Netzwelt-Ticker: Google-Mitarbeiter lästert über Google+
Erst Buzz, dann das lächerliche Plus: Mit Netzwerken hat es Google nicht so, findet Ingenieur Steve Yegge. Doof nur, dass er seinen ausführlichen Meckertext nicht intern veröffentlicht hat. Außerdem: zockende Drohnenpiloten, Dennis Ritchie, digitale Leseratten und Geld für Diaspora.
In der englischen Sprache gibt es ein Sprichwort: "Eat your own dogfood", was wörtlich übersetzt "Iss Dein eigenes Hundefutter" bedeutet. Tatsächlich ist es ein Leitsatz für Unternehmen, die Produkte der eigenen Marke auch ausführlich selbst nutzen. Ausgerechnet im Hause Google wird diese Maxime derzeit nicht eingehalten. Anders als Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der seine Schöpfung intensiv nutzt, behandeln führende Googler ihr soziales Netzwerk Google+ geradezu stiefmütterlich, wie vor wenigen Tagen schon diese Grafik zeigte.
Da dürfte es wenig überraschen, dass sich so mancher Mitarbeiter aufregt. Steve Yegge zum Beispiel, der jedoch mit den Einstellungsmöglichkeiten von Google+ nicht ganz so vertraut zu sein scheint. So kam es, dass er seine jüngste Schimpftirade statt einem geschlossenen Kreis von Kollegen der Öffentlichkeit zugänglich machte. Darin fallen Begriffe wie "lächerlich" und "kurzsichtig", das Netzwerk wird als undurchdachte Kurzschlussreaktion beschrieben.
Yegge löschte den Beitrag recht schnell wieder, der jedoch vorher vielfach geteilt wurde und deshalb unter anderem hier weiterhin auffindbar ist. Zusammengefasst argumentiert der Ingenieur, das Unternehmen habe halbherzig gearbeitet und mit Google+ ein unfertiges Produkt auf den Markt gebracht. Die eingangs erwähnte Hundefutter-Formel möchte Yegge demnach umgestalten in: Starte mit einer Plattform und nutze sie für alles. Google beherrscht nach seinem Verständnis das Plattform-Denken nicht, das Facebook oder Amazon auszeichnet.
Vater der Programmiersprache C ist tot
Der preisgekrönte Informatiker Dennis Ritchie ist offenbar gestorben. Ein ehemaliger Kollege verbreitete die Nachricht via Google+. Ritchie war Miterfinder von Unix und hat die Programmiersprache C mitentwickelt, weshalb er vielen als Wegbereiter des modernen Computerzeitalters gilt. Bei Twitter und in anderen Netzwerken finden sich vermehrt verärgerte Kommentare darüber, dass Ritchie einen viel größeren Einfluss gehabt habe als Steve Jobs, doch kaum über ihn berichtet worden sei.
Spielten Drohnen-Piloten "Mafia Wars"?
Lästig, aber keine Gefahr für laufende Operationen: So hat sich die US-amerikanische Luftwaffe jetzt erstmals offiziell zu dem Virenbefall auf Rechnern der Luftwaffenbasis Creech geäußert. Von den Computern werden US-Kampfdrohnen unter anderem im Irak und Afghanistan gesteuert. Seit rund zwei Monaten soll der Stützpunkt bereits mit dem Problem kämpfen.
Jetzt sei klar, dass es sich nicht um einen gezielten Angriff handele, berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Vertreter des US-Militärs, sondern um eine zufällige Infektion mit einem Virenprogramm. Als sei das nicht für eine High-Tech-Einrichtung nicht entlarvend genug, erklärt laut AP ein Militärvertreter sogar, es handele sich dabei um gewöhnliche Malware, wie sie von Kriminellen in Online-Games eingesetzt werde, um Login-Daten abzugreifen. Konkret nennt er das Spiel "Mafia Wars". Es gab zunächst keine unabhängige Bestätigung für diese Behauptung.
Die Luftwaffe gab offiziell Entwarnung, was mögliche schädliche Auswirkungen auf laufende Einsätze angeht. Sprecherin Kathleen Cook sagte, der Virus habe eine kleine, externe Festplatte befallen, mit der Informationen zwischen den System der Basis transferiert würden. Das namenlose Ungemüt hat dem Militär zufolge nicht das Drohnen-Programm im Visier, sondern sitzt in einem System unter anderem für Notfallstromreserven. Behoben scheint das Problem noch nicht zu sein.
Keiner ist so stark wie das iPad
Sieben Prozent des Web-Traffics in den USA entstehen dieser Tage auf mobilen Geräten. Das hat eine Studie von ComScore ergeben. Auch wenn das Marktforschungsunternehmen keine Zahlen für einen verlässlichen Vergleich vorlegt, dürfte bereits aus anderen Forschungen klar sein, dass die mobile Nutzung steigt. Eine interessante Erkenntnis aus der aktuellen Erhebung: 97,2 Prozent des Tablet-Traffics stammt von iPads. Apples Tablet-PC macht damit inzwischen sogar einen größeren Anteil aus als iOS-Geräte wie das iPhone.
Kindle macht die Deutschen zu Leseratten
Das sollte Technikskeptiker, die an einen Untergang der literarischen Welt durch elektronische Lesegeräte glauben, vom Gegenteil überzeugen: Deutsche Kunden, die auf dem Kindle lesen, kaufen durchschnittlich dreimal so viele Bücher wie zu der Zeit, als sie noch keinen Kindle besaßen. Das teilte Amazon am Donnerstag mit. Der Kindle-Shop bietet derzeit mehr als 800.000 Bücher, darunter aktuell 78 Titel der 100 SPIEGEL-Bestsellerliste und mehr als 40.000 deutschsprachige Bücher.
Auch das noch:
- Zum Facebook-Killer hat es die offene Netzwerk-Alternative Diaspora bislang nicht gebracht, dafür waren die Spenden in der ersten Runde dann möglicherweise doch zu gering. Jetzt startet das Unternehmen einen neuen Versuch an Geld zu kommen. Überhaupt ist es im Silicon Valley gerade nicht leicht, Start-up-Gelder zu akquirieren, schreibt in einem verwandten Thema das "Wall Street Journal".
- Falsche App unterwegs: Im Android Market zirkuliert eine schädliche Anwendung, die täuschend echt den Streaming-Service Netflix imitiert.
- Der Skype-Microsoft-Deal sollte so gut wie in trockenen Tüchern sein, aber wie genau der Voice-over-IP-Dienst schließlich beim neuen Eigner genutzt wird, ist unklar. "Ars Technica" fasst zusammen, was sicher ist und spekuliert über weitere mögliche Anwendungsfälle.
- Berichten zufolge ist Apple in Verhandlungen mit Filmstudios, um Hollywood-Blockbuster in die Cloud zu bringen.
- Microsoft hat alle Hände damit zu tun, die radikalen Veränderungen beim nächsten Betriebssystem, Windows 8, zu erklären. In einem Blogpost zeigt nun eine Entwicklerin, wie das Unternehmen bereits auf erste Kritik eingeht und dem neuen Windows eine Erweiterung hinzufügt.
- Foursquare erweitert seinen Service um eine Funktion namens Radar - die den Dienst "grundlegend" verändern werde, schreibt "VentureBeat".
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- Donnerstag, 13.10.2011 – 13:53 Uhr
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- Kommentieren | 21 Kommentare
- Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.













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