Netzwelt-Ticker Facebook dementiert Master-Passwort

Mit einem Master-Passwort konnten sich Facebook-Mitarbeiter angeblich in beliebige Nutzerkonten einloggen, behauptet eine anonyme Quelle - was Facebook umgehend dementiert. Außerdem: EU-Kommissarin Reding will Datensammler bremsen, und Onliner sind ehrlich. Das und mehr im Überblick.

Sozial-Portal Facebook: Kein Zugang zu Nutzerdaten für Mitarbeiter
DPA

Sozial-Portal Facebook: Kein Zugang zu Nutzerdaten für Mitarbeiter


Wieder einmal Ärger um den Datenschutz - und wieder spielt Facebook dabei eine Rolle. Eine Angestellte der Online-Plattform gab dem Blog "The Rumpus" ein anonymes Interview und wusste Erstaunliches zu berichten. Seit dem vergangenen Frühjahr speichere Facebook alles, was der Nutzer von seinem Account aus so tue und lasse. Jeder Klick, jede Meldung, jede Nachricht, das ganze Nutzerverhalten werde gespeichert, selbst wenn der User sich schon längst von Facebook verabschiedet und sein Profil eigentlich gelöscht habe.

"Sämtliche Nachrichten, gelöscht oder nicht, sind in einer Datenbank gespeichert, die können wir einfach durchsuchen, ohne uns in den jeweiligen Account einzuloggen", so die anonyme Quelle. Als ob das noch nicht ausreichte, habe es zumindest zeitweise noch ein Master-Passwort für alle Nutzerprofile gegeben. Man musste angeblich lediglich die User-ID und das Master-Passwort eingeben, schon hätte man vollen Zugriff auf den Account gehabt. Zwar sei dieses Passwort nur wenigen Entwicklern bekannt gewesen, "aber jeder Angestellte, der wusste, wo er zu suchen hatte, konnte es finden".

Am Wahrheitsgehalt des Interviews kamen bald Zweifel auf, nicht nur bei manchen Kommentatoren im Blog, sondern auch bei "Cnet", wo jetzt das offizielle Dementi von Facebook erschien: "Dieses Interview enthält die Art von Ungenauigkeiten und Verdrehungen, wie man sie von einer 'anonymen' Quelle erwarten kann, und damit wollen wir es auch bewenden lassen", so Facebook-Sprecher Larry Yu. "The Rumpus" hingegen beharrt auf der Echtheit, Blog-Redakteur Jeremy Hatch betonte, die Echtheit des Interviews habe für ihn bereits "lange vor Veröffentlichung festgestanden. Ich hätte es nicht veröffentlicht, wenn es auch nur den leisesten Verdacht auf eine Ente gegeben hätte".

EU-Kommissarin Reding sagt Daten-Exhibitionismus den Kampf an

Auch in Europa richtet sich das Augenmerk wieder verstärkt auf den Bereich Datenschutz. Die designierte EU-Justizkommissarin Viviane Reding stellte im Rahmen einer Anhörung vor dem EU-Parlament klar, sie werde die bürgerlichen Grundrechte und den Datenschutz nicht dem Anti-Terrorkampf opfern.

Alle entsprechenden Maßnahmen, vom Swift-Bankdatenaustausch zwischen der EU und den USA bis hin zum Einsatz von Nacktscannern, würde ihre Behörde gründlich prüfen. " Ganzkörperscanner, Swift, Passagierdatenweitergabe - ich werde die Frage stellen, ist das notwendig, ist das verhältnismäßig und ist es mit der EU-Menschenrechtscharta vereinbar", zitiert "Heise" die Kommissarin. "Wir dürfen uns niemals von Furcht treiben lassen bei der Verabschiedung solcher Maßnahmen."

Gottes Segen für Blackberry & Co.

Im Laufe ihrer Geschichte haben die Kirchen so ziemlich alles gesegnet, was vor einen Weihwasserwedel passte. Natürlich auch Geräte des täglichen Lebens. Früher waren das zum Beispiel Pflüge, die englische Bauern zum "Plow Monday" zur Segnung mitbrachten. Nicht mehr zeitgemäß, befand David Parrott, Kanonikus an der Londoner St-Lawrence-Jewry-Kirche. Heutige Arbeitsgeräte seien Notebooks oder Smartphones. Was also liegt näher, als die elektronischen Helferlein in den Gottesdienst mitzubringen und segnen zu lassen?

Am Tag nach Beendigung der Unterhaltungselektronikmesse CES lud Parrott zur heiligen Handlung in seine proppevolle Kirche. Sogar Londons Bürgermeister war da und legte seinen Blackberry auf dem Altar nieder. Zur Segnung hielten alle Anwesenden ihre Gadgets hoch, während der Kanonikus sprach: "Mögen unsere Zungen sanftmütig sein, unsere E-Mails einfach und unsere Webseiten immer erreichbar." Dann wandte er sich an den Allmächtigen: "Mögen diese Telefone und Computer, Symbole all der Technik und Kommunikation in unserem Alltag, uns mit Deinem Segen daran erinnern, dass Du ein Gott bist, der mit uns kommuniziert und durch Sein Wort spricht."

Nicht alle waren vom frommen Treiben restlos begeistert. "Es war recht amüsant", erklärte eine Rentnerin der Londoner "Times". Allerdings sei sie sich nicht sicher, ob derlei Zeitvertreib seinen Platz in einem Gottesdienst habe.

Onliner sind (meistens) ehrlich

Der Branchenverband Bitkom ließ durch Forsa das Maß der Ehrlichkeit erforschen, das Online-Surfer im Netz an den Tag legen. Während fast alle Medien nun berichten, "jeder Vierte" mache im Internet falsche Angaben, wird doch eher umgekehrt ein Schuh daraus. Immerhin drei Viertel der Netzbewohner halten sich auch in der virtuellen Welt an ihren eigenen Namen.

Was eigentlich erstaunlich ist angesichts der Einfachheit, mit sich jeder online eine neue, perfekte Persönlichkeit geben kann. Denn nicht nur das Bedürfnis, schöner, klüger oder reicher zu erscheinen, als man eigentlich ist, legt die Versuchung zur Flunkerei nahe. Die Online-Maskerade dient nicht zuletzt auch dem Schutz der eigenen Privatsphäre: Bis vor wenigen Jahren gehörte es zur Netiquette, die eigene Identität im Netz zu verschleiern - jeder Jugendpolitiker und Sozialpfleger empfiehlt es aus guten Gründen, aber erfolglos bis heute seiner Klientel. Auf vielen Plattformen gehört es zudem bis heute zum guten Ton, nicht etwa Heinrich Mustermann zu heißen, sondern MusterMän2000.

Das sieht dann auch Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer nicht anders. "In erster Linie sind Falschangaben eine Abwehrreaktion gegenüber den zahlreichen Datenabfragen im Internet", so der Verbandsmann zu "Zdnet". Das gelte für mehr als die Hälfte der Schummler. Aber jeder sechste Netzlügner will online einfach nur mal einen draufmachen und sich "ohne negative Folgen ausleben".

Twitter als Wetter-Radar

Zahllose Wetterstationen überziehen das Land und versorgen Regen- und Gewitterjunkies mit regelmäßigen News und Schaubildern zum Wettergeschehen. Doch die Zahl der Messstationen verblasst vor der Menge der Menschen mit Internetanschluss, die twittern.

Da die Leute dem Zwitscherdienst alles und jedes anvertrauen, schreiben sie natürlich auch über das Wetter. Was den Schüler Merten Peetz aus Eckernförde auf die Idee brachte, eine twittergesteuerte Schneekarte zu entwickeln. Dazu werden einfach sämtliche Tweets gesammelt, die das Wort "schneit" und einen deutschen Geotag enthalten. So entsteht eine stets aktuelle Schneekarte, die verrät, wo es gerade vom Himmel flockt.

"Auf die Idee bin ich bei der Medienberichterstattung über das Sturmtief 'Daisy' gekommen", zitiert "Onlinekosten.de" den Nachwuchs-Programmierer. "Ich dachte mir, dass sich die aktuelle Wetterlage an den Tweets ablesen lassen muss."

So einfach also lassen sich Belanglosigkeiten wie "schneit in Pusemuckel" in relativ relevante Informationen transformieren.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
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EnigmaElias 14.01.2010
1. Masterpasswörter existieren....
Selbstverständlich wird es eine Art Masterpasswort geben üblicherweise wird man das nicht wie üblich einsetzen können (bzw. sollte/dürfte so aus Sicherheitsgründen nicht sein), sondern man muss sich als Admin einlogen der dann eine erweiterte Funktionalität besitzt und nur von dieser Adminkonsole sollte das Masterpasswort funktionieren.
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