Netzwelt-Ticker: Facebook erkennt jetzt Ihr Gesicht

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Facebook erkennt jetzt, wer auf einem Foto abgebildet ist und ruft seine Freunde zum Beschriften des Bildes auf. Außerdem im Überblick: IPv6 eröffnet Hackern neue Angriffs-Chancen, es gibt weitere Hack-Attacken gegen Google und Sony - und hat das FBI den IT-Untergrund unterwandert?

Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook: Sieben Klicks zum Opt-Out Zur Großansicht

Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook: Sieben Klicks zum Opt-Out

Es ist soweit: Die bereits im vergangenen Dezember angekündigte Gesichtserkennung für bei Facebook hochgeladene Fotos erreicht jetzt die breite Masse der Nutzer. Allerdings zunächst weitgehend unbemerkt, denn wie üblich setzt Facebook seine Mitglieder nicht gezielt über die Änderung in Kenntnis.

Die Gesichtserkennung funktioniert so: Eine Software soll erkennen können, wer auf ins Netzwerk hochgeladenen Fotos abgebildet ist und entsprechende Vorschläge zum "taggen" der Bilder machen. "Wenn Sie Bilder von der Hochzeit Ihres Cousins hochladen, werden wir Fotos von der Braut gruppieren und ihren Namen vorschlagen", erklärte ein Facebook-Programmierer bei der offiziellen Produktvorstellung in einen Blogeintrag. Facebook versieht also Bilder nicht selbsttätig mit entsprechenden Beschriftungen, sondern fordert die Netzwerk-Kontakte des jeweils Abgebildeten auf, das zu tun (und macht dazu einen konkreten Vorschlag, auf der Basis der bereits in seiner Datenbank vorhandenen Bilder und Beschriftungen).

Zunächst bekamen nur fünf Prozent der US-Nutzer von Facebook die Möglichkeit, das System auszuprobieren, jetzt scheint es flächendeckend zum Einsatz zu kommen.

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4  Bilder
Anleitung: Wie man der Gesichtsmarkierung entgeht
Man kann die Funktion auch abschalten: Wer nicht automatisch vom Algorithmus identifiziert werden will, muss unter Konto -> Privatsphäre-Einstellungen -> Benutzerdefinierte Einstellungen beim Unterpunkt "Freunden Fotos von mir vorschlagen" die Einstellung auf "gesperrt" ändern. Standardmäßig ist die Gesichtserkennung aktiviert.

Facebook erlaubt es auch, einmal vergebene Tags, die gleichzeitig ein Link zum eigenen Facebook-Profil sind, mit einem Klick zu entfernen. Wer will, dass ein Foto, das ihn zeigt, vollständig entfernt wird, muss das aber mit der Person ausmachen, die es dort abgelegt hat. Löschen kann man bei Facebook nur Bilder, die man selbst hochgeladen hat. (cis)

Hackerangst am Welt-IPv6-Tag

Morgen ist Welt- IPv6-Tag. Über 400 große Websites, darunter Google, Facebook, Yahoo und Bing, schalten testweise für 24 Stunden auf das neue Internet-Protokoll um. IPv6 soll unter anderem die IT-Sicherheit steigern und die IP-Adressen-Armut lindern. Geht alles gut, merkt der Surfer von der Umstellung nicht viel.

Aber schon warnen Sicherheitsexperten, dass Hacker und andere Internet-Krawallos einen Strich durch die schöne Rechnung machen und die Umstellung für Web-Angriffe missbrauchen könnten.

Schuld daran seien zwei IPv6-Eigenschaften, erklärt Ron Meyran, Marketing- und Securitychef der israelischen Netzwerk-Firma Radware, der Computerworld:

  • Kein Paketfilter ("Deep Packet Inspection") hält derzeit schädlichen IPv6-Datenverkehr auf; gefährliche Datenpakete können deswegen unentdeckt in Firmennetze und Server eindringen.
  • IPv6-Datenpakete haben einen vier Mal so großen Datenkopf, weswegen Router, Firewalls und andere Netzwerk-Geräte viel mehr Daten verarbeiten müssen und deswegen viel anfälliger gegen Überlastungsangriffe ("Distributed Denial of Service, DDoS") seien.

Das größte Risiko aber dürfte die Unerfahrenheit mit dem neuen Protokoll sein: die Internet-Firmen hätten schlicht keine Ahnung, was genau auf sie zukommen könnte.

"People's Daily": Harsche Reaktion auf Hacking-Vorwürfe

Google sei zu einem "politisches Werkzeug" verkommen, um die chinesische Regierung zu verunglimpfen, schimpft laut Reuters die Überseeausgabe der chinesischen Volkszeitung "People's Daily". Der Grund: Google hatte erklärt, dass die Hack-Angriffe auf Google-Mail-Konten - darunter im Exil lebende chinesische Menschenrechtsaktivisten - von chinesischen Netzen aus durchgeführt wurden.

Mit solchen Ausführungen "befördere Google bewusst negative westliche Vorurteile", heißt es im eher unbedeutenden Übersee-Ableger der staatlichen "People's Daily". Sie verstehe Googles Erklärungen als Anspielung darauf, dass die chinesische Regierung hinter den Hack-Angriffen stecke.

Das chinesische Außenministerium hat Vorwürfe, diese und vergangene Hacks seien staatlich legitimiert gewesen, stets von sich gewiesen. Die "People's Daily" ergänzt das Dementi nun um eine Drohung: Sollte Google dieses gefährliche politische Spiel nicht beenden, müsse der Internet-Konzern mit wirtschaftlichen Folgen rechnen.

Noch ein Angriff auf Google-Mail-Konten

Und die Angriffe auf Google Mail reißen nicht ab. Jetzt hat Software-Hersteller Adobe eingeräumt, dass die am Sonntag enthüllte Sicherheitslücke im Flash Player bereits von Datendieben missbraucht würde, um Zugangsdaten für Google-Mail-Kunden abzufischen.

Es seien Mails im Umlauf, die versuchen, ihren Empfänger zu einem gefährlichen Klick zu verleiten - ein Link, der auf eine Phishing-Seite führt, die Google-Mail-Zugangsdaten abfangen kann.

Schutz davor bieten drei Maßnahmen:

Hack-Angriffe auf Sony: LulzSec tat's schon wieder

Die LulzSec-Hacker dringen weiter in Sony-Computersysteme ein. Jetzt hat die neue Hacker-Gruppe Quellcode des Sony Computer Entertainment Developer Network (Scedev.net) veröffentlicht, über das Entwickler von Sony-Software Zugang zu Programmier-Hilfen, -Anleitungen und -Werkzeugen erlangen können. Dies ist - nach Zählung von LulzSec - bereits der 17 Hackangriff in kurzer Abfolge gegen Sony.

Die Hacker feiern sich selbst in großmäuligen Ansagen via Twitter, wehren sich gegen Meldungen, eines ihrer Mitglieder sei mittlerweile festgenommen worden und rechnen mit einem angeblichen "Verräter" ab, der Chat-Mitschnitte veröffentlicht haben soll.

Aber ist das immer noch eine Bestrafungsaktion gegen Sonys harsches Vorgehen gegen den PS3-Hacker George Hotz, eine Kriegserklärung an die Nato und die amerikanischen Behörden, die die Internet-Bewegung Anonymous zum Feind erhob, eine Folge des Anonymous-Aufrufs "Operation Sony" und damit eine Form des Protests? Oder ist das längst nur noch selbstgerechter Vandalismus und Größenwahn?

Klar ist: Der größte Feind dieser Hacker kommt nicht von außen, sondern von innen. Streit über die moralische Integrität und Ziele der Bewegung - und Paranoia: Wer gehört zu uns, wer zum Feind?

Hat das FBI den IT-Untergrund unterwandert?

Denn längst grassiert die Paranoia, sicherlich nicht zuletzt wegen all der Enthüllungen über die Cyberwar-Machenschaften etwa des FBI. Und so steigt auch der "Guardian" in die Sommerloch/Sicherheitsloch/Sonnenstich-Diskussion ein: Das FBI habe den IT-Untergrund unterwandert, ein Viertel aller Hacker seien bezahlte Informanten, die mit der Androhung von langjährigen Gefängnisstrafen zur Zusammenarbeit gezwungen worden seien.

Diese Zahl allerdings ist nur eine Schätzung von Eric Corley, Herausgebers des Untergrund-Magazins "2600". Man sollte sie also, wenn überhaupt, mit Vorsicht genießen.

Doch eine gewisse Unterwanderung dürfte niemanden verwundern: Viele Hacker berichten anekdotisch von der Kontaktaufnahme von Sicherheitsorganen; es erscheint nur plausibel, dass die anonymen Untergrund-Foren von Sicherheitsbeamten (und IT-Unternehmen und Journalisten) beobachtet werden.

E-Mail-Etikette: Höflichkeit durch Wissen

Höflichkeit gründet auf dem Wissen über die Bedürfnisse des Anderen. Dass diese Regel auch auf E-Mails anwendbar ist, demonstriert Georgia-Tech-Professor Eric Gilbert mit seinem tollen Etiketten-Dienst Courteous.ly. Dieser zeigt einem Mail-Verfasser ganz einfach an, wie ausgelastet der potentielle Empfänger gerade mit E-Mails ist. Je ausgelasteter der Andere ist, so die Höflichkeitsregel, desto weniger sollte ich ihn mit weiteren Mails belasten. Wie das genau funktioniert, zeigt das Video:

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Frei erfunden?
Spiegeluniversum 07.06.2011
Zitat von sysopFacebook erkennt jetzt, wer auf einem Foto abgebildet ist und ruft seine Freunde zum Beschriften des Bildes auf. Außerdem im Überblick: IPv6*eröffnet Hackern neue Angriffs-Chancen, es gibt*weitere Hack-Attacken gegen Google und Sony - und hat das FBI IT-Untergrund unterwandert? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,767091,00.html
In dem zitierten Artikel (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,746969,00.html) steht überhaupt nichts von Paranoia unter Hackergemeinden. Stimmt. LulzSec veröffentlichte eine Email eines Sicherheitsunternehmers, der LulzSec bat, gegen seine Konkurrenten vorzugehen.
2. Facebook?
bluearoma 08.06.2011
noch ein Grund mehr da nichts reinzustellen..
3. Facebook
tubaner 08.06.2011
---Zitat--- Man kann die Funktion auch abschalten: Wer nicht automatisch vom Algorithmus identifiziert werden will, muss unter Konto -> Privatsphäre-Einstellungen -> Benutzerdefinierte Einstellungen beim Unterpunkt "Freunden Fotos von mir vorschlagen" die Einstellung auf "gesperrt" ändern. ---Zitatende--- Man sollte vielleicht dazu sagen, dass die Gesichtserkennung dadurch nicht deaktiviert wird, sondern es wird nur meinen Freunden nicht vorgeschlagen mich zu markieren. Denn bevor der Algorithmus ein Bild analysiert hat, hat Facebook ja keine Ahnung wer da drauf ist, und kann folglich gar nicht wissen wessen Privatsphäre-Einstellung beachtet werden sollen. Von daher müssen erst einmal _sämtliche_ Bilder analysiert werden.
4. *
champagnero 08.06.2011
Zitat von tubanerMan sollte vielleicht dazu sagen, dass die Gesichtserkennung dadurch nicht deaktiviert wird, sondern es wird nur meinen Freunden nicht vorgeschlagen mich zu markieren. Denn bevor der Algorithmus ein Bild analysiert hat, hat Facebook ja keine Ahnung wer da drauf ist, und kann folglich gar nicht wissen wessen Privatsphäre-Einstellung beachtet werden sollen. Von daher müssen erst einmal _sämtliche_ Bilder analysiert werden.
Kann so sein. Muss aber nicht. Es könnte genausogut sein, dass - mein - "Gesichtsdatensatz" geflagged wird und ich dann gar nicht mehr bei der Analyse einbezogen werde und somit die Gesichtserkennung für mich deaktiviert ist.
5. .
tubaner 08.06.2011
Zitat von champagneroKann so sein. Muss aber nicht. Es könnte genausogut sein, dass - mein - "Gesichtsdatensatz" geflagged wird und ich dann gar nicht mehr bei der Analyse einbezogen werde und somit die Gesichtserkennung für mich deaktiviert ist.
Stimmt, so könnte man es auch umsetzen, und möglich ist es auch dass Facebook es so gemacht. Nur die Formulierung "Freunden Fotos von mir vorschlagen" in den Privatsphäre-Einstellungen klingt für mich so, als ob man wirklich nur das Vorschlagen abstellen kann.
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Zum Autor
Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Die Hackergruppe LulzSec
Das nach eigenen Angaben kleine Hackerkollektiv LulzSec hat sich auf das Aufspüren und Ausnutzen von Sicherheitslücken spezialisiert. Ziele waren unter anderem Sony, Nintendo, die Nachrichtenseite PBS und der Cyber-Sicherheitsverband InfraGard. LulzSec steht für "Laughing at your security". Die "Lulz", der Spaß am Unsinn, sind eine Erfindung aus dem Anarcho-Bilderforum 4Chan, in dessen Umfeld auch die lose organisierte Spaßguerilla Anonymous entstanden ist. Der Werbespruch im Twitter-Profil von LulzSec lautet: "Weltmarktführer in Sachen Spitzenunterhaltung auf Eure Kosten."
Was sind IP-Adressen?
Die sogenannten IP-Adressen im Internet bestehen - noch - aus bis zu 12 Ziffern. Sie stecken unter anderem hinter den gut merkbaren Internetadressen mit Endungen wie .de oder .com. Aber auch jeder Computer und jedes Handy, dass sich mit dem Internet verbindet, bekommt eine solche Adressnummer zugewiesen. Weil sämtliche verfügbaren Zahlenkombinationen aufgeteilt sind, wird das Adressystem in den kommmenden Jahren umgestellt.


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