Netzwelt-Ticker Facebook macht Chronik verbindlich

Im Dezember eingeführt, wird Facebooks Einheits-Feature Timeline/Chronik bald für alle Mitglieder des Netzwerks verpflichtend. Nutzer sollten ihre Privatsphäre-Einstellungen überprüfen. Außerdem im Überblick: Eine Handy-App soll Falschgeld erkennen, US-Richter ordnet Notebook-Entschlüsselung an.

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Mark Zuckerberg bei Timeline-Vorstellung: "Ganze Lebensgeschichte auf einer Seite"
AFP

Mark Zuckerberg bei Timeline-Vorstellung: "Ganze Lebensgeschichte auf einer Seite"


Alles, was ein Facebook-Nutzer erlebt, schreibt, fotografiert, wird demnächst in der Timeline, hierzulande Chronik genannt, zusammengefasst und präsentiert. Mitte Dezember begann das weltgrößte Social Network mit der Einführung des neuen Service. Das Feature traf auf ein geteiltes Echo. Netzwerk-Chef Mark Zuckerberg schwärmte: "So erzählt man seine ganze Lebensgeschichte auf einer einzigen Seite." Kritiker bemängelten die komplizierte Handhabung, die es noch schwieriger mache, die Privatsphäre der einzelnen Nutzer weiter zu gewährleisten.

Während die Timeline, in Deutschland Chronik genannt, bislang nur in einer Testphase lief, hat Facebook nun still und leise angekündigt, "in den nächsten Wochen" würde die Profilfunktion jedem Nutzer zur Verfügung gestellt. Diese Änderung könnte vor allem für solche Nutzer problematisch werden, die ihr Profil nur sporadisch besuchen und aktualisieren. Denn nach Einführung der neuen Prozedur bleiben nur sieben Tage Zeit, um die entsprechenden Einstellungen vorzunehmen. Ansonsten könnten alte, eigentlich vertraulich eingestufte Inhalte plötzlich aller Welt präsentiert werden.

Manche Beobachter geben sich ob der schnellen Timeline-Einführung überrascht, andere erklären die Änderungen mit dem bevorstehenden Börsengang Facebooks. Mit dem vereinheitlichten Datenpool, den die Nutzer mit neuen Apps rund um die Uhr mit weiteren Inhalten füllen, würden sich für gezielte, personalisierte Werbung ganz neue Möglichkeiten eröffnen.

US-Richter stuft Notebook-Entschlüsselung als rechtmäßig ein

Die amerikanische Verfassung schützt jeden US-Bürger davor, sich in einem Verfahren selbst belasten zu müssen. Nun hat ein Bundesrichter aus dem Bundesstaat Colorado entschieden, Besitzer von verschlüsselten Daten, zum Beispiel auf einer Notebook-Festplatte, könnten auf richterliche Anordnung zu ihrer Entschlüsselung gezwungen werden. Der 5. Zusatzartikel der US-Verfassung und sein Auskunftsverweigerungsrecht würden in Fall von Notebook-Daten nicht zum Tragen kommen. Vielmehr zog der Richter ein Gesetz von 1789 heran, mit bislang auch schon Telefonüberwachungen begründet wurden, berichtet "Cnet".

Die Besitzerin des Klapprechners sieht sich einer Anklage wegen Immobilienbetrugs gegenüber. Sie hatte sich bis jetzt geweigert, die Daten zu entschlüsseln, die sich auf einem während einer Hausdurchsuchung unter ihrem Bett gefundenen und beschlagnahmten Laptop befinden. Ihr Anwalt will beim Berufungsgericht Einspruch gegen die Entscheidung einlegen.

Burger-Kampagne auf Twitter kommt anders an als gedacht

McDonald's - ich liebe es doch nicht. Das ist das Ergebnis einer ganz anders gedachten Twitter-Kampagne, mit der sich das Unternehmen für die computeraffine Generation hübsch machen wollte. Unter den Hashtags #MeetTheFarmers und #McDStories wurden fröhliche Geschichtchen über Zulieferer des Klopsebraters und ihre Produkte unters Volk gebracht. Was McDonald's bald bereuen sollte, denn einen Hashtag kann jedermann verwenden. Binnen kurzem erschienen reihenweise Tweets, die von Ekelerlebnissen beim Besuch der Schnellrestaurants berichteten. Von Fingernägeln in den Pommes bis zu ausgebissenen Zähnen reichten die oft nicht sehr erbaulichen Tweets. McDonald's' Social-Media-Chef bekannte in einem Interview mit PaidContent.org zerknirscht: "Innerhalb einer Stunde wussten wir, dass es nicht so wie geplant lief."

Auch das noch:

  • Handy-App erkennt Falschgeld. Techniker der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Detmold haben eine Smartphone-App entwickelt, die schnell und unkompliziert Blüten entlarven soll. Mittels Bildverarbeitung und Musterkennung seien auch 08/15-Kameras am Handy in der Lage, Fälschungen zu erkennen, selbst bei Fremdwährungen. Die App soll in Kürze für jeden nutzbar sein.
  • Jailbreak für iPad 2 und iPhone 4S wird zum Volkssport. Erst vor ein paar Tagen, am letzten Freitag, wurde ein sogenannter untethered Jailbreak für das iPhone 4S und das iPad 2 veröffentlicht, doch schon jetzt wurden über eine Million Geräte mit dem "Absinthe"-Jailbreak aufgeschlossen. Das Entwicklerteam Chronic Dev teilte mit, dass darunter fast 500.000 iPhones gewesen seien.
  • Urteil erlaubt auch virtuelle Mitgliederversammlung im Chatraum. Das OLG Hamm hat anders als die Vorinstanz entschieden, dass ein Verein seine vorgeschriebene Mitgliederversammlung auch online durchführen darf. Technische Möglichkeiten wie erst unmittelbar vor dem angesetzten Chat verschickte Passwörter würden einen etwaigen Missbrauch ausschließen (Az: I-27 W 106/11).

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
KnoKo 25.01.2012
1.
Ich war gute drei Jahre bei Facebook angemeldet, habe aber nie einen wirklichen Nutzen darin gesehen. Mich interessiert nämlich nicht, welche Farbe der morgendliche Stuhlgang meiner virtuellen "Freunde" hat. Und in diese Kategorie der überflüssigen und uninteressanten Infos fallen gefühlte 99,5% der Facebook-Ergüsse, welche auf einen niedergehen.
billy pilgrim 25.01.2012
2. ...
Zitat von KnoKoIch war gute drei Jahre bei Facebook angemeldet, habe aber nie einen wirklichen Nutzen darin gesehen. Mich interessiert nämlich nicht, welche Farbe der morgendliche Stuhlgang meiner virtuellen "Freunde" hat. Und in diese Kategorie der überflüssigen und uninteressanten Infos fallen gefühlte 99,5% der Facebook-Ergüsse, welche auf einen niedergehen.
ach, immer diese schwarz/weiß-Malerei... wenn Ihr Umfeld durch derartige Statusmeldungen auffällt, sagt das augenscheinlich mehr über Ihr Umfeld aus, als über Facebook... Ansonsten ist Facebook sehr wohl nützlich, als globale Informationsquelle, als Netzwerk, als Chatfunktion. Ich persönlich bin mit Leuten aus unzähligen Ländern auf mehreren Kontinenten über Facebook verbunden, was sowohl die schnelle Kontaktaufnahme als auch das unkomplizierte "Auf-dem-Laufenden-Bleiben" ermöglicht. Erinnert sich noch jemand an die Zeiten, als man Briefe nach Afrika schreiben musste? Die wochenlang unterwegs waren?? Vorbei!! Und es gibt sicher noch viele, individuell geprägte Vorteile, die Facebook bringt. Das heißt nicht, dass es nicht genau so viele negative Dinge gibt: Datenschutz-Defizit, die ständige Totalveränderung von Oberfläche und Optionen etc etc, das muß jede/r halt für sich abwägen. Was mich annervt, ist aber das offensichtliche Desinteresse von Facebook an seinen Nutzern und deren Bedürfnissen. Ich möchte die Chronik nicht nutzen, werde aber dazu gezwungen. Aber mittlerweile ist ja auch endlich Diaspora online...
metacom 25.01.2012
3. Sie haben aber komische Freunde....
Zitat von KnoKoIch war gute drei Jahre bei Facebook angemeldet, habe aber nie einen wirklichen Nutzen darin gesehen. Mich interessiert nämlich nicht, welche Farbe der morgendliche Stuhlgang meiner virtuellen "Freunde" hat. Und in diese Kategorie der überflüssigen und uninteressanten Infos fallen gefühlte 99,5% der Facebook-Ergüsse, welche auf einen niedergehen.
Tut mir leid für Sie, dass Sie so komische Freunde haben. Meine Freunde posten dort Fotos aus ihrer Freizeit, posten lustige Links, Videos oder Zeitungsartikel, die Sie interessant finden. Das gefällt mir.
macrifice 26.01.2012
4. Uaaah
Man liest selten so einen dummen Schwachsinn, aber irgendwie müssen die Datenschützer sich ja auch eine Daseinsberechtigung schaffen. Das Problem sind nicht Seiten wie Facebook und Co, sondern dumme Menschen, die meinen, das Internet hat eine Privatsphäre, in der man private Informationen oder gar Nacktfotos präsentieren kann. Statt diese reißerischen Diskussionen zu führen sollte man sich auf die Grundaufgabe besinnen, die da wäre, den Menschen Umgang und Verständnis mit dem und für das Web beizubringen. Solange völlig uninformierte Menschen sich dort frei "bewegen" können, sämtliche Informationen freigeben und jedem dahergelaufenen die Kontodaten in den Rachen schieben, ist jegliche Form von Datenschutz was für den Allerwertesten. Leider kümmern sich hier völlig inkompetente Menschen, die Web nicht im Ansatz verstanden haben. Man kann das Web nicht reglementieren und wird es nie können, zumindest dann nicht, wenn es nicht völlig unter staatlicher Kontrolle und Überwachung steht. Vor allem aber nicht, solange das Web immer noch zum größten Teil völlig rechtsfreier Raum ist und dem Staat keine Mittel zur Verfügung stehen, Verstöße gegen deutsches Recht effektiv zu ahnden. Und die Datenschützer, nun ja, was sollen ein paar wenig informierte Menschen denn erreichen, wenn auf der anderen Seite die Lobby direkt im Bundestag die Entscheider schmieren und jegliche effektive Gesetzgebung unterbindet?
ISTQB 26.01.2012
5. Anstatt Facebook und
Zitat von sysopIm Dezember eingeführt, wird Facebooks Einheits-Feature Timeline/Chronik bald für alle Mitglieder des Netzwerks verpflichtend. Nutzer sollten ihre Privatsphäre-Einstellungen überprüfen. Außerdem im Überblick: Eine Handy-App soll Falschgeld erkennen, US-Richter ordnet Notebook-Entschlüsselung an. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,811247,00.html
seine "Bewohner" finde ich den größeren Aufreger, daß sich wieder ein US-Richter über sämtliche Grundrechte hinweg setzt und ein aus dem 18 Jhr (!!!!!) stammendes Gesetz fürs digitale Zeitalter zu Gunsten der Exekutiv-Vasallen zurecht biegt. Man beachte: Was ich im Kopf über mich habe, brauche ich nicht preis geben, aber was auf meinem Computer ist, muß ich dann offen legen. Da war sie wieder die sprichwörtliche amerikanische Doppelmoral. Immer mit dem Finger auf andere zeigen und bei Anflügen von eigenem Vorteil.....to be continued
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