Netzwelt-Ticker Frankreich verbietet Facebook und Twitter im TV

Die Namen von Social Networks dürfen in Frankreich nur noch unter ganz bestimmten Bedingungen im Fernsehen und Radio genannt werden. Die syrische Regierung macht das Internet erst aus, dann wieder an und bekommt Ärger mit der Anonymous-Guerilla. Das und mehr in unserem Überblick.

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Facebook-Seite von Nicolas Sarkozy: Keine Network-Erwähnungen mehr im TV und Radio
AFP

Facebook-Seite von Nicolas Sarkozy: Keine Network-Erwähnungen mehr im TV und Radio


Seit fast 20 Jahren verbietet ein französisches Gesetz kommerzielle Werbehinweise im Rahmen von Nachrichtensendungen. Wovon auch die beiden sozialen Netzwerke Facebook und Twitter betroffen sind. Das erklärte jetzt noch einmal die französische Regulierungsbehörde CSA. Also ist ab sofort Schluss mit den weit verbreiteten Hinweisen "Folgen Sie uns auf Twitter" oder "Besuchen Sie uns auf Facebook".

Schließlich gebe es noch andere Social Networks, da sei die alleinige und wiederholte Nennung von Facebook oder Twitter eine schlichte Wettbewerbsverzerrung und schon aus diesem Grunde unzulässig. Sie darf nur aus einem einzigen Grund erfolgen, nämlich dann, wenn Facebook oder Twitter selbst Gegenstand der Berichterstattung sind.

Was bedeutet, dass TV- und Radiomoderatoren in unserem Nachbarland künftig komplizierte Wortgirlanden drehen müssen, wenn sie ihr Publikum zu den entsprechenden Angeboten lenken wollen.

Für manche klingt das nach einer vernünftigen Maßnahme von Wettbewerbshütern. Andere jedoch monieren, der Ukas sei nicht nur ein bisschen weltfremd, sondern auf Dauer auch ziemlich schwer aufrechtzuerhalten. Denn angesichts der Tatsache, wie weit die beiden Dienste inzwischen das tägliche Leben durchdrungen hätten, sei es beinah unmöglich, sie nicht zu erwähnen. "Zdnet" gibt ein einfaches Beispiel: "Diese Nachricht hätte von MySpace und Friendster gehandelt, wäre sie vor ein paar Jahren veröffentlicht worden."

Syrien schaltet Internet ab und wieder an

Syrien ist eines der arabischen Länder, in dem es Aufstände gegen die lokale autoritäre Regierung gibt. Die versucht die Opposition daran zu hindern, sich zu organisieren. Zu diesem Zweck ließ die Regierung den einzigen Provider des Landes am vergangenen Freitag sämtliche Kabel-DSL-Verbindungen abschalten. Womit das Land weitenteils vom Internet getrennt war, mit Ausnahme einiger Domains, die zur syrischen Regierung gehören. Trotzdem gelangten wieder Fotos und Videoclips von weiteren Protesten ins Ausland. Findige Protestierende umgingen die vom Regime ebenfalls verhängte UMTS-Sperre, indem sie Satelliten-Telefone benutzten.

Schon am Samstag war Syrien wieder zurück auf der Landkarte des weltumspannenden Netzes. Doch anscheinend haben sich die syrischen Autoritäten den Zorn der Hackergemeinde zugezogen. Die Hackertruppe Anonymous kündigte Vergeltungsmaßnahmen an. Durch gezielte Distributed Denial of Service (DdoS)-Attacken würden ab dem Wochenende die Web-Seiten der syrischen Botschaften in der Welt nach und nach lahmgelegt. Diese Aktion solle solange andauern, wie Präsident Assad im Amt sei. Als erste Angriffsziele wurden die Web-Auftritte der syrischen Botschaften in Saudi-Arabien und Frankreich genannt, syrianembassy-sa.org und www.amb-syr.fr. Während die Web-Seite im Wüstenkönigreich wieder funktioniert, war die Seite der Botschaft in Frankreich noch am Montagvormittag vorübergehend nicht erreichbar.

Apple will Bootleg-Sperre fürs iPhone patentieren lassen

Zukünftig werden es Raubkopierer ein bisschen schwerer haben, wenn Apple mit einem Patentantrag erfolgreich ist. In dem vor wenigen Tagen eingereichten Formular wird ein Infrarotsensor beschrieben, der im iPhone oder iPad installiert wird und auf Signale in der Umgebung reagiert. Sind zum Beispiel in einem Kinosaal oder einer Konzerthalle Sender installiert, die bestimmte Signale aussenden, empfängt sie das Apple-Gerät und legt Funktionen wie Video- und Tonaufnahmen lahm. Womit Konzertmitschnitte ebenso unmöglich wären wie die Erstellung von Wackelfilmchen, wie sie die Tauschbörsen meist unmittelbar nach dem Kinostart eines Blockbusters fluten.

Abgesehen von dieser Art der Stummschaltung können Kinobetreiber oder Konzertveranstalter mit der Infrarottechnik auch sanftere Maßnahmen zum Urheberrechtsschutz vornehmen. So ließen sich für jeden sichtbare Wasserzeichen in Bildmotive einfügen.

Online-Gamer gegen somalische Hochseepiraten

Vor der Küste Somalias machen Hochseepiraten der Schifffahrt das Leben schwer. Immer wieder werden Fracht- oder Passagierschiffe Ziel von Angriffen und Entführungen. Um dieser Plage Herr zu werden, setzte die US-Navy bislang schon Kriegsschiffe und Scharfschützen ein. Jetzt sollen Internet-Gamer die Truppe verstärken. Allerdings setzt das Marineforschungsamt keine normalen Nerds vor die Computer. An den Rechnern sitzen Experten und Analysten, um im virtuellen Umfeld einer Spielsimulation strategische Modelle durchzuspielen, wie sie auch im größten Konferenzsaal des Pentagon nicht unterzubringen wären, schon wegen der Zahl der Beteiligten.

Mit diesem Multiplayer-Game, angereichert durch Elemente sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter, sollen die Teilnehmer verschiedene Angriffsszenarien durchspielen. "Wir sind hier viel zu abgeschottet", so der Forschungsleiter Lawrence Schuette im "Sydney Morning Herald". "Man will natürlich immer Teilnehmer mit unterschiedlichem Hintergrund und Denken dabeihaben. Wo diese Unterschiede aufeinandertreffen, entsteht Kreativität. Der Vorteil des Online-Crowdsourcing liegt auf der Hand: es gibt viel mehr unterschiedliche Hintergründe und Möglichkeiten, einander zu begegnen."

Dass dieses Konzept nicht nur leeres Gerede ist, zeigt die Zahl der Teilnehmer. Waren es in einem ersten Pilotprojekt an die tausend Entwickler, die erste Testläufe absolvierten, gibt es für die Hauptphase bereits mehr als 7000 Teilnehmer.

Um sie möglichst unbefangen und ohne Sorge vor möglichen negativen Reaktionen von Vorgesetzten arbeiten und spielen zu lassen, sollen die Gamer anonym bleiben dürfen. "Für Onliner ist das ein alter Hut, aber fürs Militär radikal neu", so Schuette.

Auch das noch:

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
neon.apocalypse, 06.06.2011
1. frankreich...
Zitat von sysopDie Namen von Social Networks dürfen in Frankreich nur noch unter ganz bestimmten Bedingungen im Fernsehen und Radio*genannt werden; die syrische Regierung macht das Internet erst aus, dann wieder an und bekommt Ärger mit der Anonymous-Guerilla. Das und mehr in unserem Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,766832,00.html
Mit Verwunderung habe ich registriert, dass es überhaupt möglich ist, den Name "Facebook" in Frankreich zu führen, dachte, es müsse per Gesetz "livre de visage" oder so ähnlich heissen.
G. Donner-Wetter, 06.06.2011
2. .
Das ist sehr vernünftig. Keiner käme auf die Idee in einer Nachrichtensendung zu sagen "...wenn Sie mehr Informationen brauchen schauen Sie auf einem Sony Bravia XYZ, denn dort stellen wir spezielle Info bereit". Speziell beim Amoklauf von Winnenden wurde twitter z.B. bei n-tv nahezu minütlich erwähnt, obwohl es wohl auf ewig ein Geheimnis von RTL bleiben wird, was man auf twitter lesen könnte was man woanders nicht mitbekommen kann, zumal die reduzierte Zeichenzahl einer Information hinderlich ist. Twitter und Facebook werden sich auch in absehbarer Zeit von selbst erledigen, wie ihre unangreifbaren und niemals wegzudenkenden Hard- und Soft-Vorgänger Commodore, Sinclair, Atari, diverse Hersteller von MSX-Rechnern, NeXT, OS/2, 3dfx, altavista, yahoo, Compuserve, AOL, icq usw. Daß aber Marktführer auch noch kostenlos (?) von den Nachrichten hofiert werden wie es derzeit ganz selbstverständlich passiert, das ist unter Wettbewerbsgesichtspunkten ein starkes Stück.
toshpeter 06.06.2011
3. Gratuliere, Apple!
---Zitat--- In dem vor wenigen Tagen eingereichten Formular wird ein Infrarotsensor beschrieben, der im iPhone oder iPad installiert wird und auf Signale in der Umgebung reagiert. Sind zum Beispiel in einem Kinosaal oder einer Konzerthalle Sender installiert, die bestimmte Signale aussenden, empfängt sie das Apple-Gerät und legt Funktionen wie Video- und Tonaufnahmen lahm. ---Zitatende--- Da werden sich noch ganz andere drüber freuen. Totalitäre Regime und kriminelle Organisationen etwa. Ein wichtiger Schritt zur totalen Kontrolle über die Benutzer. Gratuliere.
G. Donner-Wetter, 06.06.2011
4. .
Zitat von toshpeterDa werden sich noch ganz andere drüber freuen. Totalitäre Regime und kriminelle Organisationen etwa. Ein wichtiger Schritt zur totalen Kontrolle über die Benutzer. Gratuliere.
Unabhängig von den nachvollziehbaren Interessen der Rechteinhaber, man stelle sich vor auf die Idee wäre Microsoft vor ein paar Jahren gekommen- man hätte die Übernahme der Weltherrschaft made in Redmond beschworen und die damaligen Mac-User in der pre-I-Ära hätten missioniert daß ihr Steve Jobs doch einer von ihnen ist und sich für solche totalitären Diktatorenträume niemals erwärmen könnte, eher eine Art Software-Che-Guevara im finalen Kampf gegen den Windows-Imperialismus sei. "Als Mac-User werde ich respektiert und nicht bevormundet wie Ihr Windows-Sklaven... Apple ist wie eine große Familie...bla..." Ick lach mer 'n Ast. Aber auch diesmal wird es einen Grund geben warum dieser Eingriff in die Nutzung einer teuer bezahlten Hardware nicht negativ zu sehen ist, denn der Apfel-Jesus hat ihn seinen Jüngern verkündet.
instant_karma 07.06.2011
5. .
Apple will Bootleg-Sperre fürs iPhone patentieren lassen Zukünftig werden es Raubkopierer ein bisschen schwerer haben, wenn Apple mit einem Patentantrag erfolgreich ist ...und, was soll das? wer kauft ein handy das von außen von fremden ausgeschaltet werden kann? ... ganz ehrlich wie will man dieses "feature" einem kunden verkaufen? das würde mich mal interessieren, ganz ehrlich! oder soll es dann, im falle des falles eine bezahlfunktion geben die das sehr schlaue telefon dann wider entsperrt ... ich hoffe wirklich das die menschen über kurz oder lang schlauer beleiben als ihre telefone und solch einer technologie ein "nein" entgegen schmettern.
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