Netzwelt-Ticker Eine Sekunde ist schon zu viel

YouTube kann gefährlich werden - zum Beispiel, wenn man ein Bild aus einer Zeitschrift abfilmt und das Video online veröffentlicht. Diese Erfahrung musste eine US-Kapelle machen. Außerdem im Überblick: eBay will Gebühren ändern, Roboter segeln in Österreich und vieles mehr.


Der Reiz von Videoplattformen wie YouTube besteht nicht zuletzt darin, selbstgemachte Clips online zu stellen. Allerdings kommt es dabei immer wieder zu kuriosen Rechtsstreitigkeiten. Der britische "Guardian" berichtet jetzt über die A-Cappella-Band "Richter Scales", deren Musikclip nach einer Beschwerde der Fotografin Lane Hartwell aus dem Videoportal entfernt wurde. Die Begründung: In dem Clip sei eines ihrer Fotos verwendet worden.

Musikvideo "Here Comes Another Bubble": Bei Dailymotion ist es noch zu sehen
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Musikvideo "Here Comes Another Bubble": Bei Dailymotion ist es noch zu sehen

Dabei handelt es sich um ein Bild, dass einst im "Wired Magazine" abgedruckt wurde und für einen kurzen Augenblick im Video zu sehen ist. Dass ausgerechnet dieses Bild gewählt wurde, dürfte Zufall gewesen sein. In dem Video werden die Konterfeis etlicher Silicon-Valley-Größen abgebildet. Dazu trällert die A-Cappella-Truppe zur Melodie von Billy Joels "We Didn't Start the Fire" den Text "Here Comes Another Bubble".

Mit der Aktion hat Lane Hartwell zumindest eines erreicht: Ihr Name ist nun bekannt. Ihr Marketing könnte allerdings besser sein. Wenn solche Beispiele Schule machen, dauert der Abspann auch des kürzesten Clips demnächst länger als ein Spielfilm. Denn es gibt eine Menge Leute bzw. von ihnen hergestellte Dinge, die bei einem einzigen Schwenk mit laufender Kamera ins Bild kommen könnten. Der Clip ist übrigens noch vorhanden, TechCrunch hat das Filmchen gerettet.

USA: Aussageverweigerungsrecht gilt auch für Passwörter

Jerome Niedermeier, ein Bundesrichter im US-amerikanischen Vermont, hat entschieden, dass sich das Aussageverweigerungsrecht auch auf Passwörter erstreckt. Im vorliegenden Fall ging es um einen Mann, der im Verdacht steht, kinderpornografisches Material auf seinem Notebook gespeichert zu haben. Allerdings gelang den Behörden kein Zugriff auf die per PGP verschlüsselte Festplatte.

Die Staatsanwaltschaft wollte den Verdächtigen nun zur Herausgabe des Passwortes zwingen, schließlich müsste in ähnlichen Fällen auch ein Schlüssel zu einem Safe mit möglicherweise verwertbaren Dokumenten herausgegeben werden. Der Richter verneinte dies, denn damit könne sich der Mann selbst belasten, und genau davor schütze ihn der fünfte Zusatz der Verfassung.

eBay Deutschland will Gebührenordnung ändern

Die großen Zeiten scheinen für eBay vorbei zu sein. Im Unterschied zu früheren Jahren ist die Zahl der Besucher als auch der neuangemeldeten Kunden dem Vernehmen nach rückläufig. Ein eBay-Sprecher rang sich am Wochenende zumindest dazu durch, einen Rückgang des Wachstums zuzugeben. Gleichzeitig verwahrte er sich gegen die Annahme, bei zwei Dritteln der knapp 250 Millionen Mitglieder der Plattform handele es sich um Karteileichen.

Trotzdem sieht man offensichtlich Handlungsbedarf und will voraussichtlich im nächsten Jahr die Gebührenstruktur angehen. EBay-Deutschland-Chef Stefan Groß-Selbeck sagte dem Magazin "Focus": "Wir hören sehr wohl die Rufe unserer Verkäufer und wollen deshalb auch im nächsten Jahr die Gebührenstruktur ändern."

Guantanamo-Propaganda auf Wikipedia?

Dass es Wirtschaftskapitäne, Politiker und Unternehmen gibt, die ihre Einträge in der Wikipedia etwas aufhübschen, ist ein alter Hut. Nun soll auch die US-Armee auf den Trichter gekommen zu sein, die Online-Enzyklopädie zu manipulieren. Entsprechende Hinweise will das Wikileaks-Projekt gefunden haben.

Demnach verzeichnete Wikileaks angeblich eine Reihe von Aktivitäten, die sich sämtlich zum US-Stützpunkt auf Guantanamo zurückverfolgen lassen sollen. Unter anderem seien Gefangenennummern von Inhaftierten aus dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag gelöscht worden. Zudem sei der Wikipedia-Eintrag über den kränkelnden Kuba-Führer Fidel Castro mit der Bemerkung garniert worden, der "Maximo Lider" sei ein "bekennender Transsexueller". Ein Militärsprecher wies die Vorwürfe zurück.

Ein von Wikileaks befragter IT-Experte hingegen kam zu dem Schluss: "Offensichtlich kommen diese Veränderungen von Leuten, die auf Guantanamo Bay stationiert sind." Allerdings schränkte er ein, es hätte sich auch jemand in die Guantanamo-Computer einhacken können, um die US-Regierung zu diskreditieren. Diese Variante halte er jedoch für wenig wahrscheinlich.

2008: Roboter-Segel-WM in Österreich

Österreich, Land der Wellen, Beherrscher der Wogen. Was liegt näher, als hier eine Segelweltmeisterschaft zu veranstalten? Zwar gibt es weit und breit kein Meer, aber immerhin den Neusiedlersee, und auf dem wird vom 18. bis 25. Mai 2008 die erste Roboter-Segel-Weltmeisterschaft veranstaltet.

Die unbemannten Boote müssen sich dabei mehreren Aufgaben stellen, die Routenplanung, das Verhalten unter wechselnden Wind- und Strömungsbedingungen und Dauerbelastbarkeit umfassen. Außerdem treten unbemannte Boote gegen solche mit einer Besatzung aus Fleisch und Blut an. Der Veranstalter, die Österreichische Gesellschaft für innovative Computerwissenschaften, betrachtet die Aktion auch als Testlauf für die im Herbst 2008 anstehende "Microtransat", bei der es um die erste Atlantiküberquerung von Roboterbooten bis vier Meter Länge geht.

Video-Fragestunde bei al-Qaida

Soll keiner behaupten, die al-Qaida sei nicht gewandt im Umgang mit modernen Medien. Offenbar inspiriert vom US-Präsidentschaftswahlkampf, der sich zunehmend auf YouTube abspielt, hat einer der Führer des Terrornetzwerks, Ayman al-Zawahri, interessierte Sympathisanten aufgefordert, allfällige Fragen einzureichen, die er in seiner Videobotschaft im kommenden Monat beantworten will.

Im Rahmen eines im Internet veröffentlichten Clips, in dem Zawahri sich unter anderem zum Teilrückzug der Briten aus dem Südirak äußert, wurden die Zuschauer aufgefordert, eigene Fragen an den Terroristenführer einzureichen. Unbeantwortet blieb aber, auf welche Art die Fragen ihre Zielperson erreichen sollen. Eine E-Mail-Adresse fehlt in dem Video.

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