Netzwelt-Ticker Firefox überholt Internet Explorer

Im ewigen Wettrennen der Browser hat erstmals der Firefox die Nase vorn, Bildblog gibt's jetzt für (oder gegen?) alle, YouTube steckt tief in den roten Zahlen. Das und mehr im Überblick.


Firefox, die Browser-Alternative zu Microsofts Internet Explorer, macht im Rennen um Nutzeranteile weiter Boden gut. Jüngst gelang es der Surfhilfe der Mozilla Foundation sogar, in Europa am bislang unangefochtenen Platzhirsch IE vorbeizuziehen. Das jedenfalls behaupten die Web-Statistiker von StatCount, die entsprechende Zahlen vorlegten.

Konkurrierende Browser: Weltweit hat noch der Explorer die Nase vorn, in Europa ist Firefox dabei zu überholen

Konkurrierende Browser: Weltweit hat noch der Explorer die Nase vorn, in Europa ist Firefox dabei zu überholen

Denen zufolge lag der aktuelle Firefox 3.0 (die inzwischen populärste Programmversion) in der letzten Märzwoche in Europa vor dem inzwischen abgelösten Internet Explorer 7 (noch die populärste MSIE-Version), das Verhältnis lag bei 35 zu 34,5 Prozent zugunsten des Firefox.

Natürlich nehmen diese Einschränkungen der Nachricht von der Überholung etwas von ihrer Brisanz. Nichtsdestotrotz illustriert sie eine schon lange anhaltende Entwicklung: Wer die freie Wahl hat, bewegt sich lieber mit dem Gratisbrowser durch die Weiten des Netzes. Was vor allem am unterschiedlichen Nutzerverhalten an Arbeitstagen und an Wochenenden erkennbar wird: In der Woche hat der Internet Explorer die Nase vorn, da sitzen die meisten im Büro und verwenden die von ihren Arbeitgebern vorinstallierten Programme. Am Wochenende aber schnellen die Firefox-Werte nach oben, wenn die Netzgemeinde freiwillig und auf eigene Rechnung unterwegs ist.

Bildblog nimmt jetzt auch andere Publikationen ins Visier

Das Bildblog ist Deutschlands bekanntestes "Watchblog". Darunter versteht man Blogs, die Aktivitäten von Personen, Unternehmen oder Organisationen beobachten und kommentieren. Jetzt soll nicht mehr nur "Bild" beobachtet werden - sondern alle Medien. "Bildblog für alle" steht über der Seite.

Mit gewohnt ausgeprägtem Selbstbewusstsein will das Bildblog nicht nur Medienmacher kontrollieren, sondern gar disziplinierend wirken. Die nach Überzeugung von Bildblog "unsägliche" Berichterstattung im Gefolge des Amoklaufs von Winnenden habe den Anstoß gegeben, aus dem im vergangenen Dezember erprobten Konzept "Bildblog für alle" eine Dauereinrichtung zu machen.

Die Neigung zu schlampigem Journalismus werde in Zeiten der Zeitungskrise nicht abnehmen, glauben die Blog-Macher: "Was wir dagegen setzen wollen, ist dasselbe wie bisher: Aufklärung." Damit solle deutlich werden, wie wichtig es ist, in Qualität zu investieren", so die Bildblogger.

YouTube mit großen Verlusten, weitet Zwangsreklame aus

Was ist das Erlösmodell von YouTube? Eine möglichst hohe "Einschaltquote" und entsprechend satte Werbeerlöse. In der Theorie sieht das einfach aus, in der Praxis nicht. Nicht nur, dass die Wirtschaftskrise auch Onlineprojekte nicht ungebeutelt lässt, bei YouTube kommen außerdem noch hausgemachte Probleme dazu.

Die sind so groß, dass Analysten der schweizerischen Credit Suisse jetzt in einem Bericht den zu erwartenden Verlust des Filmportals für das laufende Jahr auf satte 471 Millionen Dollar beziffern. Zwar wird YouTube dieses Jahr an die 240 Millionen Dollar einnehmen, gleichzeitig laufen der Google-Tochter aber die Kosten davon. Teure Lizenzvereinbarungen für Musikclips, vor allem aber die Kosten für den Traffic, die allein schon mit 360 Millionen Dollar zu Buche schlagen, verhageln das Ergebnis.

Dabei könnten die Werbeeinnahmen höher sein als bislang, würden die YouTube-Macher nur auf höherwertige Inhalte setzen, so die Meinung vieler Analysten. Zu gut Deutsch, weg mit Katzenvideos und Aufnahmen vom Kindergeburtstag, her mit Fernsehserien. Was natürlich außer acht lässt, dass YouTube ja gerade deshalb erfolgreich wurde, weil es ein Kontrastprogramm von unten gegen den TV-Kram setzt.

In der Zwischenzeit setzen die Macher der Filmchenseite offensichtlich auf Zwangsbeglückung. Nach und nach tauchen Clips auf, die mit Werbung garniert sind. Diese Werbeblöckchen, vor und nach dem eigentlichem Clip, sind nicht überspringbar. "Mashable" nennt als Beispiel einen Ausschnitt der CBS-Late-Night-Show mit David Letterman. Dem 113-Sekunden-Schnipsel wurden am Anfang und Ende jeweils noch 30 Sekunden Werbung aufgepfropft, also eine Minute Werbung für nicht einmal zwei Minuten Inhalt.

FBI schaltet bei Wolverine-Suche gleich ganze Webhoster ab

Ob es nun doch nur ein kluger Marketing-Schachzug gewesen ist, wird den Studiobossen der 20th Century Fox letztlich nicht zu entlocken sein. Jedenfalls machen sie weiter mit der Jagd nach dem internen Leck, durch das die Vorabversion "X-Men Origins: Wolverine" einen Monat vor dem US-Kinostart und in bester Qualität seinen Weg ins Netz gefunden haben soll. Und können auf großzügigste Amtshilfe seitens der Behörden rechnen. Die machen nämlich quasi in Wildwestmanier kurzen Prozess.

Das FBI beschlagnahmte im texanischen Dallas die Server eines Webhosting-Unternehmens namens Core IP Networks, was dessen Chef Matthew Simpson ziemlich in Harnisch bringt. "Weder ich noch Core IP sind in illegale Aktivitäten irgendeiner Art verwickelt", so der Firmenchef gegenüber dem amerikanischen Sender CBS. "Ich konnte lediglich in Erfahrung bringen, dass das FBI gegen ein Unternehmen ermittelt, das in der Vergangenheit unsere Dienstleistungen in Anspruch genommen hat."

Was die Strafverfolger nicht daran hinderte, die kompletten Server lahmzulegen. Womit mehr als 50 Firmen, die Kunden bei Core IP sind, vom Internet abgeschnitten waren. Für einige Kunden, die auch ihre Telefonate via VoIP übers Internet abwickeln, ist das sogar eine potentiell lebensbedrohliche Situation. Denn für die Zeit des amtlich verordneten Serverausfalls funktionierte auch die 911-Notrufnummer nicht.

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