Netzwelt-Ticker: Forscher warnen vor Zombie-Cookies

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Mit perfiden Tricks versuchen Online-Firmen, Webnutzer auf verschiedenen Seiten wiederzuerkennen - eine neue Studie offenbart Cookies, die sich gegen Löschversuche wehren. Außerdem: Abmahnungen wegen Heinz-Erhardt-Gedichten und Bilderkennung für Geheimdienste.

Zombie (Symbolbild): US-Forscher entdeckten Cookies, die nach dem Löschen weiterleben Zur Großansicht
Corbis

Zombie (Symbolbild): US-Forscher entdeckten Cookies, die nach dem Löschen weiterleben

Einer Untersuchung von US-Datenschutzforschern der University of California Berkeley zufolge, setzen einige der in den Vereinigten Staaten populärsten Websites auf besonders widerstandsfähige Cookies - ein Versuch, die Datenschutzwünsche der Surfer zu unterminieren.

Cookies sind kleine Dateien, in denen Websites Informationen abspeichern können. Werbefirmen nutzen Cookies, um einzelne Browser auf einem bestimmten Computer zu identifizieren und die Nutzung über mehrere Seiten hinweg verfolgen zu können. Es gibt mehrere Versuche, den Einsatz von Cookies juristisch zu begrenzen und Surfern die Hoheit über ihre Daten zurückzugeben.

Doch einige dieser nun aufgedeckten, neuartigen Cookies widersetzen sich nachdrücklichen Versuchen der Surfer, sie zu löschen - sie umgehen Cookie-Blocker, setzen auf mehrere Speicherorte, um sich selbst wieder zum Leben erwecken zu können und lassen sich auch nicht vom Inkognito-Modus moderner Browser aushebeln. ETags, eine der eingesetzten Techniken, sollen praktisch noch nie in freier Wildbahn gesehen worden sein.

Einige dieser besonders hartnäckigen Cookies werden als Dienstleistung der kalifornischen Webfirma Kissmetrics.com verkauft. Bekannte Websites zählen zu ihren Kunden; die amerikanische Videoseite Hulu.com und der Musikdienst Spotify beendeten nach Bekanntwerden der Cookie-Funktionen vorerst die Geschäftsbeziehungen zu Kissmetrics.com.

Schadensersatz wegen Gedichten von Heinz Erhardt

Der Lappan-Verlag macht mit Schadensersatzforderungen und Abmahndrohungen Jagd auf Website-Betreiber, die Texte des vor 32 Jahren verstorbenen Heinz Erhardt veröffentlichen. Für einen Spruch Erhardts etwa forderte die ausführende Kanzlei 400 Euro Schadensersatz, erklärt Anwalt Lars Jaeschke bei Juraportal24.de. Allein: Wer den Schadensersatz ohne anwaltliche Beratung zahlt, bleibt weiterhin abmahnbar. Jaeschke bezeichnet dieses Vorgehen als perfide. Er rät zum Gang zum Fachanwalt - auch wenn die Anwaltskosten zunächst höher als der Schadensersatz ausfallen könnten. Eine entsprechend formulierte Unterlassungserklärung könnte zukünftige Abmahnungen unterbinden.

US-Geheimdienste wollen Foto-Standort herausfinden

Wo in Afghanistans wurde das Bild der Gefangenen aufgenommen? Welches Gebirge sieht man im Hintergrund der Videoaufnahmen des Rebellenführers? Diese Fragen soll "Finder" beantworten können, ein neues Aufklärungsprojekt, für das die US-Forschungsbehörde Iarpa Spezialisten sucht. Sehr schön: Die Erklärbär-Sprache der Stellenausschreibung. Wired.com hat sich angesehen, was es mit "Finder" auf sich hat - und was die wirklichen Herausforderungen sind.

Schweiz: Widerstand gegen Big Sister

Die Schweiz versucht sich an einer anlassabhängigen Totalüberwachung des individuellen Internetverkehrs, berichtet die Zürcher Tageszeitung "Tages-Anzeiger": Online-Anbieter sollen im Auftrag des Bundes künftig den gesamten Internetverkehr von Privatpersonen in Echtzeit überwachen. Zumindest will das die Justizministerin Simonette Sommaruga laut "Tages-Anzeiger" mit einer Revision der Verordnung über die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (VÜPF) erreichen.

Der Plan provoziert viel Kritik: Wie sieht es mit dem Datenschutz aus, fragt der Schweizer IT- und Telekomverband ICT Switzerland? FDP-Nationalrat Ruedi Noser warnt vor Verstößen gegen die Grundrechte, die Schweizer Interessenvertretung "Digitale Gesellschaft" unter anderem vor einer unklaren Fassung des Begriffs "Provider" (nur Internet-Zugangsanbieter oder auch Inhalte-Anbieter?), der Schweizer Datenschutzbeauftragte vertagte eine Stellungnahme, bis die Regierung die entsprechende Revision verabschiedet hat.

Derweil beschwichtig das Justizministerium: Die Revision sei bloß "eine Nachführung von Überwachungstypen [...] die seit Jahr und Tag von den Strafverfolgungsbehörden angeordnet und von den Zwangsmaßnahmengerichten genehmigt werden".

Weitere Meldungen

  • Cyberkriminelle entdecken die Cloud als billigen Online-Speicher. Jüngstes Beispiel: Der "Spy Eye"-Bankingtrojaner, den Kriminelle über Amazons Cloud-Dienst (bezahlt mit Diebesgut) verbreiten und steuern.
  • Weil sie eine richterliche Anordnung gegen Unbekannt erwirken konnten, verbreitet eine indische Kanzlei nun de facto einstweilige Verfügungen en masse, um Website-Betreiber von Schwarzkopien eines neuen Films fernzuhalten.
  • Anonymous wollte aus Anders Behring Breiviks Manifest einen Witz machen - jetzt sind Hacker in Breiviks angebliches Twitter-Konto eingestiegen und verbreiteten Tweets: "Wir wollen, dass Anders vergessen wird." Der Täter solle als erbärmlich, nicht als Ungeheuer oder Irrer dargestellt werden. Das Konto ist seitdem geschlossen.
  • Facebook folgt dem Beispiel anderer großer Firmen (zum Beispiel Microsoft und Google) und lobt ein Kopfgeld für Bugs und Sicherheitslücken aus. Sicherheitsforscher sind - wenig überraschend - begeistert von dieser Idee.
  • Die Welt ist keine Scheibe, zumindest nicht, wenn man sie durch ein Kaleidoskop betrachtet. Beweis: Rorschmap, ein Google-Maps-Experiment, wie gemacht für einen schrecklichen Montag.
  • Hacker der Anonymous-Bewegung sind in einen Server eingedrungen, auf dem über 70 Websites der amerikanischen Polizei lagerten, entwendeten die dort gefundenen Daten und legten schließlich den Server samt der Websites lahm. Bei dem Dateneinbruch fielen den Hacker 5 bis 10 Gigabyte angeblich "brisanter" Dokumente in die Hand, darunter sollen persönliche Informationen von Beamten, Zugangsdaten, eine Insassendatenbank und Durchsuchungsbeschlüsse sein.

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1. Qualitätskontrolle
sorum11 01.08.2011
"Der Lappan-Verlag macht mit Schadensersatzforderungen und Abmahndrohungen jagt auf Website-Betreiber" "macht Jagd" oder "jagt", aber nicht so. :)
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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

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