Netzwelt-Ticker: Entführung live bei Facebook

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Ein amerikanischer Entführer protzt bei Facebook mit seiner Geisel und holt sich Rat von Freunden - all das, während er von einem Einsatzkommando der Polizei umzingelt ist. Außerdem im Überblick: das System Kino.to und Lichtfeld-Schießen statt Fokus-Fragen.

Facebook-Website: "Ich bin gerade in einer verfahrenen Situation" Zur Großansicht
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Facebook-Website: "Ich bin gerade in einer verfahrenen Situation"

Was tun, wenn es bei einer Entführung langweilig wird? Bei Facebook vorbeischauen, dachte sich offenbar Jason V., ein der Polizei bekannter Kleinkrimineller aus dem US-Bundesstaat Utah. Zusammen mit einer Frau - die Polizei spricht von Geisel, der Entführer von einer Begleiterin - hatte sich V. vor den Polizisten in einem Motelzimmer versteckt. 16 Stunden lang wartete draußen ein Sondereinsatzkommando auf den Zugriffsbefehl. Drinnen schoss V. Pärchenfotos, chattete mit Freunden und verfasste genervte Statusmeldungen: "Ich bin gerade in einer verfahrenen Situation... irgendwie mies, bin aber bereit für was auch immer."

Ein Foto von ihm und der Frau betitelte er: "Hab eine süße 'Geisel', nicht.". Und später: "Eigentlich wollte ich das Mädchen ja gehen lassen, aber dann versuchten diese dummen Arschlöcher, hier hereinzukommen, obwohl ich ihnen sagte, sie sollten es bleiben lassen, also hab ich noch ein paar Schüsse abgefeuert, und jetzt sieht es so aus, als ob alles wieder von vorne los ginge." Drei Freunde mochten das, 14 kommentierten die Statusmeldung.

Noch ist nicht klar, ob die Polizisten von dem Facebook-Austausch zwischen Geiselnehmer und Außenwelt zur Tatzeit etwas mitbekamen. Ein Freund warnte den Umzingelten via Facebook sogar vor einem Polizeibeamten, der sich hinter einem Busch versteckt hielt. "Danke, Kumpel," antwortete V.: "Schön, dass du aufpasst." Die Ermittler überlegen nun, gegen V.s Facebook-Freunde wegen Strafvereitelung vorzugehen. Sie waren es möglicherweise auch, die den mutmaßlichen Geiselnehmer vor dem losstürmenden Einsatzkommando warnten - woraufhin V. versuchte, sich mit einem Schuss in die Brust selbst zu töten.

LulzSec: Angriff und Verwirrung

Die britische Polizei brüstete sich mit der Festnahme eines Mitglieds der LulzSec-Hackergruppe - nun stellte die Londoner Polizeibehörde Metropolitan Police Service klar, weswegen der mutmaßliche Hacker Ryan C. genau festgenommen wurde: Er soll, vermutlich zusammen mit anderen Hackern und mit Hilfe eines Botnets, Überlastungsangriffe auf die britische Strafverfolgungsbehörde Serious Organised Crime Agency (Soca) und die International Federation of the Phonographic Industry (Ifpi) unternommen haben.

LulzSec hat bislang keine Bekennerschreiben zu derartigen Angriffen veröffentlicht, jedoch verlautbart, es habe mit der Festnahme niemanden aus der Gruppe getroffen. Bei dem Festgenommenen handele es sich lediglich um den Betreiber eines der LulzSec-Chatforen. Ein angebliches Bekennerschreiben, wonach LulzSec die Zensus-Daten der diesjährigen Volkszählung in Großbritannien entwendet haben soll, bezeichnete die Gruppe außerdem als Fälschung.

Der Verwirrung nicht genug, gehen derweil die Streitigkeiten zwischen LulzSec und anderen Gruppen weiter. Enthüllungen angeblicher Mitglieder durch gegnerische Hackergruppen folgen Gegen-Enthüllungen. "Ars Technica" hat versucht, in all dem etwas Ordnung zu finden - und kommt zu dem Schluss: LulzSec scheint von allen Enthüllungsversuchen seitens der Ermittler und verfeindeten Hacker unberührt zu bleiben. Für die nächsten Tage kündigten die Hacker einfach noch mehr spektakuläre Veröffentlichungen an.

Noch mehr Hintergrund: So funktionierte das System Kino.to

Das Szene-Portal Gulli.com will an weitere exklusive Infos über das Vorgehen des geschlossenen Streaming-Portals Kino.to gelangt sein. In einem Beitrag versucht Gulli-Autor "Ghandy" anhand von Insider-Informationen aufzuzeigen, "welch eng vernetztes personelles und technisches System sich hinter zahlreichen Seiten, Filehostern, Freischaltern und Uploadern verbarg". Kino.to sei letztlich das Ergebnis jahrelanger Vorbereitungen und zahlreicher Kooperationen gewesen.

Lichtfeld-Fotografie: Ohne Fokus ist vor dem Fokus

Golem.de berichtet von einer Kamera, die "die digitale Fotografie revolutionieren" könnte. Die Lichtfeldkamera solle erst schießen und dann Fokus-Fragen stellen können. Herz dieser neuen Aufnahmetechnik sei ein großer Fotochip, der neben Intensität und Farbe auch die Richtung des einfallenden Lichts erkennen könne. Zusammen mit viel Software-Zauber könnten Fotografen erst nach dem Abdrücken Fokuspunkte festlegen und aus den Aufnahmen auch 3D-Bilder herausrechnen. Wie das alles funktioniert, erklärt Erfinder Ren Ng anhand einer Web-Demo im Lytro-Blog, den technischen und theoretischen Hintergrund auf seiner Standford-Studentenseite.

Aber kommt einem das nicht bekannt vor: Kameras, bei denen man nachträglich den Fokus einstellen kann? SPIEGEL ONLINE berichtete schon vor zwei Jahren von US-Informatikern, die an "der ersten Kamera mit Linux-Betriebssystem" arbeiten, die - unter anderem - die nachträgliche Fokussierung beherrscht. Kein Wunder: Das war das Uni-Projekt, aus dem Lytro hervorging.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. P-Mails zuhauf
MiaMaus 23.06.2011
Hier eine Warnung vor einer besonders brisanten P-Mail: http://www.finanznews-123.de/achtung-phishing-mail-paypal-kontoabteilung-%E2%80%93-ihr-kontozugang-wurde-begrenzt/ Da geht es dann richtig ans Geld, wenn man die Daten rausgibt.
2. ....
tylerdurdenvolland 24.06.2011
Zitat von MiaMausHier eine Warnung vor einer besonders brisanten P-Mail: http://www.finanznews-123.de/achtung-phishing-mail-paypal-kontoabteilung-%E2%80%93-ihr-kontozugang-wurde-begrenzt/ Da geht es dann richtig ans Geld, wenn man die Daten rausgibt.
Finden sie nicht, dass es möglicherweise um dieses Land und den Rest der Welt besser bestellt wäre, wenn Dummheit immer öfter regelmässig bestraft würde?
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Zum Autor
Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Die Hackergruppe LulzSec
Das nach eigenen Angaben kleine Hackerkollektiv LulzSec hat sich auf das Aufspüren und Ausnutzen von Sicherheitslücken spezialisiert. Ziele waren unter anderem Sony, Nintendo, die Nachrichtenseite PBS und der Cyber-Sicherheitsverband InfraGard. LulzSec steht für "Laughing at your security". Die "Lulz", der Spaß am Unsinn, sind eine Erfindung aus dem Anarcho-Bilderforum 4Chan, in dessen Umfeld auch die lose organisierte Spaßguerilla Anonymous entstanden ist. Der Werbespruch im Twitter-Profil von LulzSec lautet: "Weltmarktführer in Sachen Spitzenunterhaltung auf Eure Kosten."

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