Von Felix Knoke
Große Verwirrung um eine EU-Richtlinie: Der Versuch der Europäischen Union, den Umgang mit sogenannten Browser-Cookies zu reglementieren, lässt die nationalen Gesetzgeber etwas ratlos zurück - niemand weiß, wie man die EU-Vorgabe zu verstehen und in nationales Recht zu überführen hat.
Es geht um die Info-Häppchen, die Websites auf Computern ablegen. Die kleinen Textdateien machen Notizen über das Surfverhalten der Nutzer, über ihre auf bestimmten Web-Seiten gewählten Einstellungen und Präferenzen und darüber, welchen Funktionalitäten einer Seite sie zugestimmt und welche sie abgelehnt haben.
Die Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht stockt jedoch. Schuldig laut " Wall Street Journal": Alle, also sowohl Internet- und Werbefirmen als auch Gesetzgeber, Datenschützer und EU-Mitglieder, die sich nicht über die genaue Bedeutung des Gesetzes einig werden. Soll es ausreichen, wenn Surfer bei der Browser-Installation eine einmalige Entscheidung treffen, sollen Surfer über die Daten aufgeklärt werden, die ein Unternehmen in den Cookies über sie speichert oder sollen Surfer bei jedem Website-Besuch ihre Wahl treffen?
Bis Mai 2011 - dann müssen die 27 EU-Mitgliedsländer das Gesetz umsetzen - soll ein Konsens erreicht werden. Kritiker befürchten allerdings einen "Albtraum konkurrierender Standards," so das "Wall Street Journal". Jedes Land könnte einen eigenen Cookie-Weg beschreiten.
Das war's dann, Datenscheiben
Es sind zwei Meldungen, die für sich genommen wenig spektakulär sind - aber gemeinsam eine Geschichte vom Untergang der Datenscheiben, vom Ende der DVDs und Blu-rays erzählen. "Digitimes" erklärt zum einen, warum sich Blu-ray-Abspielgeräte 2010 kaum besser verkauften als 2009 ( die Wirtschaftskrise ist Schuld, immer noch). Und die Nachrichtenagentur AFP berichtet vom Aktienhöhenflug des amerikanischen DVD-Verleihdienstes Netflix, der just angekündigt hat, künftig Filme zum Abopreis als Leih-Download anzubieten und das DVD-Angebot zu verteuern. Heißt: Leute, streamt unsere Filme, der Postversand ist uns eine Fessel.
Digital-Bürokratie in Großbritannien
Großbritannien folgt Estlands Vorbild und will künftig teilweise auf eine papierlose Bürokratie setzen: Wer zukünftig einen Studentenkredit, einen Führerschein, einen Ausweis oder Sozialhilfe beantragen will, soll dies ausschließlich über ein Webformular tun können. Der Grund: Die neue Koalition will Geld sparen. Dem "Guardian" sagten Beamte, dass mit dem Papierverzicht Milliarden Pfund eingespart werden könnten. Und was ist mit Menschen ohne Internetzugang oder ohne ausreichende Internet-Erfahrung?
Wer keinen Netzzugang habe, so der Plan, bekomme Gelegenheit, die E-Anträge ersatzweise in Postfilialen auszufüllen. Der britische "The Observer" ist sich sicher: Dieser Plan wird Millionen Menschen aufbringen. Etwa 27 Prozent der englischen Haushalte haben noch keine Internet-Anbindung, sechs Millionen Menschen über 65 Jahren haben noch nie das Netz benutzt.
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