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Netzwelt-Ticker: Facebook klagt 675 Millionen Euro von Spammer ein

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Ein kanadischer Spam-Versender muss Facebook 675 Millionen Euro Schadensersatz zahlen, weil er angeblich über gekaperte Mitgliederkonten Werbepost verschickt hat. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Buchhändler verlangen Netzsperren für Raubkopierer und Microsoft untersucht die Cyberchondrie.

Facebook ist ein mächtiger Schlag gegen Spammer gelungen: Ein kalifornisches Gericht verurteilte einen kanadischen Mann samt seiner Firma Atlantis Blue Capital zu einer Entschädigungszahlung von umgerechnet 675 Millionen Euro an das Internet-Unternehmen aus Palo Alto. Dem Mann wird laut "LA Times"-Blog zur Last gelegt, Zugangsdaten von Nutzern des sozialen Netzwerks ergaunert zu haben, um über deren Profile seine Spam-Nachrichten millionenfach abzusetzen. Der Beschuldigte erschien nicht zur Verhandlung.

Facebook feiert die Verurteilung, bleibt aber realistisch: Von den vielen Entschädigungsmillionen wird das Internet-Unternehmen nur wenig sehen. Trotzdem stelle die immense Summe ein "mächtiges Abschreckungsmittel" dar, immerhin ist es die größte Entschädigungszahlung, die anhand des CAN-SPAM-Gesetzes (Controlling the Assault of Non-Solicited Pornography and Marketing Act) einem Unternehmen zugesprochen wurde.

Dieses Urteil ist nicht die erste Mega-Schlappe für Spammer. Erst im Mai dieses Jahres verurteilte ein US-Bundesgericht zwei der prominentesten Spam-Versender Amerikas zu der - damaligen - Rekordsumme von 149 Millionen Euro.

Facebook: Das Weltnetz
Mitglieder
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).
Plattform
Seit Mai 2007 können externe Entwickler auf Nutzerdaten zugreifen, wenn die Facebook-Mitglieder dem zustimmen. Seit die Plattform für externe Entwickler geöffnet wurde, wächst das Angebot des einstigen Studentennetzwerk rasant – die Nutzer können aus mehreren tausend kostenloser Anwendungen wählen – Spielen, Fotoverwaltern, Programmen zum Abgleich von Lese-, Film- und Musikvorlieben zum Beispiel.
"Mir gefällt das"
Facebook überall: Die "Mir gefällt das"-Funktion können Website-Betreiber auf ihren eigenen Seiten einbauen. Mit einem Klick teilen Facebook-Nutzer ihren Freunden mit, was ihnen gefällt. Im Gegenzug kann Facebook Werbung gezielter schalten - und weiß, welche Seiten die Mitglieder ansurfen.
Geschäft
Der Umsatz von Facebook lag 2009 schätzungsweise bei 800 Millionen Dollar. Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im November 2007 bei einer Präsentation in New York 250 Werbekunden ein "Interface, um Erkenntnisse über die Facebook-Aktivitäten von Mitgliedern zu sammeln, die fürs Marketing relevant sind", versprach, brach ein Proteststurm los.
Firmenwert
Facebook hat Google 2010 als meistbesuchte Website in den USA überholt. Anfang 2011 investierten die US-Großbank Goldman Sachs und die russische Beteiligungsgruppe Digital Sky Technologies 500 Millionen Dollar in das US-Unternehmen. Der Wert des Netzwerks klettert auf 50 Milliarden Dollar.
Hollywood
Der Film zum Phänomen: Die Gründungsgeschichte von Facebook wurde 2010 von David Fincher mit Jesse Eisenberg in der Hauptrolle verfilmt. "The Social Network" zeigt Zuckerberg als soziopathischen Nerd, der Facebook aus enttäuschter Liebe gründet.

Microsoft untersucht Wurzeln der Cyberchondrie

Ein bisschen Kopfweh, ein bisschen Schwindel, das Pulsieren im kleinen Finger - die Google-Diagnose ist klar: Hirntumor. Wer Doktor Google bei der Diagnose von Krankheiten vertraut, sich mit jedem Klick kranker und kranker fühlt, der leidet vielleicht an Cyberchondrie, der elektrischen Schwester der Hypochondrie.

Microsoft hat sich des Problems angenommen und nun am Montag eine Studie zur Metakrankheit veröffentlicht. Die Forscher untersuchten Internet-Suchanfragen zum Thema Gesundheit und befragten Microsoft-Angestellte. Ein Ergebnis: Die Selbstdiagnose im Netz führt unweigerlich zum (imaginierten) Qualtod. Wer nach seinen Symptomen googelt, dessen Ängste eskalieren, dessen Suchanfragen verschärfen sich, der wird auch nach der Web-Suche noch von Ängsten um seine Gesundheit geplagt.

Die Microsoft-Forscher versuchen anhand ihrer Untersuchungsergebnisse nun, Suchmaschinen zu optimieren, die besser auf die Bedürfnisse ihrer kränkelnden Nutzer eingehen - zum Beispiel, indem sie angemessene Diagnosen für angemessene Krankheiten geben. Fieber statt Tumor, Kater statt Phantasien vom dräuenden Lebensende.

Chaos aus dem Zufallslaser

Große Sicherheit kommt mit großem Chaos - das weiß jeder, der auf seinem unaufgeräumten Schreibtisch einmal nach seiner Kreditkarte suchte. Sicherheitsexperten schätzen schon seit langem die verschlüsselnde Kraft der Zufallszahl. Allein: Wie generiert man große, sehr große Mengen von Zufallszahlen?

Bisher mussten Verschlüsselungsalgorithmen auf Pseudozufallsgeneratoren zurückgreifen, die Zahlen ausgaben, die zufällig "aussahen", aber es eben nicht sind. Ein Einfallstor für Angreifer. Ars Technica erklärt, wie es besser geht: Mit chaotischen Laser-Oszillatoren. Einem Forscher gelang es mit derartig zitterndem Licht, einen "zufälligen" Strang von Nullen und Einsen zu generieren, 1,7 GB pro Sekunde; eine Größenordnung über dem, was andere, echte Zufallsgeneratoren bislang zu erwürfeln fähig sind.

Bücherhändler für ein "zivilisiertes Internet"

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels freut sich über die Ablehnung eines Antrags der Bundestagsfraktion der Grünen. Die wollten bei den anstehenden Verhandlungen zu Richtlinien im Bereich Telekommunikation im Rat der Europäischen Union Urheberrechtsfragen ausschließen. Damit sollte der Versuch vereitelt werden, das französische Modell der "abgestuften Antwort" über eine EU-Richtlinie einzuführen. Dieser Three-Strikes-Ansatz kappt Filesharern nach drei Warnungen den Internet-Zugang.

Mit der Ablehnung des Grünen-Antrags, so Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sei nun der Weg frei für ein "zivilisiertes Internet". Dabei ginge es gar nicht um die Kriminalisierung von Internet-Nutzern. Im Gegenteil, mit dem Three-Strikes-Ansatz verhindere man sogar diese Kriminalisierung. Heise.de nimmt dieses Argument auseinander: Entkriminalisierung nur über eine Herausnahme der Strafbarkeit von Up- und Download. Skipis zu Heise: Nicht mit uns.

Verlag verdoppelt digitalen Buchkatalog

Während sich der Börsenverein der Deutschen Buchhändler gegen ein freies Internet stemmt, nutzt der amerikanische Buchverlag Random House die explodierenden Verkaufszahlen von eBooks und verdoppelt seinen Katalog digitaler Bücher. Statt bislang 8000 werde man innerhalb der nächsten Monate 15.000 Bücher zum Download anbieten.

Auch wenn der Markt für elektronische Bücher laut Random-House-Vizepräsident Matt Shatz "im dreistelligen Prozentbereich" gewachsen sei - wohl vor allem wegen des erfolgreichen Amazon-eBook-Readers Kindle - macht der elektronische Verkauf von Büchern höchstens ein Prozent des gesamten Buchmarktes aus.

Apropos: Produkte, die die Welt nicht braucht

Kein Aprilscherz: Das "Mo 1" ist ein Handy für Kleinstkinder. Auf das Töchterlein Papa auch im Büro ein herzliches "Dada!" übermitteln kann, wenn man sich schon sonst nie sieht
AP

Kein Aprilscherz: Das "Mo 1" ist ein Handy für Kleinstkinder. Auf das Töchterlein Papa auch im Büro ein herzliches "Dada!" übermitteln kann, wenn man sich schon sonst nie sieht

Leider gibt es bisher nicht die Möglichkeit, Kindern direkt nach der Geburt ein Mobiltelefon in den Kiefer zu implantieren. Folglich muss man ein paar Jahre warten, bis man den Nachwuchs "always on" bekommt. Immerhin verschiebt das "Mo 1", das ein spanischer Spielzeugentwickler jetzt in Tokio vorstellte, das Einstiegsalter merklich nach unten.

Denn das knallbunte Handy ist ganz und gar auf die Fähigkeiten wie Limitierungen von Kleinkindern abgestimmt. Es solle, meint der Hersteller, die Kommunikation zwischen Kindern und Eltern erleichtern.

Kleiner Tipp: Kleinkinder brauchen kein Handy, sondern eine Hand. Es gibt Technik, die sollte man sich sparen.

pat

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