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14. April 2011, 18:01 Uhr

Netzwelt-Ticker

FBI legt nach Millionenschäden großes Botnet still

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Nach zehn Jahren und bis zu 100 Millionen Dollar Schadenssumme wurde das "Coreflood"-Botnet stillgelegt. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Schwerer Hackerangriff auf WordPress, Tablet-Boom bremst PC-Verkäufe, Spotify beschränkt Gratis-Musikgenuss.

Einen der größten Siege im Kampf gegen Online-Kriminalität haben das US-Justizministerium und das FBI verkündet. Bei koordinierten Zugriffen schalteten Ermittler fünf Rechenzentren ab und beschlagnahmten insgesamt 29 Domains. Diese Operation sei die "umfassendste Maßnahme zur Deaktivierung eines internationalen Botnets, die jemals von US-Behörden durchgeführt wurde", erklärte laut AFP das Justizministerium.

Beinahe zehn Jahre konnte das "Coreflood"-Botnet ungestört operieren, in dieser Zeit mehr als zwei Millionen Rechner infizieren und bei den Betroffenen einen Schaden von bis zu 100 Millionen Dollar anrichten. In einer Klageschrift wurden 13 namentlich nicht genannte Personen wegen Bankbetruges und illegalen Abfangens von Internetkommunikation angeklagt.

Keiner der Beschuldigten soll sich in den USA aufhalten. Die Online-Kriminellen gingen mit ihrem Botnet außerordentlich erfolgreich zu Werke. Dave Marcus, Forschungsleiter beim Antiviren-Spezialisten McAfee, stellte anerkennend fest, die Übeltäter hätten das Rechnernetz in eine Geldmaschine verwandelt. Nun hoffen die Verantwortlichen, dass es nach der Einkassierung der Server mit "Coreflood" ein für alle Mal ein Ende hat.

Schwerer Hacker-Angriff auf WordPress

Mehr als 18 Millionen Blogs werden derzeit auf Basis von WordPress betrieben, schon deshalb für Hacker ein lohnendes Ziel. Nun war es soweit, Angreifer drangen in die Server der WordPress-Betreiber Automattic ein und konnten sich der Quellcodes der Angebote mehrerer wichtiger Kunden bemächtigen. Diese VIP-Kunden befänden sich in heller Aufregung, meldet "Techcrunch", derzeit seien sie damit beschäftigt, sämtliche in den offengelegten Daten enthaltenen Passwörter und API-Schlüssel zu ändern. Automattic versuchte, das Ereignis niedriger zu hängen, der Umfang der offengelegten Informationen sei begrenzt. Doch ist es gut möglich, dass den Hackern überdies auch Twitter- und Facebook-Passwörter in die Hände fielen. Aufgepasst also, ob künftig Facebook- oder Twitter-Accounts nicht ein ungewöhnliches Eigenleben zu entwickeln beginnen oder ihre Besitzer sich erst gar nicht mehr einloggen können.

Kein Internet Explorer 10 für Vista-Nutzer

Microsoft kündigt an, der kommende Internet Explorer 10 werde für Nutzer von Vista nicht zur Verfügung stehen, geschweige denn für noch ältere Windows-Systeme. XP- und Vista-Nutzer können die erst am Mittwoch angekündigten Platform-Previews für IE10 nicht installieren. Unterhalb von Windows 7 ist die Installation der Final-Version ebenfalls nicht möglich, wie die Systemanforderungen deutlich machen. Ein Microsoft-Sprecher sagte, es gebe beim IE10 deshalb keine Vista-Unterstützung mehr, weil der Fokus auf die Einführung eines modernen Betriebssystems und moderner Hardware gelegt werde. Weil die Marktanteile sowohl für XP als auch Vista so rapide fallen, beschränkten sich künftige Produkte zunehmend auf Windows 7, erwartet "Neowin".

Amazons Einführung von Cloud Drive treibt MP3-Verkäufe an

Noch vor wenigen Wochen sorgte Amazon mit der Einführung seines Online-Speicherangebotes Cloud Drive wegen Kopierschutzproblemen und fehlender Lizenzvereinbarungen für Unmut unter den Musiklabeln. Mit dem Cloud-basierten Speicher haben die Nutzer von jedem beliebigen Ort aus Zugriff auf ihre hochgeladenen Musiktitel, Online-Zugang vorausgesetzt. Bei der Kundschaft zumindest kommt das Konzept an, erklärte das Online-Kaufhaus jetzt in einem offenen Brief an Musikunternehmen. MP3-Verkäufe hätten massiv angezogen, genaue Zahlen wollte Amazon jedoch nicht nennen. Spekulationen, man wolle sich nun auch noch um die nachträgliche Genehmigung der Musikindustrie bemühen, wurden zurückgewiesen. "Wir bemühen uns derzeit um keine Lizenz für Cloud Drive oder Cloud Player in - weil keine Lizenz erforderlich ist", zitiert "Billboard" aus dem Schreiben. Sollten beim Amazon-Angebot allerdings neue technische Features dazukommen, werde man sich um den Abschluss von Lizenzvereinbarungen bemühen.

Tablet-Hype bremst PC-Markt aus

Die Marktforschungsfirma Gartner meldet, dass ihren Analysen zufolge der PC-Absatz im ersten Quartal 2011 weltweit um 1,1 Prozent auf 84,3 Millionen Geräte gesunken ist. "Viele Leute behalten ihren Standard-PC lieber noch ein Jahr und warten auf neue Geräte wie die zweite Version des iPad oder ein neues Smartphone", sagte Gartner-Analystin Meike Escherisch. Dagegen zog die Nachfrage der Unternehmen an.

dpa

Spotify drosselt Gratis-Nutzung

Der Musikanbieter Spotify schränkt das kostenfreie Songangebot für Mitglieder vom 1. Mai an stark ein. Dann gilt: wer länger als ein halbes Jahr angemeldet ist und keine Gebühren bezahlt, der kann sich pro Monat nur noch zehn Stunden lang das Songmaterial anhören. Das entspricht etwa 200 Liedern. Bisher war die Zeit auf 20 Stunden begrenzt. Außerdem können Nutzer nach einem halben Jahr kostenloser Nutzung jeden Song insgesamt nur noch fünfmal abspielen.

"Um weiterzukommen, müssen wir das Angebot begrenzen", begründet Spotify-Chef Daniel Ek im Firmenblog den Schritt. Spotify meldete im März 2011 eine Million zahlender Kunden. Bei den werbefinanzierten Gratisangeboten in Staaten wie Großbritannien, den Niederlanden und Schweden muss das Unternehmen den Rechteinhabern für jeden abgespielten Songs eine Vergütung bezahlen. So machte laut "Financial Times" das britische Angebot von Spotify im Jahr 2009 einen Verlust von 16,6 Millionen Pfund - bei Umsätzen von gerade mal 11,3 Millionen Pfund. Es dürfte schwierig sein, diese Kosten allein durch Werbeumsätze zu finanzieren.

Auch das noch:

· Erster Trailer für Anno 2070 ist draußen
· Was Microsoft mit Windows Phone 7 noch vorhat
· Deutsche Antipiraterie-Allianz gegen "Gratis-Kultur im Netz" gegründet
· US-Online-Anzeigenmarkt brummt

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