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Netzwelt-Ticker: Entspannen mit Monstern

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"World of Warcraft" macht locker - sagt eine Studie. Außerdem im Überblick: Handyspiele mit neuem Schwung, eBay verbietet Handel mit Digitalien, ein Forderungskatalog für die Netzpolitik - und mehr.

Steht die Rückkehr der Handyspiele bevor?

Nach dem Krisenjahr 2007 könnten Handygames dieses Jahr eine Wiedergeburt erleben. Nokia eröffnete über zwei Jahre nach der ersten Ankündigung auf der Game Developers Conference in London seinen Spieledienst N-Gage. Damit, vermutet Reuters, erhofft sich der größte Handyhersteller eine Erholung des Markts für mobile Spiele. Mit dem neuen Service laufen N-Gage-Spiele auf den Geräten N95, N81 und N82. Analysten schätzen, dass bereits 10 bis 15 Millionen dieser Handys auf dem Markt sind. Alle großen Handygame-Entwickler sind bei N-Gage an Bord, darunter Electronic Arts, Gameloft und Glu Mobile. Bis Mitte des Jahres sollen 25 bis 30 Spiele für N-Gage bereit stehen, in der zweiten Jahreshälfte noch einmal so viele.

Auch Samsung plant Großes auf dem kleinen Taschentelefon: "Second Life"-Abhängige sollen schon bald nicht mehr auf Textnachrichten aus der 3D-Welt verzichten müssen, wenn sie draußen bei Mutter Natur sind. Vielleicht, so ganz geht das aus der Nachricht bei "Korea Times" nicht hervor, bietet Samsung auch schon bald die "Second Life"-Welt selbst auf Samsung-Handys an. Für alle, die das schon wieder vergessen haben: "Second Life" war der Versuch, gähnende Langweile im Internet in einer dreidimensionalen Welt abzubilden – und wurde von vielen Firmen vergebens als Werbeplattform in den Himmel gejauchzt. Heute tummeln sich dort eher Universitätsangehörige und Webdesigner.

Entspannen mit Monstern

Bei einer Untersuchung von 292 Spielern des Online-Rollenspiels World of Warcraft (WoW) – Alter: 12-83 Jahre! – fühlten sich die Probanden nach einer Runde WoW am ehesten entspannt und müde. Und nicht, wie erwartet, in der Stimmung, einen Amoklauf an einer Schule zu veranstalten oder mit der Axt auf den Nachbarn loszugehen. Doch man muss eingrenzen: Wer vor dem Spielen entspannt war, war es auch danach. Wer vor dem Spielen aggressiv war, war es danach auch. Einer der Studienveranstalter will nun einen Fragebogen entwerfen, mit dem man herausfinden kann, welcher Typ Spieler am ehesten Online-Agressionen ins "echte" Leben überträgt.

Online-Rollenspieler: Ganz locker
AP

Online-Rollenspieler: Ganz locker

Vielleicht sollte er ja auch einen Fragebogen entwerfen, mit dem man herausfindet, wie vertrauenswürdig solche Studienergebnisse eigentlich sind. Die Leute von GamePro jedenfalls erhoffen sich von dieser (offenbar wenig aussagekräftigen) Studie, ein gutes Mittel gegen " himmelschreiend medienhungrige Opportunisten, die das junge Videospielgenre für himmelschreiende Selbstbewerbung missbrauchen."

EBay verbietet digitale Auktionsware

In der größten Auktionshalle des Internet kommen fortan keine digitalen Güter mehr unter den Hammer. Darunter fallen Software, PDF-Dateien, eBooks, MP3s und alles, was per E-Mail oder Downloadlink verschickt werden kann. Ab sofort können solche Waren auf eBay.com nur noch per Werbung angepriesen werden.

Das "Tech.blorge"-Blog hat sich die zunächst etwas abwegige Begründung angehört: "Wir sorgen uns um Manipulationen am Feedback-System (künstliches Aufhübschen der Mitgliederbewertungen)." Brian Burke, eBays Beauftragter für Vertrauen, Sicherheit und das Feedback-System dazu: "Die meisten Güter, die digital versendet werden, können – einmal erstellt – ganz einfach kopiert werden. Das ist so einfach, dass Verkäufer damit die Möglichkeit haben, ein und dieselbe Sache Tausende Male einzutragen um damit ihre User-Bewertungen zu manipulieren."

"Tech.Blorge" kann die Sorgen nachvollziehen und kritisiert, dass über eBay auch schon eigentlich kostenlose Software, zum Beispiel die Grafikprogramme GIMP und Paint.NET, verkauft wurde. Kritik äußert das Blog jedoch am Auktionsverbot für eBooks und PDFs.

Vielleicht machen eBay ja auch mögliche Klagen von Rechteinhabern Sorgen, deren digitale/digitalisierte Werke tausendfach bei eBay angeboten werden, und kommt einer möglichen Kontrollpflicht zuvor.

Forderungen für eine zeitgemäße Netzpolitik

Es tobt der Bloggerkongress re:publica in Berlin und mittenmang Netzpolitik.org-Blogger Markus Beckedahl mit seinem – als Forderungskatalog verharmlosten – Thesenpapier zu einer zeitgemäßen Netzpolitik in Deutschland. Dieses Papier hat es in sich - ungehobelt, polemisch, mitten ins Schwarze: Internet als Grundversorgung, Förderung von Open-Source-Communitys, Freie Software als Wirtschaftsfaktor, Politiker, die sich das Netz nicht ausdrucken, öffentlich geförderte Informationen bitte unter offene Lizenzen, freie, anonyme Kommunikationswege in der digitalen Gesellschaft, ein Urheberrecht, das sich der Gesellschaft anpasst und nicht umgekehrt.

Was dieses Papier will, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein: Eine Gesetzgebung, die eine freie, offene und nachhaltige digitale Gesellschaft ermöglicht.

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