Netzwelt-Ticker: Gericht verbietet Überwachung von Website-Besuchern

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Ein Gericht urteilt: Daten von Web-Surfern dürfen nur kurz zwischengespeichert werden. Sobald sie eine Website verlassen, müssen ihre Daten gelöscht werden. Ausgerechnet das Bundeskriminalamt soll anders gehandelt haben. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.

Das Bundeskriminalamt registriert und speichert nach einem Bericht des "Tagesspiegel" seit September 2004 die IP-Adressen aller Besucher ihrer eigenen Website zur "Militanten Gruppe". Damit wollten die Beamten "möglicherweise relevante IP-Adressen", mit denen Rechner im Internet identifiziert werden, sammeln.

Gerichtsurteil: Nutzerdaten dürfen nur bis zum Ende eine Surf-Session gespeichert werden
DPA

Gerichtsurteil: Nutzerdaten dürfen nur bis zum Ende eine Surf-Session gespeichert werden

Auch versuchte das BKA laut "Tagesspiegel", einen Teil der Website-Besucher zu identifizieren, indem sie Auskünfte bei der Telekom und der spanischen Telefonica beantragten. So ein Vorgehen nennt man einen Honeypot, einen Honigtopf, auslegen. Wer die BKA-Website besucht – egal ob ganz normaler Surfer, Lehrer, Journalist oder Schüler – macht sich automatisch verdächtigt, allein dadurch, dass er in den Honigtopf gefallen ist.

Falls das BKA wirklich die Besucher seiner eigenen Website überwacht, verstößt es damit allerdings gegen ein Grundsatzurteil des Amtsgerichts Berlin Mitte, welches dem Bundesjustizministerium untersagt, das Verhalten der Besucher des Internetportals des Ministeriums aufzuzeichnen. Laut Jurist und Datenschützer Patrick Breyer ein Urteil mit weitreichenden Folgen für die Internetbranche und die Politik.

Wer wissen will, wie es um die Datensammelwut seiner Lieblings-Webseite bestellt ist, sollte deren Datenschutzerklärung ausführlich studieren. Wird zu viel gespeichert, hilft nur eine Klage. Ist die Datenschutzerklärung ungenau, kann man den Betreiber schriftlich um Erklärung bitten. Wie das alles geht, erläutert Breyer auf Daten-speicherung.de.

AT&T: Wer meckert, fliegt

Der US-Telekommunikationskonzern AT&T hat seine Nutzungsbedingungen erneuert. Ein Passus sorgt bei vielen Kunden für Verwunderung und Ärger. Kann es wirklich sein, dass die Firma ihren Kunden droht, ihnen bei Kritik am Unternehmen die Leitung zu kappen?

AT&T behält sich in Abschnitt 5 seiner Nutzungsbedingungen vor, jedem den Service vorzuenthalten, dessen Verhalten "dazu tendiert, den Namen oder den Ruf von AT&T […] zu schädigen". Sprich: Wer AT&T kritisiert, fliegt raus!

Kann das sein? Ars Technica zeigt sich skeptisch: Würde das Unternehmen tatsächlich den Autor eines kritischen Blog-Eintrags aus seinem Netz wegzensieren, nähme das Ansehen der Firma durch den Wirbel, den eine solche Aktion verursachen würde sicher mehr Schaden, als der Blog-Eintrag je verursachen könnte. Mal ganz vom fragwürdigen rechtlichen Status der Regelung abgesehen.

Zudem war der US-Telco bereits im August kritisiert worden, als die Live-Übertragung eines Konzerts der Rockband Pearl Jam just in dem Moment unterbrochen wurde, als die Band Bush-kritische Texte sang?

Radiohead: Neues Album zuerst im Web

Es gibt in London einen Online-Plattenladen mit einem ganz eigentümlichen Konzept: Der Käufer bestimmt den Preis, die Hälfte vom Geld bekommt der Künstler. Und das ganze funktioniert auch noch, Verlag, Künstler und Kunden sind glücklich.

Den Pophelden von Radiohead scheint dieses Konzept (Firmenclaim: "Wir sind nicht böse") zu gefallen. Denn das neue Album der Band ("In Rainbows") soll es vorerst nur zum herunterladen aus dem Netz geben . Vorbestellungen werden ab sofort angenommen, der Download soll am 10. Oktober freigeschaltet werden. Auf CD hingegen soll das Album erst ab Dezember verfügbar sein, dann aber inklusive der Download-Version verkauft werden.

Der Clou: Den Preis für die Musikdateien bestimmt der User selbst. Zur Sicherheit hat die Band ein Fragezeichen neben das leere Preis-Feld gestellt. Wer es anklickt, wird beschwichtigt: "Das liegt ganz an Dir." Wer noch einmal klickt, erfährt: "Es liegt wirklich ganz allein an Dir!"

Olympia-Betrüger: Höher, schneller, cleverer

Wer fällt eigentlich auf die "Sie haben gewonnen"-Spam-Anrufe, -Mails und -Briefe herein? Und was für üble Zeitgenossen verschicken die eigentlich? Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von einem dieser Leute, der jetzt in China festgenommen wurde.

Der 20-jährige IT-Profi kopierte die Website der Olympischen Spiele und lockte Besucher mit einem vermeintlichen Gewinn. Wer sich als Sieger wähnte, sollte 10 bis 20 Prozent der Gewinnsumme, wahrscheinlich "zur Sicherheit", erstmal auf das Bankkonto des Betrügers überweisen. Er muss reichlich Opfer gefunden haben. Der Betrüger war der Gewinner – und sackte rund 37.000 Euro ein.

Netzproteste für Burma

Blogger planen am Donnerstag weltweite Proteste gegen die Militärjunta in Burma. Heise.de fasst zusammen: Robert Basics Aufruf zum Blogger-Protest im Basic Thinking Blog; ein Wiki zur Organisation der Proteste , die Free-Burma-Website und ein Nachrichtenticker zur aktuellen Lage.

Wer nicht schweigen, sondern aktiv teilnehmen will, kann auch über Amnesty International an einer sogenannten Urgent Action teilnehmen und burmesischen Ministern, Polizeichefs oder Staatsanwälten einen Brief schreiben: Musterbriefe, Adressen und Vorschläge gibt es bei Amnesty.de.

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