Netzwelt-Ticker: EU-Politiker fordert Flugschreiber für Internet-Nutzer

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Eine Art Flugschreiber soll das Verhalten von Online-Nutzern ständig überwachen - im Verdachtsfall würde die Black Box von Ermittlern ausgelesen. Außerdem im Überblick: Steve Jobs wollte einen thermonuklearen Krieg gegen Google führen, und Facebook bekommt Ärger aus Hamburg.

Flugschreiber: Datenaufzeichnung nur für alle Fälle Zur Großansicht
DPA/ BEA

Flugschreiber: Datenaufzeichnung nur für alle Fälle

Eigentlich ist das Sommerloch schon länger vorbei und damit die Notwendigkeit für parlamentarische Hinterbänkler, sich mit originellen bis bizarren Vorschlägen bekannt zu machen. Nichtsdestotrotz benutzt Tiziano Motti, italienischer Abgeordneter im EU-Parlament, das Problemfeld Pädophilie, um eine weitreichende Internet-Überwachung vorzuschlagen. Der Christdemokrat will die Surfbewegungen sämtlicher EU-Bürger beobachten lassen.

Möglich werden soll das durch eine vom italienischen Hacker Fabio Ghioni entwickelte Technik namens Logbox. Dieses Programm wäre imstande, jede Art von Internetverkehr aufzuzeichnen. Logbox würde auf jedem elektronischen Gerät installiert werden - Handy, Computer, Fernseher oder E-Book-Reader - in Verdachtsfällen könnten Ermittler diese Daten auslesen und nachvollziehen, welche Websites angesurft wurden. "Wir wollen die anständigen Bürger in der EU schützen", erklärte Motto gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa.

Befürchtungen, damit werde die Privatsphäre ausgehebelt, wischt Motti beiseite: "Wie eine Black Box in einem Flugzeug nur nach einem Unfall geöffnet wird, würden auch die von Logbox aufgezeichneten Daten nur im Falle wirklicher Notwendigkeit entschlüsselt." Fast unnötig zu erwähnen, dass er ebenso für eine Verlängerung und Ausweitung der umstrittenen EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung ist.

Bezahlschranke der "New York Times" macht sich bezahlt

Die "New York Times" hat vor einiger Zeit für ihre Online-Ausgabe eine Bezahlpflicht eingeführt. Unkenrufe, das Kassenhäuschen vorm Lesegenuss würde alle Leser vertreiben, haben sich nicht bewahrheitet. Zwar ließ der Traffic etwas nach, dafür gewann die Zeitung 324.000 Abonnenten für ihre verschiedenen digitalen Angebote. Mehr noch, das lange Zeit defizitäre Blatt schreibt wieder schwarze Zahlen. Im dritten Quartal wurden 15,7 Millionen Dollar Gewinn eingefahren, vor Jahresfrist lag das Quartalsergebnis noch bei 4,3 Millionen Dollar Verlust.

Mit Blick auf die Digital-Abos stellten die Zeitungsmacher fest, hier würden keine Preisnachlässe oder Sonderangebote gewährt: "Die große Mehrheit dieser Abonnenten zahlen die vollen Gebühren, um Zugang zum digitalen Inhalt der Times zu erhalten", erklärte Zeitungschefin Janet L. Robinson am Donnerstag.

Hamburger Datenschützer stellt Facebook Ultimatum

Bis zum 7. November muss Facebook antworten: Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat dem Unternehmen nach einem Bericht der Tageszeitung "taz" diese Frist gesetzt, um die Vorgaben bei bei der automatischen Erkennung von Gesichtern zu erfüllen. "Die Zeit für Verhandlungen ist jetzt vorüber. Wir brauchen eine klare Bestätigung, dass Facebook unsere Vorgaben umsetzen will", sagte Caspar der Zeitung. Ansonsten werde es unumgänglich, rechtliche Maßnahmen zu ergreifen. Konkret fordert er, die Facebook-Mitglieder transparenter zu informieren und ihre Zustimmung einzuholen.

Auf Facebook können Nutzer Fotos hochladen und darauf gezeigte Personen mit einem Namen versehen - allerdings müssen die so markierten Nutzer diese Tags mit dem eigenen Namen freigeben. Einmal markierte Personen können danach automatisch in Bildern gefunden werden - möglich macht dies eine Software zur automatischen Gesichtserkennung.

Das Unternehmen ist zuletzt auf Forderungen eingegangen, die Sichtbarkeit von Statusmeldungen auf bestimmte Gruppen von Kontakten einzuschränken. Bei der strittigen Übermittlung von Nutzerdaten in die USA und bei der Markierung von Personen in Fotos gab es bislang keine Änderungen. (dpa)

iPhone-4S-Teile sind 136 Euro wert

Ein neues Tablet oder Smartphone ist für die elektronischen Obduktionsexperten des Marktforschungsunternehmens iSuppli immer ein Fest. Sie zerlegen es in seine Einzelteile und berechnen, welchen tatsächlichen Preis das sezierte Gerät, gemessen an den Kosten seiner Bauteile, in Wahrheit hätte. Traditionell fällt die Diskrepanz zum Ladenpreis bei Apple-Produkten besonders groß aus. Da macht auch das neue iPhone 4S keine Ausnahme. Beim 16-Gigabyte-Modell lägen die Materialkosten bei 188 Dollar, umgerechnet 136 Euro.

Im Laden werden allerdings für ein vertragsfreies Gerät stolze 649 Dollar fällig (in Deutschland 629 Euro). Größere Speicher, höhere Preise? Die Version mit 32 Gigabyte kostet in der Herstellung 207 Dollar (150 Euro), wird jedoch für 749 Dollar verkauft, in Deutschland für 739 Euro. Für das dicke 64-Gigabyte-Modell muss Apple 245 Dollar (177 Euro) aufwenden. Verkauft wird das Spitzen-4S allerdings für 849 Dollar (849 Euro). Es war schon immer etwas teurer, Fanboy (oder -girl) zu sein.

Auch das noch:

  • Steve Jobs wollte Android "zerstören". Noch wenige Wochen vor seinem Tod gab der Apple-Chef seinem Biografen mehrere Interviews und äußerte sich auch zu Android. Damit habe Google einen "schweren Diebstahl" begangen. "Ich werde jeden Penny von Apples 40-Milliarden-Vermögen aufwenden, um das geradezurücken. Ich werde Android zerstören, weil es gestohlen ist. Ich werde einen thermonuklearen Krieg führen", heißt es in der am Montag erscheinenden Biografie.
  • Sicherheitslücke koppelt Skype-Profile an BitTorrent-Accounts. Skype-Nutzer, die gleichzeitig auch Daten über BitTorrent herunterladen, aufgepasst! Die Interessen für "Urlaubsfilme" können ausgelesen werden. Die IP-Adressen lassen sich zuordnen und erlauben aufschlussreiche Erkenntnisse.
  • Samsung überholt Apple beim Smartphone-Absatz. Die Apple-Gemeinde hielt sich in Erwartung auf das neue iPhone 4S mit dem Smartphone-Kauf zurück. Das erlaubte Samsung im dritten Quartal, an Apple vorbeizuziehen, mit 20 Millionen verkauften Geräten lagen die Koreaner vor den 17 Millionen Apple-Geräten. Spätestens zu Weihnachten ist es damit wieder vorbei.
  • Digitask wird abgemahnt. Durch die Programmierung des Staatstrojaners habe Digitask gegen geltendes Rcht verstoßen und sich damit unrechtmäßig einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen IT-Firmen verschafft, argumentiert ein Anwalt.
  • Australisches Einkaufzentrum will Handy-Ortsdaten zur Verbraucheranalyse verwenden. Wann Kunden das Zentrum betreten haben, wie lange sie geblieben sind, in welchen Läden sie eingekauft haben. Die Initiatoren schwören, alle Daten würden anonymisiert. Und überhaupt sei das Verfahren nicht so aufdringlich wie die überall installierten Überwachungskameras.

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Noch so ein Internetausdrucker
hman2 21.10.2011
Fasungslos, wie sich mal wieder einer nicht entblödet, sich vor der Welt als digitaler Analphabet zu outen...
2. oooo
inci 21.10.2011
Zitat von sysopEine Art Flugschreiber soll das Verhalten von Online-Nutzern ständig überwachen - im Verdachtsfall würde die Black Box von Ermittlern ausgelesen. Außerdem im Überblick: Steve Jobs wollte einen thermonuklearen Krieg gegen Google führen, und Facebook bekommt Ärger aus Hamburg. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,793153,00.html
in ordnung! aber nur, wenn ich mit dem internet auch fliegen kann........
3. nichts
KaaBee 21.10.2011
Zitat von hman2Fasungslos, wie sich mal wieder einer nicht entblödet, sich vor der Welt als digitaler Analphabet zu outen...
dagegen wenn sich die Abgeordneten verpflichten alle Geldeingänge über eine blackbox laufen zu lassen, die nur bei Bedarf ausgelesen wird.
4. .
takeo_ischi 21.10.2011
Zitat von sysopEine Art Flugschreiber soll das Verhalten von Online-Nutzern ständig überwachen - im Verdachtsfall würde die Black Box von Ermittlern ausgelesen. Außerdem im Überblick: Steve Jobs wollte einen thermonuklearen Krieg gegen Google führen, und Facebook bekommt Ärger aus Hamburg. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,793153,00.html
Schon beim Lesen der Überschrift war klar, dass es sich um einen sog. 'Christdemokraten' (beides der Ironie wegen in Anführungszeichen) handeln muss. Wäre Sex Wax für Surfer die ins Straucheln kommen nicht geeigneter? Uhl wird sich freuen, dass es in seiner Schwesterpartei noch andere Netzexperten wie ihn gibt.
5. Problemjournalisten und die Lösung: iLobo
roterschwadron 21.10.2011
Zitat von sysopEine Art Flugschreiber soll das Verhalten von Online-Nutzern ständig überwachen - im Verdachtsfall würde die Black Box von Ermittlern ausgelesen. Außerdem im Überblick: Steve Jobs wollte einen thermonuklearen Krieg gegen Google führen, und Facebook bekommt Ärger aus Hamburg. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,793153,00.html
Der nächste Schritt ist dann die elektronische Schere im Kopf, die sich jeder Journalist als Voraussetzung einer Berufserlaubnis einpflanzen lassen muß. Beim dritten Verstoß gegen die vom Bundesministerium für Wahrheit herausgegebenen Leitlinien für anständigen Journalismus wird dann die Sperre der elektronischen Schere gelöst...
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