Netzwelt-Ticker Google umgeht Mobilfunkanbieter

Google erfindet mal wieder das Offensichtliche: Ein Handy, das von sich aus die günstigste, beste Mobil-Verbindung herstellt. Außerdem beschweren sich Indies über MySpace Music und Briten verlieren die Daten von 11.000 Lehrern. Das und mehr im Überblick.

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Google beweist wieder einmal Souveränität und erfindet das Offensichtliche: Ein Handy, das von sich aus die günstigste Mobil-Verbindung herstellt – abhängig von der jeweiligen Situation; sei es per Handy-Netz, WiMax oder über einen drahtlosen Internetzugang für Voice-over-IP. So zumindest steht es in einem Patent-Antrag, den Google-Schnüffler ausfindig machten.

Google-Gründer Larry Page, und Sergey Brin bei der Vorstellung des Google-Handys T-Mobile G1: Ihr neues Patent könnte Mobilnetzbetreibern das Leben schwer machen
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Google-Gründer Larry Page, und Sergey Brin bei der Vorstellung des Google-Handys T-Mobile G1: Ihr neues Patent könnte Mobilnetzbetreibern das Leben schwer machen

Googles Patent ist ein Angriff auf Mobilfunkanbieter und ihr Lilalaune-Land der zweijährigen Vertragslaufzeiten und Komplettpakete. Statt einer Hochzeit mit einem Mobilfunkanbieter will Google die Vorteile der Polygamie eröffnen: Die günstigsten Daten gibt's hier, die besten Gesprächspreise dort, Textnachrichten kostenlos übers Netz. Solche Freiheiten gibt's heute nicht - zum Glück für die Mobilfunkanbieter. Die würden ihren Kunden natürlich nie die Wahl des günstigsten, besten Anbieters überlassen.

Aber Google hat einen Trumpf in der Hand – zumindest in den Vereinigten Staaten: Zugang zu den Funknetzen, die sich auf den ehemaligen TV-Frequenzen tummeln sollen. Zwar verlor Google im Sommer letzten Jahres die Auktion (Einsatz: 4,6 Milliarden Dollar) um die entsprechenden Frequenzen, sicherte sich aber gewisse Zugangsrechte. Damals war noch nicht ganz klar, was Google mit den Frequenzen vorhaben könnte.

Das sieht jetzt anders aus: Mit ihnen kann Google getrost auf das klassische Mobilfunknetz verzichten, Handy-Gespräche über die neue Welle abwickeln und einen drahtlosen Breitbandzugang für Mobilgeräte anbieten. Der klassische Vertrag mit dem Mobilfunkanbieter wäre dann nur noch Mittel zum Zweck, um günstig an ein subventioniertes Handy zu kommen.

Musik-Tauscherin bekommt zweite Chance

Der laut ORF Futurezone "bisher spektakulärste Filesharing-Fall der USA" muss neu aufgerollt werden, entschied ein US-Gericht. Die Krankenschwester Jammie Thomas sollte zunächst 222.000 Dollar Strafe zahlen, weil sie 24 Songs in einer Tauschbörse angeboten hatte.

Weil Richter Michael Davis mit falschen Hinweisen die Geschworenen beeinflusst hatte, wird das Verfahren jetzt neu eröffnet. Es steht zur Debatte, ob die Musikindustrie beweisen muss, dass bereitgestellte Song-Dateien auch tatsächlich von irgendjemandem heruntergeladen wurden. Geht es nach den Interessen der Rechte-Industrie, soll die "Bereitstellung" zur Verurteilung ausreichen. Richter Davis in seinem neuen Urteil ( Download als PDF-Datei, 43 Seiten): Dass Thomas für 24 Songs 222.000 Dollar zahlen soll, sei völlig unangemessen und überzogen.

Daten von 11.000 britischen Lehrern verloren

Bei einer britischen Lehrerorganisation ist eine CD mit den Daten von mehr als 11.000 Lehrern verloren gegangen. Der Datenträger sei offenbar verlegt worden, erklärte am Donnerstag der Allgemeine Lehrerrat. Die Informationen seien aber verschlüsselt, finanzielle Angaben nicht gespeichert worden.

In Großbritannien sind in der vergangenen Zeit häufiger Daten in die Öffentlichkeit geraten, weil sie nicht genug gesichert waren. Betroffen davon waren Millionen Menschen. Unter anderem gingen Daten von medizinischen Einrichtungen, Gefängnissen und den Streitkräften verloren. (AP)

Indie-Labels kritisieren MySpace Music

MySpace eröffnet eine Musik-Abteilung und die ganze Welt schreit "Hurra, jetzt sind Indie-Künstler noch mehr bei MySpace zuhause!".

Nicht einstimmen in den Frohgesang will ausgerechnet die Indie-Vertretung Merlin. Der Zusammenschluss von über 12.000 Indie-Labels mit insgesamt circa neun Prozent Marktanteil fühlt sich von MySpace übergangen.

In einem offenen Brief kritisiert Merlin-Chef Chris DeWolfe, gegenüber den Major-Labels ungerecht behandelt zu werden: Die Majors werden an den Einnahmen, die MySpace-Music generiert, besser beteiligt als die Indies. Deswegen machen jetzt unter anderem die Labels Koch, Beggars Group und Domino bei MySpace Music nicht mit, schreibt Hypebot.com. MySpace kommentierte, dass das gar nicht stimme, die Indies hätten genau die gleichen Verträge vorgesetzt bekommen wie alle anderen auch.

Wie auch immer: Unterm Strich bleibt stehen, dass die Vorstellung vom Internet als Utopia für unabhängige Musiker erstmal eine Utopie bleibt.

Erklärung für Kaufrausch bei Online-Auktionen

Apropos "viel zu viel gezahlt": Ein Forscherteam aus Ökonomen und Neurowissenschaftlern der New York University beschreibt in der aktuellen Ausgabe des "Science"-Magazins, warum wir uns bei Auktionen – online wie offline – verzocken: Weil wir schlechte Verlierer sind!

Schlicht die Angst, in einem Spiel zu verlieren, verleite uns dazu, noch und noch ein Gebot abzugeben. Weil auch die meisten anderen schlechte Verlierer sind, freut sich der Dritte, also der Verkäufer, der auch ein schlechter Verlierer ist, das aber nicht merkt, weil in diesem Spiel der Verlierer immer gewinnt. Perfide Sache.

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