Netzwelt-Ticker: Flickr verdoppelt, neuer Wiper, Facebook löscht

Im Netzwelt-Überblick: Unbekannte lassen sich von einem Computerwurm namens Wiper inspirieren; Marissa Mayer verdoppelt angeblich das Flickr-Team; Facebook löscht gelöschte Fotos jetzt wirklich.

Computervirus (Symbolbild): Shamoon löscht Festplatten besonders gründlich Zur Großansicht
Corbis

Computervirus (Symbolbild): Shamoon löscht Festplatten besonders gründlich

Virenforscher haben auf einigen Computern einen neuen Wurm gefunden, der alles daran setzt, Daten unwiderruflich zu löschen. Symantec taufte den Schädling auf den Namen Disttrack, McAfee auf Shamoon. Wie "Ars Technica" berichtet, sei der Wurm auf weniger als 50 Rechnern gefunden worden. Nähere Angaben gab es nicht, allerdings soll das Ziel der Energiesektor gewesen sein - was auch immer das nun heißt.

Die Urheber hatten während der Arbeit an dem Wurm offenbar ein Verzeichnis Wiper genannt. Übersetzt heißt das so viel wie Reiniger - eine treffende Beschreibung der Löschfunktion. Ein Virus namens Wiper war im April offenbar auf das iranische Ölministerium angesetzt worden, um dort Dateien zu löschen. Laut der russischen Firma Kaspersky Lab besteht aber wohl kein direkter Zusammenhang zwischen Wiper und Shamoon. Stattdessen wird vermutet, dass sich die unbekannten Urheber von Wiper inspirieren ließen. Laut Kaspersky Lab könnte es sich um sogenannte script kiddies handeln - wenig erfahrene Entwickler, die mehr nachahmen als selbst zu schaffen.

Ganz ohne Expertise sind die Urheber aber offenbar nicht: Um auf die Festplatte des Opfers zuzugreifen, um diese mit einer Bilddatei im Jpeg-Format zu überschreiben, bringt Shamoon einen Gerätetreiber mit, der ein gültiges Sicherheitszertifikat aufweist.

Flickr-Team angeblich verdoppelt

"Bitte machen Sie Flickr wieder großartig", so wandten sich Fans der Fotoseite Mitte Juli an die neue Yahoo-Chefin Marissa Mayer. Unter ihren Vorgängern war Flickr nicht besonders pfleglich behandelt worden, die Seite wurde kaum weiterentwickelt, Stellen wurden abgebaut. Neue Fotoseiten und Apps wie Instagram nutzten den Flickr-Stillstand, um dem einstigen Pionier Konkurrenz zu machen.

Der Appell war offenbar erfolgreich: Wie Robert Scoble berichtet, soll Mayer das Flickr-Team in der vergangenen Woche verdoppelt haben. Unklar ist allerdings, wie viele Mitarbeiter Flickr überhaut noch hatte, und wie viele es jetzt angeblich sind. Schon auf den Hilferuf der Fangemeinde hatte Flickr mit einem Link auf Stellenanzeigen reagiert. Etliche Positionen sind offenbar immer noch nicht besetzt.

Außerdem:

  • Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) führt derzeit Gespräche mit Unternehmen und Behörden in Sachen Cyber-Attacken. Wenn nötig, könnte es sogar ein neues IT-Sicherheitsgesetz geben, berichtet die Nachrichtenagentur dapd.
  • Apples Datei-Verschlüsselung FileVault 2 wurde ein Jahr lang von Forschern unter die Lupe genommen - und konnte offenbar nicht geknackt werden. Auf die Arbeit weist Sicherheitsexperte Bruce Schneier in seinem Blog hin.
  • Skype für Windows 8 ist zwar noch nicht offiziell, aber eine Preview-Version ist offenbar in die Hände von "Neowin" geraten - und sieht schon schick aus.
  • Facebook löscht jetzt Fotos. Bisher waren gelöschte Bilder auf der Plattform zwar nicht mehr sichtbar, aber über ihre genaue Webadresse weiterhin abrufbar, schreibt "ArsTechnica". Drei Jahre hat der Konzern für die Entwicklung der funktionierende Löschfunktion gebraucht.

ore

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Oberleerer 17.08.2012
Fotos von FB gelöscht? Haha. Pro Verschwörungstheorie: Die preväntive Datensammlung ist die Überlebensgarantie, falls das Geschäftskonzept nicht aufgeht. Staatliche Stellen werden dafür sorgen, dass der Archivar nicht dicht machen muß. Diese Firma verbindet die Interessen von Geheimdienst mit den Kostenvorteilen der Privatwirtschaft. Contra Verschwörungtheorie: Der Gang an die Börse wäre ein großer Fehler. Wenn ich mir nur vorstelle, Putin oder die Chinesen legen in einem Monat 10Mrd auf den Tisch um als größter Einzelaktionär neben Zuckerberg das Ruder in die Hand zu bekommen und die USA hinauszudrängen. Das wäre dann so nicht geplant gewesen.
2. Facebooks Programmierer
olivar666 18.08.2012
Facebook braucht mehrere Jahre, um es hinzukriegen, Fotos zu löschen? Das ist heftig.
3. Nie wieder Facebook!
mh53 20.08.2012
Was bin ich froh meinen Account schon im letzten Jahr gelöscht zu haben, so weit überhaupt möglich! Zuckerberg sieht mich nie wieder, egal was er noch alles für tolle Verbesserungen anpreisen wird. Ich bin jetzt über einem Jahr bei Google und fühle mich dort schon viel wohler;)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Netzticker
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare
Fotostrecke
Foto-Apps: Instagram und die Konkurrenz

Schad- und Spähsoftware
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.
Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.



Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.