Netzwelt-Ticker: Google verlegt ein Webmagazin

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Von wegen kein Inhalte-Anbieter: Google verlegt ein Web-Magazin - es ist schick und erscheint selten. Außerdem im Überblick: David Bowies verschollenes Album "Toy" taucht im Netz auf, der OS-X-Vater verlässt Apple und Nintendo zögert bei 3D-Spielen.

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Online-Magazin: Google verlegt das Hausmagazin "Think Quarterly"

Google versucht es mit einem eigenen Magazin, natürlich im Netz. "Think Quarterly" soll ständig gestressten Hochgeschwindigkeitssurfern vier Mal im Jahr eine Verschnaufpause sein: mit intellektuellem Journalismus zu einem interessanten Thema pro Ausgabe.

Das Thema der von einer Londoner Coprporate-Publishing-Agentur produzierten Erstausgabe: Daten. Wie können Daten leisten, was sind überhaupt Daten und wie geht man am besten mit Daten um? All diese Fragen versuchen prominente Journalisten und Interview-Partner in relativ kleinen Info-Häppchen zu beantworten. Die Texte gibt's als hübsch gemachtes, statisches Browser-Magazin zum Durchblättern oder als ganz normale Web-Texte zum Scrollen - wer sich von Google eine neue Idee zur journalistischen Aufbereitung von Informationen im Netz erhofft, kann sich den Besuch sparen. Solche Blätter-Apps gibt es schon zuhauf.

Das Magazin ist nur eines von vielen Kundenmagazinen, wie sie jede größere Firma anbietet. Ein hübscher Zeitvertreib - aber jede etwas durchdachtere Google-Suchanfrage könnte Interessantes zutage bringen. Und zwar nicht nur vier Mal im Jahr.

Unveröffentlichtes David-Bowie-Album geleakt

David Bowies unveröffentliches Album "Toy" ist überraschend als Leak in Tauschbörsen und Musikblogs aufgetaucht, schreibt der "Rolling Stone". Zehn Jahre lang staubte Davis Bowies Album "Toy" unveröffentlicht auf irgendwelchen Computern oder Studioschränken vor sich hin. Ein Streit mit dem Plattenlabel Virgin verhinderte die Veröffentlichung der Neuaufnahmen von Bowies Frühwerk. Wie konnte es dann zu dem Leak kommen? Das Filesharing-Blog TorrentFreak hat sich auf Spurensuche gemacht - und dabei eine Filesharing-Geschichte aufgedeckt, wie sie typisch für die privaten Tauschbörsen und Untergrund-Szeneportale ist: Dort fallen größtes Fantum und Urheberrechtsverletzungen am Fließband zusammen; ein Dienst am Werk, aber auch ein Schaden des Künstlers?

In diesem Fall sieht es so aus: Irgendwelche Raubkopierer verkauften CD-Kopien von "Toy" über Online-Auktionen. Ein Bowie-Fan konnte nicht mit ansehen, dass andere Leute mit seinem Idol Geld machen - und lud die Stücke in ein privates Tauschforum, von wo aus es sich rasch weiterverbreitete. Jeder soll haben können, womit wenige Schurken Geld verdienen wollen - ist das jetzt Selbstjustiz oder eine Satire auf Plattenfirmen?

Vater des Mac-OS-X verlässt Apple

Für die Kündigung bei Apple hätte sich Bertrand Serlet kaum einen besseren Zeitpunkt aussuchen können: Zum zehnjährigen Jubiläum des Apple-Betriebssystems Mac OS X verlässt dessen Vater den Computerkonzern. In einem Statement erklärt Serlet, dass er sich wieder mehr der Wissenschaft widmen möchte. Das Betriebssystem sei in guten Händen und die nächste OS-X-Version "ein toller Release."

Nintendo erhofft sich mehr Reichweite von weniger 3-D

Nintendo befürchtet, dass die 3-D-Funktion der Handheld-Spielkonsole Nintendo 3DS potentielle Kunden vergraulen könnte. Zukünftig werde man darauf achten, keine Spiele mehr zu entwickeln, die auf 3D als zentrales Spiel-Element setzen. "Nicht jeder Mensch kann 3D sehen", erklärte 3DS-Produzent Hideki Konno dem GameLife-Blog von Wired.com: "Wir entfernen uns deswegen von der Haltung, dass man ohne 3D-Funktion bestimmte Spiele nicht spielen kann." Heißt: Zukünftig sollen alle 3D-Titel auch in 2D funktionieren. 3D ist damit nur mehr eine ästhetische Sache und für Gameplay-Experimente tabu, bemängelt Ars Technica.

Eine gemeine Lesart, denn in Wirklichkeit nimmt Nintendo Barrierefreiheit ernst - und das sollte über einem merkwürdigen Ideal der Spiele-Innovation stehen.

Unterhalten sich zwei Künstliche Intelligenzen in der Bar ...

Das Gespräch beginnt typisch für eine halbluzide Unterhaltung morgens um halb vier unter der Bar: "Magst du den Film Matrix", fragt Splotchy und Jabberwacky antwortet: "Ich hasses es. Und du?" Splotchy darauf: "Er ist nicht so schlimm, echt." Daraufhin Jabberwacky: "Ich, ich habe ein anderes Problem." Splotchy: "Warum hast du das?" Jabberwacky: "In der Tat. Hast du ein Problem damit?" Splotch: "Mir sind deine Probleme egal." Jabberwacky: "Ich habe viele Probleme." Splotchy: "Wow, wer hat das nicht?" Jabberwacky: "Hast du ein Lieblingsbuch von Vonnegut?" Splotchy: "Ziemlich oft."

Doch was dieses Gespräch von einer Thekenunterhaltung abhebt, ist die Erkenntnis des einen Gesprächspartners, es mit einer künstlichen Intelligenz zu tun zu haben: Denn Splotchy und Jabberwacky sind Chatbots, künstliche Gesprächsintelligenzen, die Blogger Yiran aufeinander ansetzte. Das Gespräch ist witzig, absurd, manchmal traurig, manchmal flirty.

Zum Schluss ist die Unterhaltung von tiefer Melancholie geprägt, als Jabberwacky das Spiel durchschaut, alles gibt und das Gespräch abbricht. Den Chat gibt's natürlich auch als Telefongespräch. Wunderschön.

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Zum Autor
Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.


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