Von Felix Knoke
Es ist soweit: Die bereits im vergangenen Dezember angekündigte Gesichtserkennung für bei Facebook hochgeladene Fotos erreicht jetzt die breite Masse der Nutzer. Allerdings zunächst weitgehend unbemerkt, denn wie üblich setzt Facebook seine Mitglieder nicht gezielt über die Änderung in Kenntnis.
Die Gesichtserkennung funktioniert so: Eine Software soll erkennen können, wer auf ins Netzwerk hochgeladenen Fotos abgebildet ist und entsprechende Vorschläge zum "taggen" der Bilder machen. "Wenn Sie Bilder von der Hochzeit Ihres Cousins hochladen, werden wir Fotos von der Braut gruppieren und ihren Namen vorschlagen", erklärte ein Facebook-Programmierer bei der offiziellen Produktvorstellung in einen Blogeintrag. Facebook versieht also Bilder nicht selbsttätig mit entsprechenden Beschriftungen, sondern fordert die Netzwerk-Kontakte des jeweils Abgebildeten auf, das zu tun (und macht dazu einen konkreten Vorschlag, auf der Basis der bereits in seiner Datenbank vorhandenen Bilder und Beschriftungen).
Zunächst bekamen nur fünf Prozent der US-Nutzer von Facebook die Möglichkeit, das System auszuprobieren, jetzt scheint es flächendeckend zum Einsatz zu kommen.
Facebook erlaubt es auch, einmal vergebene Tags, die gleichzeitig ein Link zum eigenen Facebook-Profil sind, mit einem Klick zu entfernen. Wer will, dass ein Foto, das ihn zeigt, vollständig entfernt wird, muss das aber mit der Person ausmachen, die es dort abgelegt hat. Löschen kann man bei Facebook nur Bilder, die man selbst hochgeladen hat. (cis)
Hackerangst am Welt-IPv6-Tag
Morgen ist Welt- IPv6-Tag. Über 400 große Websites, darunter Google, Facebook, Yahoo und Bing, schalten testweise für 24 Stunden auf das neue Internet-Protokoll um. IPv6 soll unter anderem die IT-Sicherheit steigern und die IP-Adressen-Armut lindern. Geht alles gut, merkt der Surfer von der Umstellung nicht viel.
Aber schon warnen Sicherheitsexperten, dass Hacker und andere Internet-Krawallos einen Strich durch die schöne Rechnung machen und die Umstellung für Web-Angriffe missbrauchen könnten.
Schuld daran seien zwei IPv6-Eigenschaften, erklärt Ron Meyran, Marketing- und Securitychef der israelischen Netzwerk-Firma Radware, der Computerworld:
Das größte Risiko aber dürfte die Unerfahrenheit mit dem neuen Protokoll sein: die Internet-Firmen hätten schlicht keine Ahnung, was genau auf sie zukommen könnte.
"People's Daily": Harsche Reaktion auf Hacking-Vorwürfe
Google sei zu einem "politisches Werkzeug" verkommen, um die chinesische Regierung zu verunglimpfen, schimpft laut Reuters die Überseeausgabe der chinesischen Volkszeitung "People's Daily". Der Grund: Google hatte erklärt, dass die Hack-Angriffe auf Google-Mail-Konten - darunter im Exil lebende chinesische Menschenrechtsaktivisten - von chinesischen Netzen aus durchgeführt wurden.
Mit solchen Ausführungen "befördere Google bewusst negative westliche Vorurteile", heißt es im eher unbedeutenden Übersee-Ableger der staatlichen "People's Daily". Sie verstehe Googles Erklärungen als Anspielung darauf, dass die chinesische Regierung hinter den Hack-Angriffen stecke.
Das chinesische Außenministerium hat Vorwürfe, diese und vergangene Hacks seien staatlich legitimiert gewesen, stets von sich gewiesen. Die "People's Daily" ergänzt das Dementi nun um eine Drohung: Sollte Google dieses gefährliche politische Spiel nicht beenden, müsse der Internet-Konzern mit wirtschaftlichen Folgen rechnen.
Noch ein Angriff auf Google-Mail-Konten
Und die Angriffe auf Google Mail reißen nicht ab. Jetzt hat Software-Hersteller Adobe eingeräumt, dass die am Sonntag enthüllte Sicherheitslücke im Flash Player bereits von Datendieben missbraucht würde, um Zugangsdaten für Google-Mail-Kunden abzufischen.
Es seien Mails im Umlauf, die versuchen, ihren Empfänger zu einem gefährlichen Klick zu verleiten - ein Link, der auf eine Phishing-Seite führt, die Google-Mail-Zugangsdaten abfangen kann.
Schutz davor bieten drei Maßnahmen:
Hack-Angriffe auf Sony: LulzSec tat's schon wieder
Die LulzSec-Hacker dringen weiter in Sony-Computersysteme ein. Jetzt hat die neue Hacker-Gruppe Quellcode des Sony Computer Entertainment Developer Network (Scedev.net) veröffentlicht, über das Entwickler von Sony-Software Zugang zu Programmier-Hilfen, -Anleitungen und -Werkzeugen erlangen können. Dies ist - nach Zählung von LulzSec - bereits der 17 Hackangriff in kurzer Abfolge gegen Sony.
Die Hacker feiern sich selbst in großmäuligen Ansagen via Twitter, wehren sich gegen Meldungen, eines ihrer Mitglieder sei mittlerweile festgenommen worden und rechnen mit einem angeblichen "Verräter" ab, der Chat-Mitschnitte veröffentlicht haben soll.
Aber ist das immer noch eine Bestrafungsaktion gegen Sonys harsches Vorgehen gegen den PS3-Hacker George Hotz, eine Kriegserklärung an die Nato und die amerikanischen Behörden, die die Internet-Bewegung Anonymous zum Feind erhob, eine Folge des Anonymous-Aufrufs "Operation Sony" und damit eine Form des Protests? Oder ist das längst nur noch selbstgerechter Vandalismus und Größenwahn?
Klar ist: Der größte Feind dieser Hacker kommt nicht von außen, sondern von innen. Streit über die moralische Integrität und Ziele der Bewegung - und Paranoia: Wer gehört zu uns, wer zum Feind?
Hat das FBI den IT-Untergrund unterwandert?
Denn längst grassiert die Paranoia, sicherlich nicht zuletzt wegen all der Enthüllungen über die Cyberwar-Machenschaften etwa des FBI. Und so steigt auch der "Guardian" in die Sommerloch/Sicherheitsloch/Sonnenstich-Diskussion ein: Das FBI habe den IT-Untergrund unterwandert, ein Viertel aller Hacker seien bezahlte Informanten, die mit der Androhung von langjährigen Gefängnisstrafen zur Zusammenarbeit gezwungen worden seien.
Diese Zahl allerdings ist nur eine Schätzung von Eric Corley, Herausgebers des Untergrund-Magazins "2600". Man sollte sie also, wenn überhaupt, mit Vorsicht genießen.
Doch eine gewisse Unterwanderung dürfte niemanden verwundern: Viele Hacker berichten anekdotisch von der Kontaktaufnahme von Sicherheitsorganen; es erscheint nur plausibel, dass die anonymen Untergrund-Foren von Sicherheitsbeamten (und IT-Unternehmen und Journalisten) beobachtet werden.
E-Mail-Etikette: Höflichkeit durch Wissen
Höflichkeit gründet auf dem Wissen über die Bedürfnisse des Anderen. Dass diese Regel auch auf E-Mails anwendbar ist, demonstriert Georgia-Tech-Professor Eric Gilbert mit seinem tollen Etiketten-Dienst Courteous.ly. Dieser zeigt einem Mail-Verfasser ganz einfach an, wie ausgelastet der potentielle Empfänger gerade mit E-Mails ist. Je ausgelasteter der Andere ist, so die Höflichkeitsregel, desto weniger sollte ich ihn mit weiteren Mails belasten. Wie das genau funktioniert, zeigt das Video:
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