Alle Jahre wieder stellt das Massachusetts Institute of Technology (MIT) zehn Technologien vor, die unser Leben in Zukunft vermutlich am stärksten beeinflussen werden. Aber statt eines Weckers, der montagmorgens nicht klingelt, oder einer Kaffeemaschine, die entkoffeinierten in koffeinierten Kaffee verwandeln kann, setzen die MIT-Auguren auf nahezu esoterische Technologien.

Hier die Top 10:

Kann man das Unerwartete vorhersehen? Wahrscheinlich nicht, aber zumindest ziemlich gut raten. Mit der Modellierung von Überraschungen könnte dem Zufall an vielen Stellen ein Schnippchen geschlagen werden.

Probabilistische Chips: Nicht alle Rechnervorgänge müssen total genau sein, ein großzügiger Schlamperprozessor könnte Energie sparen und viel Information verarbeiten.

Nano-Funk: Staubkorngroße Funkgerätchen könnten alles vom Handy zum medizinischen Diagnosegerät verbessern.

Drahtlose Stromversorgung: Nie wieder Kabelchaos verspricht die Forschung von Physiker Marin Soljacic. Statt Draht überträgt Magnetresonanz die nötige Energie, um tragbare Geräte noch aus einer Entfernung von bis zu zwei Metern zu laden.

Winzige Magnetometer: Mit ihnen kann Magnetresonanztomographie verkleinert und zum Beispiel in tragbare Geräte gepackt werden: kleiner, billiger, weit flexibler einsetzbar.

Offline Web-Anwendungen: Wenn Computerprogramme die gebündelte Kraft von Browser und Desktop benutzen, werden sie deutlich besser. Glauben Adobes Kevin Lynch und das MIT.

Graphit-Transistoren: Eine spezielle Form von Kohlenstoff könnte den Weg für schnellere, kompaktere Mikroprozessoren ebnen.

Connectomics: Wie ist das Hirn vernetzt? Jeff Lichtmann versucht sich an einer komplexen Landkarte des Denkorgans, um damit hinter die Prozesse zu kommen, die bestimmen, wie wir lernen, verstehen, autistisch oder schizophren werden.

Reality Mining: Anhand von Handydaten versucht Sandy Pentland etwas über menschliches Verhalten zu erfahren – um es besser automatisch analysieren und vorhersagen zu können.

Zellulose Enzyme: Ethanol aus Zuckerrohr reicht nicht mehr aus – wie macht man also billigen Biosprit aus Zellulose? Frances Arnold will der Antwort mit Zellulose-Enzymen näher kommen.

Australier versteigert sein Leben

Nach der Scheidung soll es für Ian Usher noch einmal von vorne losgehen. Dafür muss aber erst einmal all der Ballast weg: Haus, Auto, Kleidung, Beruf. Usher will all das in einer einzigen großen Auktion im Internet versteigern. Startpreis umgerechnet 60 Eurocent. Sein Plan: Am Ende der Auktion mit dem Geldbeutel in der einen Gesäßtasche und seinem Ausweis in der anderen aus der Haustür treten, in einen Zug steigen und nicht zu wissen, was als nächstes passiert.

Die Auktion startet am 22. Juni 2008 und dauert eine Woche. Die Hintergründe der Aktion beschreibt Usher in aller Bescheidenheit auf seiner Homepage: "Ich weiß immer noch nicht, ob es Wahnsinn, Blödsinn oder eine Midlifecrisis ist." Ushers ehemaliger Chef jedenfalls habe sich bereiterklärt, dem Käufer eine zweiwöchige Probezeit in seinem Unternehmen zu gewähren.

Kleine-Welt-Phänomen: Das Netz der sechs schüttelnden Hände und schönen Italienerinnen

Jeder kennt jeden um maximal sechs Ecken – Milgrams 40 Jahre altes Kleine-Welt-Theorem wurde in einer neuen Studie wieder einmal bestätigt. Eric Horvitz von Microsoft – übrigens jener aus der Top 10 des MIT – und Jure Lescoev von der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh untersuchten 260 Milliarden Botschaften eines Chat-Programmes und schlossen aus einem globalen Bekanntschaftsverhältnis von 6,6 Ecken. Ältere Studien anhand von E-Mails und Telefonaten kamen ebenfalls auf einen Wert von etwa 6 Ecken.

Ein japanischer Forscher – so vermutet der unschuldige Zuschauer einer japanischen Fernsehshow – hat eine Art Kleine-Schöne-Welt-Theorie für Italien entwickelt: In Italien leben etwa 30 Millionen Frauen. Nimmt man eine zufällige davon und fragt sie nach einer noch schöneren Frau, um diese dann wieder nach einer noch schöneren zu fragen, stößt man nach zwölf Schritten auf die schönste Frau Italiens. Geschmack hin oder her: Das Schönste daran ist wohl die Theorie drumherum!

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