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Netzwelt-Ticker: Facebook bekennt sich zu Datengier

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Facebook macht mit seinen Nutzerdaten ab sofort absolut alles, was es will. Außerdem: Die BKA-Sperrlisten gegen Pädophile sollen geheim bleiben. Deutscher Monopolwächter interessiert sich für Ebay. Das und mehr im Überblick.

Der Datenhunger von Betreibern sogenannter Social Networks ist so groß wie bekannt. Um den Nutzern allfällige Bedenken hinsichtlich ihrer Privatsphäre zu nehmen, versprechen die meisten Plattformen in ihren Geschäftsbedingungen strenge Zurückhaltung, was die Auswertung persönlicher Angaben betrifft. Das gilt auch für Facebook, dessen Verantwortliche zusichern, hochgeladene Daten eines Profils würden nach Löschung des entsprechenden Accounts ebenfalls verfallen.

Facebook: Will sich alle Rechte für alle Daten aller Nutzer sichern

Facebook: Will sich alle Rechte für alle Daten aller Nutzer sichern

Bis jetzt. Facebook lässt sich von seine Nutzern weltweite, immerwährende Rechte einräumen, jeden vom Nutzer generierten Inhalt "nutzen, kopieren, veröffentlichen, streamen, speichern, aufbewahren, öffentlich aufführen oder zeigen, ausstrahlen, scannen, umformatieren" zu dürfen. Kurz und gut, Facebook kann tun und lassen, was es will, wie der "Consumerist" zusammenfasst.

Das ist eine bisher beispiellose Gier-Attacke mit potentiell weit reichenden Folgen, denn sie kommt einer unbeschränkten Abtretung der Nutzungsrechte auch an selbst generierten Inhalten gleich. Da kann man Facebook nur die Daumen drücken, dass sich die gesammelten Facebook-Geständnisse eines rechtlosen Nutzers bald zu einem Bestseller entwickeln, den man ohne Beteiligung des Urhebers gewinnbringend vermarkten könnte. Das mag nicht sehr wahrscheinlich sein - dass es laut AGB nun aber überhaupt denkbar wäre, ist schon ein ziemlich schlechter Witz.

Chef der Monopolkommission: "Ebay sollte man beobachten"

Der Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap leitet die Monopolkommission, ein unabhängiges Gremium, das die Bundesregierung bei Regulierungsfragen berät ( mehr zum Stichwort Monopolkommission bei SPIEGEL WISSEN). Angesichts dieser Funktion horcht man auf, wenn Haucap in einem Interview mit dem Blog Ruhrbarone erklärt: "Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Erfolg von Ebay."

"Inwieweit hat die Online-Börse einen Monopolcharakter und nutzt ihre Stellung in Deutschland und anderen Ländern aus?" Das knappe Zwischenfazit des Wissenschaftlers: Im professionellen Bereich sei der Konkurrenzdruck seiner Ansicht nach stark genug.

Doch: "Schwieriger wird es aber mit dem privaten Peer-to-peer-Handel. Hier ist die Position von Ebay sehr stark." Man könne vermuten, dass Ebay hier seine starke Marktstellung ausnutze. Haucap: "Erst vor kurzem hat die Online-Börse ihre Preise für den Privathandel erhöht. Das sollte man beobachten."

lis

Totale Transparenz bei Everquest

Der Sorge um den Umgang mit ihren Daten sind die Fans von Sonys Online-Rollenspiel Everquest bereits enthoben. Die japanischen Unterhaltungselektroniker stellten jetzt sämtliche Serverlogs aus vier Jahren Spielbetrieb von Everquest2 zu wissenschaftlichen Forschungszwecken zur Verfügung.

Jede Aktion, jede Handlung von mehr als 400.000 Gamern wird nun aufs Genaueste untersucht. Über das 60 TB schwere Datenpaket freuen sich Forscher aus unterschiedlichsten Disziplinen, von Psychologen bis hin zu Seuchenforschern. Denn das Material erlaubt die Überprüfung von Konzepten und Theorien zu gruppenbezogenem Handeln und der Ausbreitung von Verhaltensweisen, wie es im richtigen Leben nicht möglich wäre.

Von der Leyens Pädophilen-Sperrliste soll geheim bleiben

Familienministerin von der Leyen lässt sich von Expertenmeinungen, ihr geplanter Pädophilen-Filter fürs Internet sei untauglich, nicht beirren. Allerdings scheint sie auch nicht besonders daran interessiert zu sein, entsprechende Argumente mit Überzeugungsarbeit zu widerlegen. Lieber werden Einzelheiten unter der Decke gehalten. Dieser Eindruck kommt zumindest angesichts einiger Details im Vertrag auf, der zwischen Bundeskriminalamt (BKA) und den Internet-Service-Providern (ISPs) geschlossen werden soll. Der Entwurf wurde jetzt vom Chaos Computer Club (CCC) veröffentlicht.

Darin liest der staunende Netznutzer, die ISPs seien dazu verpflichtet, die Sperrlisten vor ihren Kunden geheimzuhalten. Womit nach Ansicht des CCC die eigentliche juristische Grundlage für die Netzzensur wegfällt. Offensichtlich sei den Regierungsverantwortlichen die Errichtung einer Zensurautomatik wichtiger als die eigentliche Bekämpfung der kriminellen Umtriebe. In der Tat wirkt das Vorgehen in Berlin nicht primär an der Strafverfolgung orientiert. Denn andernfalls würde man auch von der Einstellung speziell geschulter Polizisten und Staatsanwälte hören, von der verstärkten Verfolgung der Anbieter krimineller Inhalte ebenso wie deren "Kundschaft". Ach ja, und natürlich gilt Dienst nach Vorschrift. An Wochenenden gibt's laut Vertrag keine Sperrlisten. Dumm nur, dass Pädophile dann nicht dienstfrei haben.

Warum Google bei Projekten den Stöpsel zieht

Die Finanzkrise ist für fast alle Branchen und Unternehmen eine Gelegenheit zur Sparsamkeit. Auch beim Suchmaschinisten Google wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel, mehrere geplante und laufende Projekte fielen bereits dem Rotstift zum Opfer. Doch nach welchen Kriterien wird dabei eigentlich entschieden?

Dazu machte man sich bei der "New York Times" einige Gedanken. Natürlich sei der Erfolg beim Kunden das wichtigste. Aber auch die Begeisterung für ein Projekt im Unternehmen selbst, unter den Angestellten, spiele eine gewichtige Rolle, wie auch die potentiellen Entwicklungsmöglichkeiten. Deswegen sei zum Beispiel Dodgeball, ein handybasierter Seht-mal-wo-ich-bin-Dienst, versenkt, dafür aber Latitude herausgebracht worden. Letzteres sei wesentlich ausgefeilter, die Lokalisierung erfolge automatisch und der Service biete mehr Optionen zur Kommunikation und zum Schutz der Privatsphäre.

Schluss mit Handy-N otruf ohne Sim-Karte

Da wurde offensichtlich zu viel Unfug mit den Notrufnummern 110 und 112 getrieben. Ab sofort muss jeder telefonische Hilferuf nach Arzt oder Polizei auch Daten über den Standort des Anrufers übermitteln. So will es eine EU-Richtlinie, und die gilt seit dem Wochenende auch in Deutschland, nachdem eine entsprechende Verordnung im Bundesrat beschlossen wurde.

Ohne Sim-Karte also kein Notruf mehr. Was bedeutet, dass nun tausende Uralthandys, die zum Beispiel viele Autofahrer im Handschuhfach für alle Fälle dabeihatten, endgültig wertlos sind. Die alten Telefonknochen haben zwar schon lange keine Sim-Karte mehr, aber der kostenlose Notruf war immer noch möglich. Jetzt müssen auch Friedhöfe umrüsten, deren Verwaltungen bislang gerne Besuchern am Eingang leihweise ein altes Mobiltelefon überlassen. Damit sollte vor allem Senioren ein Stück Sicherheit geboten werden. Doch inzwischen hat sich das Handy wohl auch bei älteren Semestern genügend weit durchgesetzt.

Flugzeug verpasst? Schreien, heulen, trampeln

Schreien, trampeln, heulen, sich hinwerfen und mit den Fäusten auf den Boden trommeln: Klingt nach einem relativ friedlichen Einkaufsbummel mit Kind im Trotzalter? Falsch, hier geht es um eine Frau, die ihren Flug am Flughafen Hongkong verpasst. Bei Empfang dieser betrüblichen Nachricht bekam die gute Dame am Schalter einen veritablen Wutanfall. Ein freundlicher Zeitgenosse war so geistesgegenwärtig, die Szene aufzunehmen und bei YouTube einzustellen. So viel zum Thema Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Wer braucht noch Big Brother, wo es doch so viele nette Mitmenschen gibt.


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