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Netzwelt-Ticker: Ein Büro in der Wolke

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Büroarbeit zieht mit Microsoft Office 365 ins Netz um, ein Chip ersetzt die Satellitenschüssel und Mark Zuckerberg fühlt sich missverstanden. Das und mehr im Überblick.

Microsoft-Manager Chris Capossela stellt Office 365 vor: In der Datenwolke arbeiten Zur Großansicht
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Microsoft-Manager Chris Capossela stellt Office 365 vor: In der Datenwolke arbeiten

Die eigene Festplatte ist wieder ein Stück unwichtiger geworden. Jedenfalls für jene Computernutzer, die nicht massig berufliche Daten auf dem eigenen Rechenknecht horten wollen. Die und deren Bearbeitung lässt Microsoft jetzt ins Netz umziehen. Die Redmonder stellten gestern eine cloud-basierte Büro-Anwendung namens Office 365 vor. In der sind das eigentliche Microsoft Office, Sharepoint Online, Exchange Online und Lync Online enthalten. Damit soll es Unternehmen jeder Größe ermöglicht werden, ihre Projekte kollaborativ über das Netz abzuwickeln. Ein weiterer Vorteil: Mit dem neuen Service können sie sich den Unterhalt kostspieliger Rechenzentren sparen.

Eine Vorabversion des neuen Dienstes wurde jetzt in 13 Ländern veröffentlicht, darunter auch Deutschland. Trotz des Weggangs seines visionären Top-Managers Ray Ozzie, der seit der Entwicklung des Cloud-Computing-Angebotes Azure als Architekt der Wolkenrechnerei gilt, liegt das Projekt im Zeitplan. Für die potentiellen Anwender soll es dabei keine Rolle spielen, mit welchem Browser sie im Web unterwegs sind, selbst Smartphone-Betriebssysteme sollen keine Schwierigkeiten bereiten.

Ab 2011 soll Office 365 in insgesamt 40 Ländern nutzbar sein, kleine Firmen mit bis zu 25 Angestellten können den Service für 5,25 Euro pro Monat und Mitarbeiter nutzen. Für größere Unternehmen und öffentliche Behörden sinken die monatlichen Pro-Kopf-Lizenzkosten auf 1,75 Dollar. Ob sie dann noch auf Microsoft Office Professional Plus zugreifen, wird von der Bereitschaft abhängen, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Denn hier schlägt die entsprechende Lizenz nach Prepaid-Tarif mit immerhin 22,75 Euro zu Buche.

Holländer erfindet Chip-basierten Ersatz für Satellitenschüssel

Was war das immer für ein Theater, bis die Schüssel richtig ausgerichtet und auf dem TV-Bildschirm ein schönes, scharfes Bild ohne Schneegeriesel zu sehen war. Auch wenn Satellitenschüsseln in den letzten Jahren kleiner geworden sind, die lästige Installation blieb. Mit der könnte es jedoch bald ein Ende haben. Denn Marcel van de Burgwal, frischgebackener Absolvent der Universität Twente, hat einen Mikrochip entwickelt, der eine Anordnung von mehreren kleinen Antennen zum Empfang von Satellitensignalen steuern kann. Der Clou dabei: Die Antennen müssen nicht mehr ausgerichtet werden, denn das besorgen sie selbst. Möglich wird das durch ein Konzept, das auch bei zusammengeschalteten Radioteleskopen, wie zum Beispiel dem Lofar-Projekt, genutzt wird. Dort sind zahlreiche Empfänger im Nordosten der Niederlande zu einem riesigen virtuellen Empfänger kombiniert. Damit sie sich zeitgleich und alle im richtigen Winkel ausrichten, bedarf es einer Vielzahl von Berechnungen und eines schnellen Datenaustauschs.

Der neuentwickelte Universitätschip setzt dabei auf die Kombination mehrerer, simpler Prozessoren. Das spart Energie und kann auf Situationen unterschiedlichen Rechenbedarfs flexibel reagieren.

Dem Erfinder van de Burgwal schwebt schon die nächste Einsatzmöglichkeit für seinen Multiprozessorchip vor. In Smartphones könnten sie den Empfang von Digitalradio sicherstellen.

Facebooks Ärger über Hollywood und mit dem US-Parlament

Für eine Weile schien es so, als ob Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ganz gut mit seinem filmischem Alter Ego aus "The Social Network" leben könne. Selbst als eine Reihe von Insidern (und solchen, die es ein wollten) verkündete, der echte Zuckerberg sei noch viel unsympathischer als die Hollywood-Version, blieb der Firmengründer ruhig. Insgeheim hat es aber wohl doch an ihm genagt. Schließlich konnte er nicht mehr hinter dem Berg halten und ließ die Welt wissen, wie sehr die Filmemacher ihn missverstanden hätten. Bei einem Treffen mit Jungunternehmern an der Stanford University erklärte Zuckerberg, die Filmproduzenten hätten den Geist des Silicon Valley nicht begriffen. "Sie bekommen die Vorstellung nicht in den Kopf, dass jemand Dinge erschafft, weil es ihm Spaß macht", wird er vom "Sydney Morning Herald" zitiert. Stattdessen zeichne der Film das falsche Bild, es sei bei der Facebook-Idee nur darum gegangen, Mädchen zu beeindrucken und sich bei Elite-Organisationen bekanntzumachen.

Gleichzeitig sieht sich Zuckerberg im richtigen Leben mit ganz anderen Fragen konfrontiert. Nachdem es bei Facebook immer wieder zu Sicherheitslecks und Datenschutzpannen kommt, ist das Social Network ins Visier von US-Parlamentariern geraten. Zwei Mitglieder des Repräsentantenhauses, die zugleich Vorsitzende des überparteilichen Datenschutzausschusses sind, richteten eine schriftliche Anfrage an Zuckerberg. Nachdem sie ihre "Sorge über die Serie von Verstößen gegen den Verbraucherdatenschutz" bekundet hatten, verlangten sie Auskunft darüber, wie viele Facebook-Mitglieder von den jüngsten Vorfällen betroffen waren. Außerdem müsse Facebook mitteilen, welche Veränderungen das Unternehmen plane, um weitere Vorkommnisse dieser Art zu unterbinden.

Dass es hierbei um mehr geht als um einen übellaunigen blauen Brief, wird an der enthaltenen Fristsetzung erkennbar. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, muss sich Facebook bis zum 27. Oktober verbindlich zu den Anfragen äußern.

Ex-Musik-Boss schlägt Billig-Alben als Mittel gegen Raubkopierer vor

Das haben wir ja schon immer gesagt, werden jetzt viele denken. Aber es ist schon etwas anderes, wenn der Ex-Chef eines Musiklabels einen für seine Branche ungewöhnlichen Vorschlag macht. Um der lästigen Plage der Raubkopierer endlich wirkungsvoll zu begegnen, sollten Musikalben zum Stückpreis von einem britischen Pfund verkauft werden. So die Idee von Rob Dickins, dem ehemaligen Boss von Warner Music Großbritannien.

Mit diesem Niedrigpreis - nur wenig mehr, als ein Einzeltitel bei iTunes kostet - ließen sich die Absatzprobleme der Dudelbranche womöglich beheben. Die Erklärung ist einleuchtend, der Kauf von Musik ist zumeist Gefühlssache. Wer sich Musik zulegt, handelt spontan und tätigt Impulskäufe. Wenn ein Album nun für ein Pfund zu haben sei, das Pendant aus dem Onlineshop hingegen für das sieben- bis zehnfache, falle die Entscheidung nicht schwer. Dann würden auch klamme Zeitgenossen nicht zwischen zwei Alben verschiedener Künstler hin- und herüberlegen. Sondern einfach beide kaufen.

Frommes im Web

Am Ende noch etwas Zeitloses. Und was könnte es Zeitloseres geben als Gott? Aufmerksame Betrachter wollen eben jenen in Googles 3-D-Straßenbilderdienst Street View erspäht haben. So jedenfalls könnte eine Erscheinung gedeutet werden, auf die sie online gestoßen sind. Mitten auf dem Foto einer Bergstraße ist dort himmelwärts eine schemenhafte Figur zu sehen. Gut, nicht in Palästina, sondern im schweizerischen Kanton St. Gallen. Und ob es jetzt Gott mitsamt seinem eingeborenen Sohn war oder doch nur eine Linsentrübung, ist auch nicht mit letzter Sicherheit zu sagen. Aber selbst dann besäße der Schnappschuss zumindest "einen gewissen kosmischen, metaphysischen Sinn", wie der Entdecker Max Read auf Gawker.com schreibt.

Auch das noch:

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
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1. der Grosse bruder lässt grüssen
ldonat85 21.10.2010
Ich fände das gar nicht so toll, den inhalt meiner festplatte an Microsoft zu senden. Da lob ich mir doch einfach mein Linux.
2. So so, und das Ganze soll dann in Gebäuden aus Stahlbeton funktionieren?
Holledauer, 21.10.2010
Wenn schon manche Mobiltelefone Probleme in Stahlbetongebäuden haben, ein Netz zu finden, dann dürfte dies bei Satellitensignalen aussichtslos sein. Weiterhin ist zu bezweifeln, dass diese Wolke so abgesichert werden kann, dass da nicht Unsinn gemacht werden kann. Im Zweifel dürften US-amerikanische Geheimdienste sehr an Geschäftsgeheimnissen interessiert sein. Naja, Microsoft kann durchaus nach VISTA noch einen Flopp landen. Meine Daten bleiben jedenfalls auf meinem Rechner. Da kaufe ich lieber einige Office-Pakete.
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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.


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