Netzwelt-Ticker Ex-Justizministerin fordert Stop der E-Gesundheitskarte

Weil die elektronische Gesundheitskarte den "größten Datenberg aller Zeiten" produziere, aber selbst an Datenschutzproblemen kranke, fordert die Ex-Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger eine Abkehr von der E-Karte. Außerdem: Zurück zur DVD, Apple-Kunden zufrieden und Frankreich warnt vor Soldaten-Blogs.


Ex-Justizministerin will elektronische Krankenkarte begraben

Angesichts des jüngsten Datenschutzskandals gerät auch die elektronische Gesundheitskarte vermehrt in die Kritik. Golem.de berichtet von der ehemaligen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die in der "Leipziger Volkszeitung" den Verzicht auf die Einführung der E-Gesundheitskarte fordert. Ihrer Meinung nach produziere die "den größten Datenberg aller Zeiten" und eine dementsprechend große Missbrauchsgefahr.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Trat 1996 im Protest gegen den großen Lauschangriff vom Amt der Justizministerin zurück. Datenschutz gehört bis heute zu ihren Hauptthemen - zuletzt als Kritikerin der Vorratsdatenspeicherung
DPA

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Trat 1996 im Protest gegen den großen Lauschangriff vom Amt der Justizministerin zurück. Datenschutz gehört bis heute zu ihren Hauptthemen - zuletzt als Kritikerin der Vorratsdatenspeicherung

Unter anderem wegen datenschutzrechtlichen Problemen komme die Gesundheitskarte nicht aus der Testphase heraus. Auch fordert sie verschärfte Kontrollen von Unternehmen, die mit Kundendaten hantieren: Damit Unternehmen nicht rechtswidrig mit Kundendaten umgehen, müsse die Datenaufsicht auch in die Lage versetzt werden, ohne Anlass stichprobenartige Kontrollen durchführen zu können. Der Datenschutz und dessen Kontrolle sei im Unternehmensbereich noch unzureichend.

Leutheusser-Schnarrenberger ist nicht die einzige Kritikerin der Gesundheitskarte. Ende Juli rief der Chaos Computer Club zum Boykott der Karte auf: Krankenkassen hätten damit angefangen, ihre Kunden um die Zusendung von Passfotos zu bitten. Ein Krankenkassensprecher versicherte damals SPIEGEL ONLINE, dass die E-Karte doch den Datenschutz der Versicherten sogar verbessere, da die dort gespeicherten Daten ja eh schon vorlägen und zweitens der Patient jetzt bestimmen könne, wer welche Daten über ihn zu sehen bekäme.

Zurück zum Beton: Toshiba vergisst Blu-ray, setzt auf DVD

Nachdem Toshiba in der Schlacht um den DVD-Nachfolger den kürzeren zog, setzt das Unternehmen jetzt auf ein neues, erfolgversprechenderes Pferd: die DVD. Am Montag stellte die japanische Firma ihren neuen DVD-Spieler mit speziellem Skalierchip vor.

Dieser Chip soll die DVD-Bilder auf High-Definition-Größe aufblasen und dabei noch die Bildqualität verbessern. Zumindest in der Theorie. AP schaute sich das neue Gerät an und urteilt enttäuscht: Das Gerät schärft das Bild geringfügig. Ein Toshiba-Vertreter warf auch gleich ein: "Wenn Sie Blu-ray wollen, dann holen Sie sich Blu-ray. Dieses Gerät soll einfach DVDs besser abspielen können" - zum doppelten Preis eines normal skalierenden 50-Euro-DVD-Spielers.

Trotz aller Kritik zeigt Toshibas Zug natürlich eines: Die Schlacht zwischen Blu-ray und HD-DVD um den DVD-Nachfolger mag zwar längst geschlagen sein; die eigentliche Schlacht aber ist noch mitten im Gange. Die findet nämlich zwischen der alten DVD und den neuen legalen und illegalen Streaming- und Downloaddiensten im Netz statt. Blu-ray spielt nach wie vor eine marginale Rolle.

Apple buhlt mit MobileMe-Verlängerung um Liebe

Apple führt den Index für Kundenzufriedenheit der University of Michigan an. Während fast alle anderen Computerhersteller im vergangenen Jahr ihre Kunden zunehmend frustrierten, steigt Apples Beliebtheit.

Claes Fornell vom American Customer Satisfaction Index (ACSI) hat dafür auch eine mögliche Erklärung parat: Apple war die einzige Computerfirma, die keinen PC mit Windows Vista verkaufte. Vista scheint für ihn ein Garant für Kundenunzufriedenheit zu sein. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass neben Apple einzig Dell - ein Hersteller, der viel Wind um Vista-Alternativen auf seinen PCs machte - in der Beliebtheit zulegen konnte. Seltsam nur: Zugleich verlor der beliebte Konzern Marktanteile.

Im Cnet-Forum verspottet ein Teilnehmer den ACSI deshalb auch als Fanboy-Umfrage: Apple-Kunden jubeln mehr als recht ist, PC-Nutzer mäkeln mehr als recht ist - das klingt tatsächlich vertraut.

Aber die Unzufriedenheit mit Windows Vista - gerechtfertigt oder nicht - ist trotzdem deutlich und geht über reine emotionale Befindlichkeiten hinaus: Laut "Computerworld", die Microsoft-eigene Zahlen zitiert, fordern Computerkäufer bei einem Drittel aller neuen PCs, dass statt Vista das alte XP installiert wird. Microsoft bietet Business-Kunden an, eine Vista-Lizenz zu kaufen, diese aber zu einem XP zu "downgraden" - eigentlich wurde der Vertrieb von XP ja im Sommer eingestellt.

Was allerdings nicht im aktuellen Zufriedenheitsbarometer abgezeichnet ist: Apples letzte Kunden-Frustrationsaktionen, namentlich der vermasselte Start vom iPhone 3G und dem Netzdienst MobileMe.

Um sich für die nicht enden wollenden Probleme mit MobileMe seit dem Start im Juli zu entschuldigen, wird Apple weitere zwei Monate keine Servicegebühren abrechnen. Schon im Juli musste Apple 30 kostenlose MobileMe-Tage rausrücken. In einer E-Mail an die Kunden schreibt Apple jetzt: "Wir wissen, dass der MobileMe-Start nicht unser Bravourstück war, und wir rechnen Ihnen ihre Geduld hoch an." Auch Apple-Chef Steve Jobs musste zugeben, dass der gleichzeitige Start von MobileMe und iPhone 3G eine blöde Idee war.

Frankreich warnt vor Soldaten-Web-Blogs

Web-Blogs von Soldaten sind dem französischen Generalstab ein Dorn im Auge. In einem Schreiben an ihre Streitkräfte warnt die Heeresführung vor den Gefahren der Blogs, Foren und Websites.

In ihnen könnten die Soldaten Details zu Militäreinsätzen preisgeben, die "zu feindseligen Zwecken verwendet" werden könnten und damit Einsätze, die Sicherheit der Soldaten, gar deren Familien in Gefahr bringen. Die Soldaten dürften diese "Verletzlichkeit" nicht unterschätzen, zitiert die ORF Futurezone aus "Le Monde".

Das Zentrum für Sozialwissenschaften des französischen Verteidigungsministeriums stellte unlängst fest, dass die meisten französischen Soldaten ein Blog führen, um mit ihren Familien in Verbindung zu bleiben. In den Blogs schwärmen die Soldaten von Einsätzen, beklagen aber auch Langeweile und Überdruss. Anders als in den Vereinigten Staaten haben die französischen Soldaten-Blogs dem Bericht zufolge aber nicht viele Leser.

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