Netzwelt-Ticker: Facebook verklagt spammende Werbefirma

Von Carolin Neumann

Eine US-Firma soll sich mit perfidem Facebook-Spam bereichert haben - das soziale Netzwerk und der US-Staat Washington ziehen deshalb vor Gericht. Außerdem im Überblick: Piratenpartei will das FBI verklagen und Apple reagiert auf Ausbeutervorwürfe.

Spam (Symbolbild): Facebook klagt gegen Clickjacking Zur Großansicht
AP

Spam (Symbolbild): Facebook klagt gegen Clickjacking

Die Werbefirma Adscend Media soll Facebook-Nutzer in die Spam-Falle gelockt und monatlich 1,2 Millionen Dollar erlöst haben. Facebook und der US-Staat Washington gehen deshalb laut "Guardian" gegen das Unternehmen vor. Der Vorwurf lautet, dass Adscend Geld mit sogenanntem Click- oder Likejacking verdient. Dabei positionieren Kriminelle Links und falsche Seiten, die sich dann im Social Network ausbreiten.

Das perfide Likejacking grassierte 2011 im weltgrößten Netzwerk. Mit halbnackten Frauen, süßen Tieren oder Prominenten werden die Nutzer animiert, auf einen Link oder ein Video zu klicken. Tatsächlich existiert der Inhalt, den die Kunden aufzurufen glauben, oftmals gar nicht, stattdessen bekommen sie Werbung oder Aboangebote zu sehen. Zudem wird durch den Klick eine versteckte Routine ausgelöst und Facebook übermittelt, dass man diesen Inhalt mit "Gefällt mir" bewertet habe. Gleichzeitig wird der Spam-Link ohne weitere Zustimmung über das eigene Profil weiterverbreitet.

Facebook und Washington haben nun zwei separate Klagen gegen Adscend eingereicht, in denen sie die Firma beschuldigen, diese Spam-Art eingesetzt und damit gegen geltendes Recht verstoßen zu haben. Laut dem Büro der Staatsanwaltschaft in Washington ist es das erste Mal, dass eine Regierung wegen Facebook-Spam vor Gericht zieht, schreibt der "Guardian".

Tim Cook reagiert auf "New York Times"-Kritik

Rekorderlöse machen es Apple zunehmend schwer, die Berichten zufolge gängige Arbeitspraxis in seinen Werken in Asien zu rechtfertigen - ein Thema, das spätestens seit der Selbstmordserie in Fabriken des Teileproduzenten Foxconn für Schlagzeilen sorgt. Doch hinter dem Imageschaden für Apple stecken menschliche Schicksale, was die "New York Times" in dieser Woche in einer ausführlichen Geschichte zur "iEconomy" verdeutlichte. Darin liefert die Zeitung von Sicherheitsproblemen bis zu schlechten Arbeitszeiten und -bedingungen zahlreiche Beispiele, wie es in den für Apple produzierenden Werken zugeht.

Jetzt hat Konzernchef Tim Cook auf wachsende Kritik wie die im "Times"-Artikel reagiert. In einer E-Mail an alle Mitarbeiter, die das Blog 9to5mac.com veröffentlichte, besteht er darauf, dass die in den Vorwürfen erhobenen Zustände im Widerspruch zu den Werten des Unternehmens stehen würden. "Das ist nicht, wer wir sind." Jeder Unfall und sämtliche Probleme mit Arbeitsbedingungen seien "zutiefst verstörend". Cook schreibt von vorhandenen Ausbildungsmaßnahmen für Arbeiter, internen Kontrollmaßnahmen und dass man die Probleme "aggressiv" angehe.

Trotz vieler Medienberichte bleibt die Problematik also eine Aussage-gegen-Aussage-Angelegenheit. Doch so sehr Cook auch auf Apples Unwissenheit beharrt, die "New York Times" macht es schwer, ihm Glauben zu schenken: Im Artikel zitiert das Blatt auch ehemalige Verantwortliche des Konzerns, die behaupten, Apple habe schon seit Jahren von den Zuständen an einigen Standorten gewusst, und es habe sich nichts geändert.

Piratenparteien wollen das FBI verklagen

Zwischen all den Copyright-Verletzungen, derer das Filesharing-Portal Megaupload bezichtigt wird, finden sich auch vollkommen legale Inhalte. Als das FBI die Internetbörse vergangene Woche mit einem Schlag vom Netz nahm, sei dieser Bereich der Seite gar nicht berücksichtigt worden, beschweren sich jetzt Kritiker. Zwar finden frühere Megaupload-Nutzer erwartungsgemäß bei anderen Diensten eine neue Heimat, dennoch bleibt die FBI-Aktion nicht ohne Folgen.

Ein Zusammenschluss von Piratenparteien plant jetzt eine Klage gegen das FBI, weil zahlreichen legitimen Nutzern ein wirtschaftlicher Schaden entstanden sei. Angeführt wird die Bewegung von der Piratenpartei in Katalonien, die argumentiert: Die Ermittlungsbehörde verstieß gegen spanisches Recht.

Auch das noch:

  • Google ist wegen der Bündelung seiner Dienste zum Super-Service weiter in der Kritik. US-Abgeordnete forderten Google-Chef Larry Page am Donnerstag auf, sich zu erklären. Eine der Fragen von der politischen Seite: Haben Kunden die Möglichkeit, die Änderungen nicht mitzumachen? In aller Kürze nimmt der Internetriese Stellung, ein bisschen Nutzer-Kontrolle bleibe.
  • Hat Zynga von der Konkurrenz geklaut? Der iPhone-Spieleentwickler Nimblebit beschuldigt den Marktführer, für das gerade in Kanada veröffentlichte "Drean Heights" von seinem iPhone-Klassiker "Tiny Tower" abgekupfert zu haben. Ein David-gegen-Goliath-Konflikt, schreibt das Blog "Gamasutra", weswegen der Fall trotz der nicht seltenen Kopierpraxis bei Mobile Games für Aufmerksamkeit sorge.
  • Bing streicht das Beta: Die Microsoft-Suchmaschine ist nun auch offiziell in Deutschland gestartet.

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insgesamt 3 Beiträge
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1.
graylion 27.01.2012
Zitat von sysopEine US-Firma soll sich*mit perfidem Facebook-Spam bereichert haben - das soziale Netzwerk und der US-Staat Washington ziehen deshalb vor Gericht. Außerdem im Überblick: Piratenpartei will das FBI verklagen und Apple reagiert auf Ausbeutervorwürfe. Netzwelt-Ticker: Facebook verklagt spammende Werbefirma - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,811775,00.html)
Es ist allgemein bekannt, dass Zynga Ideenklau zum geschaeftsmodell erhoben hat. bis hin zur massregelung von mitarbeitern die eigene Ideeen haben, weil Ideenklau billiger ist.
2. Gähn
blowup 27.01.2012
Zitat von graylionEs ist allgemein bekannt, dass Zynga Ideenklau zum geschaeftsmodell erhoben hat. bis hin zur massregelung von mitarbeitern die eigene Ideeen haben, weil Ideenklau billiger ist.
Warum in die Ferne schweifen. Heute hat ein Spammer eine "Mediamarkt-Aktion" hier in D gestartet. Es gab angeblich für die erste 5000, die die Aktion auf Facebook liken je einen Gutschein über 50 Euro. Bis heute Mittag waren es ca 400.000, die auf die im MM-Design gestaltete Seite reingefallen sind.
3.
mindmonkey 27.01.2012
Auch eine angebliche Lufthansa Seite versprach Freiflüge. Aber wenn man sich nicht von der falschen Anwendung des Corporate Design (und da ist LH ganz schön pingelig), der Mediamarkt Fake war da schon ein tick besser oder der ganz dubiosen URL aufschrecken lässt, dann sollte man zumindest bei den Rechtschreibfehlern stutzig werden ;) Schaut mal auf ebay nach Facebook Likes, da gibts anbieter die versprechen 100000 Likes von angeblich echten Usern. Wo kommen die wohl her? Eben.
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Zur Autorin
  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.


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