Netzwelt-Ticker: Facebook sperrt Google aus

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Der EuGH mag kein dickes Impressum, Facebook mag Google nicht, Sicherheitsfirma warnt vor Hacker-Angriffen auf Kraftwerke, Holland mag endgültig keine Wahlcomputer mehr. Das und mehr im Überblick.

Hacker-Gefahr im Kraftwerk?

Wie abhängig wir mittlerweile von den unzähligen elektrischen und elektronischen Helferlein zuhause und im Büro sind, merken wir jedes Mal, wenn der Strom ausfällt. Den oder die Heizung zu verlieren ist schlimmer, als mal ein paar Stunden auf E-Mails oder YouTube zu verzichten.

Eine Sicherheitsfirma hat jetzt auf ein ernsthaftes Problem in einem Programm namens "Suitelink" hingewiesen, das bei Kraftwerken die automatischen Prozesse zur Energieerzeugung steuert, aber auch bei Raffinerien und in der industriellen Produktion eingesetzt wird. Ein Angreifer könnte sich die Schwachstelle zunutze machen und das Programm abstürzen lassen. Zwar gibt es mittlerweile einen Sicherheits-Patch für das Problem, dennoch bleiben Kraftwerke & Co. gefährdete Ziele von Hackerangriffen, und sei es durch die ungenügend geschützten Computer argloser Mitarbeiter.

Facebook sperrt Google aus

Google Friend Connect: Facebook will nicht mitmachen

Google Friend Connect: Facebook will nicht mitmachen

Google wird noch "sozialer" und stellt seine Datenschnittstelle "Friend Connect" online, auf dass sich auch die Mitglieder anderer Plattformen beteiligen und austauschen mögen. Das Grundprinzip in knappen Worten: Die eigene Freundesliste und die eigenen Anmeldedaten soll man mitnehmen können auf andere Webseiten, so dass man seine Kumpels etwa auch auf der Seite der eigenen Lieblingsband wiederfinden könnte, wenn die sich dort auch angemeldet haben. Aber einer macht nicht mit und verweigert sich: Facebook. Offizielle Begründung: Datenschutz. Die Weitergabe von Benutzerdaten ohne die Einwilligung ihrer Besitzer verstoße gegen Facebooks AGB, so ein Unternehmensvertreter. Aber natürlich glaubt nicht jeder an die nutzerfreundliche Version dieser Blockierungsaktion, auch Michael Arrington nicht. In seinem Blog "Techcrunch" vermutet er einen ganz anderen Grund: Facebook ist die Konkurrenz zum eigenen, auch noch fast namensgleichen Projekt lästig.

Kippt der EuGH die bisherige Impressumspflicht?

Ein ganzes Heer von Abmahnanwälten könnte demnächst einer lukrativen Einnahmequelle verlustig gehen: Dieser Tage entscheidet der Europäische Gerichtshof (EuGH) über die Impressumspflicht für Webseiten. In seinem entsprechenden Schlussantrag empfahl der Generalanwalt, elektronischen Dienstanbietern lediglich die Pflicht zur Angabe einer E-Mail-Adresse aufzugeben. Damit wäre der in Deutschland seit Jahren wogende Streit um die Frage, wer was ins Impressum schreiben muss, an einem entscheidenden Wendepunkt angelangt. Denn folgt der EuGH dem Antrag, ist ein zweiter Kommunikationsweg wie zum Beispiel eine Telefonnummer nicht mehr zwingend erforderlich. Und ein demgemäß vereinfachtes Impressum dürfte zu wesentlich weniger strittigen Fällen führen - und weniger einfach zur Abmahnung einladen.

Zoll: Chipkarte gegen Schwarzarbeit zahnlos

Böse Buben mit Hilfe moderner Elektronik fangen, das ist der Traum jedes Kriminalers, auch beim Zoll. Allerdings sieht die dortige Abteilung "Finanzkontrolle Schwarzarbeit" die Lage durchaus differenziert. Vom Einsatz elektronischer Chipkarten zur Bekämpfung der Schwarzarbeit hält die Behörde nicht sehr viel. Deren Chef stellte am Wochenende in der "Wirtschaftswoche" klar: "Eine Chipkarte ist weder zur Identifikation notwendig, noch zur Verbesserung der Datenzugriffe geeignet oder erforderlich. Sie verursacht zusätzlichen Aufwand für die Herstellung und Ausgabe der Karte sowie zur Aktualisierung der Daten." Und da die ausgenutzten Schwarzarbeiter später, bei der juristischen Klärung, zumeist weder als Zeugen oder Kläger zur Verfügung stünden, bewege sich der Aufwand auch aus diesem Grund in keinem Verhältnis zum Ergebnis.

Österreich: Datenschlamperei im Strafvollzug

In Europa scheint ein Schusseligkeitswettbewerb abgehalten zu werden. Nicht nur britische oder deutsche Behörden verlieren beständig CDs und Computer mit teilweise hochsensiblen Daten, auch unsere Nachbarn in Österreich tun sich in der Schlampigkeitsdisziplin hervor. Im Strafvollzug des Alpenstaats sind im Jahr 2005 8.500 Häftlingsdaten von insgesamt über 800 Betroffenen abhanden gekommen. Verantwortlich war ein Gefängniswärter, der das Datenmaterial zwei Häftlingen weiterveräußerte, nachdem er es sich aus der Vollzugsverwaltung besorgt hatte. Wurde das Geschehen vor drei Jahren noch unter dem Teppich gehalten, offenbarte sich nun einer der beiden damaligen Käufer dem Magazin "Profil", wodurch der Skandal öffentlich wurde.

Firefox 3 RC1 ist draußen

Lange getestet, nun ist der Release Candidate 1 (RC1) des Firefox-Browsers Nummer drei veröffentlicht worden. Neben schnellerer Ajax-Verarbeitung soll unter anderem die Lesezeichenverwaltung verbessert worden sein. Doch trifft die Vorstellung der jüngsten Version des Konkurrenten zum Internet Explorer nicht überall auf ungeteilte Begeisterung. So mancher stößt sich an der Datensammelwut, die der Browser bei jedem Update und bei jeder Versionsüberprüfung an den Tag legt. Dann nämlich telefoniert er auch nach Hause, um Daten zum Nutzerverhalten, zum Beispiel zu besuchten Seiten, an die Zentrale weiterzugeben. Diese kommerzielle Auswertung personenbezogener Daten wäre vor Jahren wohl noch nicht denkbar gewesen - nicht bei den Verantwortlichen der Mozilla Foundation.

OLPC mit XP: Zoff bei den Unterstützern

Kleine grüne Rechner für arme Kinder zu bezahlbaren Preisen, diese Idee steht hinter Organisation "One Laptop per Child" (OLPC). Trotz aller zwischenzeitlich aufgetretenen Schwierigkeiten wie Preissteigerungen hält OLPC-Gründer Nicholas Negroponte unbeirrt an seinem Projekt fest. Doch die Zahl seiner Kritiker wächst, nicht zuletzt auch durch die Entscheidung, das Sparsystem mit Windows XP anzubieten. Der ehemalige OLPC-Mitarbeiter Ivan Krstic wirft Negroponte Verrat vor, es ginge ihm gar nicht mehr um das ursprüngliche Ziel, Kindern in der Dritten Welt zu besserer Bildung zu verhelfen.

In Wahrheit habe er das Projekt zu einem Marketinginstrument für Microsoft reduziert.

Sicherheitsgründe: Aus für Wahlcomputer in Holland

Erst wurden die Hersteller von Wahlmaschinen, die Abstimmungen per Computer erlauben, nicht müde, ihre Produkte mit dem Argument anzupreisen, die Apparate seien nicht nur praktisch, sondern auch sicher. Nachdem der Chaos Computer Club (CCC) schon vor einem Jahr demonstriert hatte, wie simpel und schnell die Wahlcomputer zu manipulieren sind, widerrief das niederländische Innenministerium im September bis auf weiteres die Zulassung der vom Hersteller Nedap gelieferten Maschinen. Die übrigens mit den in Deutschland verwendeten Geräten weitgehend baugleich sind.

Jetzt beschloss der niederländische Ministerrat für die elektronische Stimmabgabe das endgültige Aus.


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