Netzwelt-Ticker: Google feuert seine Diener

Von Felix Knoke

Google-Mitarbeiter haben Privilegien - private Diener gehören aber nicht mehr dazu. Außerdem im Überblick: Geocities bekommt ein Wolkenkuckucksheim, Apple regiert das Tablet, nicht aber das Smartphone-Reich, ein Boykott-Aufruf gegen die Video-Barbie.

Butler beim Appell: Google-Mitarbeiter müssen sich jetzt wieder selbst helfen. Zur Großansicht
Corbis

Butler beim Appell: Google-Mitarbeiter müssen sich jetzt wieder selbst helfen.

Inmitten des Kampfes der großen IT-Firmen um die besten Mitarbeiter hat Google beschlossen, seinen Angestellten die Diener zu streichen: Ab sofort, so will es der Lästerblog "Valleywag" aus erster Hand erfahren haben, helfen keine Dienerlein mehr bei der Erledigung lästiger Privataufgaben, führen den Hund aus, holen die Geburtstagstorte aus der Bäckerei oder polieren den Segway.

Dienstmädchen und Laufburschen für Google-Mitarbeiter? War ja nur ein Testlauf. Die amerikanische Firma TaskRabbit vermittelt Privatleuten und Firmen Helferlein, und Google kaufte ein Probe-Abo für seine Angestellten. Ganz so, wie viele andere Firmen mit Solarium-, Fitnessstudio- oder Gourmet-Snack-Gutscheinen für gute Stimmung bei den Arbeitern und Arbeiterinnen zu sorgen versuchen.

Warum aber hat Google diesen Service wieder eingestellt? Vielleicht, spekuliert "Valleywag"-Blogger Ryan Tate, will das Internet-Unternehmen ja einfach nicht als ein Unternehmen gesehen werden, das Billiglohn-Arbeiter anstellt. Und ganz davon abgesehen gebe es ja noch immer Pförtner, die einfache Aufgaben für die Mitarbeiter erledigen: Restaurant-Reservierungen, Theaterkarten ...

Geocities bekommt ein Wolkenkuckucksheim

"Gerade kann man das ganze Geocities in einer einzigen 652 Gigabyte großen Datei über Bittorrent herunterladen", schreibt "Wired"-Epicenter-Blogger Scott Gilbertson milde euphorisch. Geocities, das war Mitmachnetz, bevor Modebegriffe wie Web 2.0 oder Blogosphäre im Umlauf waren - bis Yahoo diesen riesigen Schatz ungezügelter menschlicher Kreativität von oft erstaunlich niedrigem Niveau, wenn auch oft unheimlich liebevoller Herangehensweise, Ende 2009 schloss.

Wer sich dieses halbvolle Terabyte Internetgeschichte nicht herunterladen will, findet auf reocities.com, geociti.es, geocities.ws und oocities.org wundersamerweise Archive voller blinkender, Midi-piepsender, in lustigen Schriften beschriebener Klickibunti-Websites. Und wem das noch nicht reicht, dem drängt sich förmlich der Geocities-izer auf, der zeigt, wie heutige Websites damals geblinkt und geblitzt hätten. Aber Vorsicht, das ist nichts für empfindliche Gemüter.

Apple regiert das Tablet-Reich ...

Computerhersteller Apple ist Marktführer in Sachen Tablet-Computer: Das iPad hatte im dritten Quartal 2010 einen Tablet-Marktanteil von 95 Prozent, während Tablet-Computer, auf denen Googles Android-Betriebssystem läuft, nur 2,3 Prozent ausmachen. Das ist die wenig überraschende Einsicht der Markforscher Strategy Analytics. Schon eher interessant sind absolute Zahlen: Von den im letzten Untersuchungszeitraum verkauften 4,4 Millionen Tablets entfielen 4,19 Millionen auf Apples iPad. Bleibt abzuwarten, ob sich dieses Verhältnis umkehren wird, sobald mehr Alternativen zum iPad auf dem Markt sind.

Denn beim iPhone ist das längst so: Da überholen günstige Android-Geräte die Apple-Luxusware im Rennen um Marktanteile.

... und Apple will noch mehr - mit dem iPhone 5

Glaubt man Gerüchten auf Cultofmac, dann wird Apple einen Nahfeld-Chip im neuen iPhone 5 einbauen - und das iPhone 5 damit nicht nur zu einem elektronischen Geldbeutel, Ausweissystem und Kuppler machen, sondern auch zu einer Transportbox für den Heimcomputer. Diese Gerüchte haben sich schon im August angekündigt, als Apple Experten für NFC suchte.

Near Field Communication, NFC, ist ein Übertragungsstandard zum drahtlosen Austausch von Informationen über kurze Strecken.

Bedeutet für Apple: Hält man das iPhone 5 an seinen Mac, lädt dieser aktuelle Änderungen des Benutzerkontos auf das iPhone - hält man dieses nun an einen fremden Mac, kann man von ihm aus mit dem eigenen Benutzerkonto weiterarbeiten. Cultofmac.com erklärt ausführlicher, was mit NFC möglich ist.

Psychologin ruft zum Barbie-Boykott

Kaum zu glauben, dass Spielzeug- und Waffenhersteller Mattel tatsächlich eine Barbie-Puppe mit eingebauter, funktionsfähiger Spionagekamera auf den Markt bringt. Im "Sydney Morning Herald" schütteln eine australische Psychologin, ein Verbraucherschützer und ein Bürgerrechtler gemeinsam den Kopf darüber, welches Unheil die Video-Barbie, in deren Vinylkörper eine Minikamera eingelassen ist, in ein Kinderzimmer bringen kann. Dagegen helfen nur bessere Privatsphären-Gesetze, sagt der Verbraucherschützer, nur bessere Eltern, sagt die Psychologin, und eigentlich gar nichts, sagt der Bürgerrechtler: Es gibt schon so viele Minikameras, in jedem Handy, an jedem Computer - da bringe das Verbot einer Video-Barbie doch auch nichts mehr.

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1. !
Wer ich wirklich bin 03.11.2010
Der angebliche Marktanteil von 95 % ist natürlich Quatsch. Bei amazon.de ist das Galaxy Tab führend. Danach kommt das WeTab. Der ipad-Hype ist also vorbei, bevor er richtig angefangen hat. Und das, obwohl die interessantesten Tablets (Archos, Notion Ink, ExoPC) noch gar nicht auf dem Markt sind. Fazit: Netter Versuch von Apple, aber leider zu wenig.
2. Wer braucht schon Schiefertafeln?
Mort 03.11.2010
Zitat von Wer ich wirklich binDer angebliche Marktanteil von 95 % ist natürlich Quatsch. Bei amazon.de ist das Galaxy Tab führend. Danach kommt das WeTab.
Die amazon.de-Zahlen als repräsentativ annehmen zu wollen ist allerdings auch Quatsch. Interessant finde ich aber auch die absoluten Zahlen. 4,4 Mio. iPads in einem Quartal weltweit, und da macht man einen Medienhype drum als würde nahezu jeder damit rumrennen. Dabei habe ich eher den Eindruck, die Hälfte der Geräte wurde als Testgerät gekauft - von Verlagen, Blogs, (potentiellen) Software-Anbietern, ... ---Zitat--- Der ipad-Hype ist also vorbei, bevor er richtig angefangen hat. Und das, obwohl die interessantesten Tablets (Archos, Notion Ink, ExoPC) noch gar nicht auf dem Markt sind. ---Zitatende--- Nur hat Apple immerhin noch den Vorteil des Marken-Hypes. Konkurrenten müssen mehr bieten als ein hippes "Wow-wie-cool"-Gerät mit Markenzugkraft. Aber da stecken Tablets generell weiterhin eher ungünstig zwischen Smartphones (passen in die Tasche, hat man eh immer dabei) und Netbooks (richtige Tastatur, leistungsfähiger, etwa gleichgroß). (Und wer je 'nen eReader mit eInk benutzt hat, wird über Tablet-Reader ohnehin nur den Kopf schütteln. Erst recht, wenn sie so unhandlich groß sind wie das iPad.) Zudem kommt im Bereich "gelegentliches Surfen im Wohnzimmer" auch noch Konkurrenz durch Konzepte wie Google TV. Auch wenn ich dessen Chancen absolut nicht einschätzen kann.
3. Wieder so'n Schlaule...
Parismatique 03.11.2010
Zitat von Wer ich wirklich binDer ipad-Hype ist also vorbei, bevor er richtig angefangen hat. Und das, obwohl die interessantesten Tablets (Archos, Notion Ink, ExoPC) noch gar nicht auf dem Markt sind.
Tablets sind seit dem vergangenen Jahrhundert auf dem Markt. Nur hat es bis Apple keiner geschafft, für die Dinger Käufer oder gar Nutzer zu finden. Nicht HP, nicht Microsoft, nicht die Asia-Connection. Im Schatten der iPad-"Hype" kommen sie jetzt alle wieder aus ihren Löchern hervor und versuchen auf den Zug aufzuspringen, der nach wie vor von Apple gezogen wird. Die aufgeführten Hobel als "interessant" oder gar "interessantest" zu bezeichnen, grenzt an Heldenmut. Keiner der Tablets, die sich bisher an die Öffentlichkeit gewagt haben, kommt an die Nutzerfreundlichkeit, Rundumqualität und Intelligenz eines iPads auch nur annähernd heran. Es handelt sich halt um Kisten, die aus den üblichen elektronischen Ersatzteilen zusammengeschustert sind und an denen die Innovation spurlos vorüber gegangen ist. Apple hingegen hat nicht nur eine Bedienoberfläche entwickelt, die viel kopiert und nie erreicht ist, sondern auch die entscheidenden Bauelemente neu entwickelt und dem iPad von Anfang an ein virulentes Ökosystem mitgegeben. Bei den genannten Tablets ist nichts davon zu erwarten. Dafür haben sie alle Flash und eine Batterie, die nach siebeneinhalb Minuten ausgepowert ist. Netter Versuch eines Microsoft-Trolls, aber leider viel zu durchsichtig.
4. Woher kommen die Zahlen?
herwighenseler 01.01.2013
Laut eigener Aussage (http://images.apple.com/pr/pdf/q3fy12datasum.pdf) hat Apple in Q3/2012 17,1 Mio iPads verkauft. Woher kommt die Zahl 4,4 Mio?
5.
hennesheinrich 02.01.2013
Zitat von herwighenselerLaut eigener Aussage (http://images.apple.com/pr/pdf/q3fy12datasum.pdf) hat Apple in Q3/2012 17,1 Mio iPads verkauft. Woher kommt die Zahl 4,4 Mio?
Die 4,4 beziehen sich auf Q3/2010.
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Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.


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