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Netzwelt-Ticker: Google will zurück nach China

Von Carolin Neumann

Zwei Jahre nach dem Bruch mit China wählt Google nun eine neue Strategie. Das Ziel: mit Android das Land erobern. Doch Pekings Internetzensur bleibt ein Problem. Außerdem im Überblick: Facebook lässt Nutzer gemeinsam Musik hören, und MySpace "nähert sich null Nutzern".

Android (beim Mobile World Congress): Google will zurück nach China Zur Großansicht
AP

Android (beim Mobile World Congress): Google will zurück nach China

Genau zwei Jahre nach seiner klaren Absage an die chinesische Internetzensur hat Google öffentlichkeitswirksam neue Ziele für den dortigen Markt bekanntgegeben. Der Konzern will zurück nach China, nachdem er sich 2010 im Verlauf eines heftigen Streits mit der Regierung in Peking größtenteils aus dem Land zurückgezogen hatte.

Jetzt schlägt der Konzern sanftere Töne an, berichtet das "Wall Street Journal" ("WSJ"). Googles Asien-Chef Daniel Alegre sagte demnach in einem Interview, dass der Konzern in mehreren Bereichen Personal aufstocke und an neuen Diensten für chinesische Nutzer arbeite, die von der rigiden Internetzensur des Regimes nicht tangiert würden. Schon im Herbst hatte Google mit der Rabatt-Suchmaschine Shihui einen solchen gestartet.

Außerdem sei eines der großen Ziele für die Volksrepublik: die Einführung des Android Market, der dort zurzeit nicht verfügbar ist. Zwar dominiert Google laut "WSJ" den mobilen Markt mit einem Android-Anteil von fast 60 Prozent, doch Smartphones werden dort ohne den Market oder typische Dienste wie die Google-Suche ausgeliefert. Bislang, so Alegre, gebe es aus den entsprechenden Verhandlungen jedoch nichts zu berichten. Chinesische Beamte reagierten laut "WSJ" zunächst nicht auf Anfragen, die Pläne zu kommentieren.

Google hatte im Januar 2010 genug von den Sperrmaßnahmen der chinesischen Behörden, an der sich jede Firma, die auf dem Wachstumsmarkt aktiv sein möchte, notgedrungen beteiligt. Man werde die Zensur nicht länger mittragen, verkündete Google damals, befeuert durch einen Cyber-Angriff, der mutmaßlich von China ausging. Man verlegte die Suchmaschine nach einigem hin und her schließlich in die Sonderzone Hongkong. Viele sahen darin effektiv den Ausstieg Googles aus dem chinesischen Markt.

Asien-Chef Alegre spricht jetzt von einer pragmatischen Entscheidung, die vor allem angesichts dieser Zahlen wenig überrascht: Offiziellen Angaben zufolge knackte China im vergangenen Jahr die Marke von 500 Millionen Internetnutzern. Das sind (inzwischen wohl mehr als) 500 Millionen Menschen, die Google in sein Daten- und Werbenetzwerk integrieren möchte. YouTube-Klone sind derzeit in China beispielsweise dabei, dem Staatsfernsehen die Zuschauer abspenstig zu machen.

Während einige der derzeitigen Vorhaben nicht an Googles damaligen Anti-Zensur-Entschluss rütteln, ist das in Sachen Market eine ganz andere Sache. Um den firmeneigenen App Store irgendwann auf dem chinesischen Festland einführen zu dürfen - so viel scheint klar -, würde sich der Konzern auch zurück in die Abhängigkeit zu China und damit in die Zensur begeben.

Facebook startet "Listen with"-Feature für gemeinsames Musikhören

Facebook treibt die pausenlose Protokollierung unseres Medienkonsums voran. Seit kurzem werden, zumindest in Ländern mit Spotify-Zugriff, Lieder, die man über den Musik-Streamingdienst hört, direkt auf dem Profil vermerkt. Mit dem neuen Zusatz "Listen with" können miteinander verbundene Nutzer nun auch gemeinsam, also synchron dieselbe Musik hören. "TechCrunch" glaubt, dass neben den Nutzern, natürlich Facebook sowie Streamingdienste mit Abonnement-Pflicht von dem Feature profitieren werden, weil sie so leichter neue Fans erreichen. Die virale Werbung wird gewissermaßen automatisiert von den Nutzern selbst erledigt, ununterbrochen.

YouTube investiert 100 Millionen Dollar in Videoproduktionen

Mit einer millionenschweren Anschubfinanzierung will YouTube mehr professionelle, eigens für die Plattform produzierte Formate auf seine Seiten holen. Dafür gebe die zum Internetkonzern Google gehörende Video-Plattform insgesamt 100 Millionen Dollar an Partner, die eigene Kanäle innerhalb des Angebots mit ihren Videos bestücken sollten, sagte YouTubes Mann für Content-Kooperationen, Robert Kyncl, am Donnerstag auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas.

Das Geld fließt dabei sowohl an aufstrebende Start-ups wie etwa Young Hollywood als auch an Branchengrößen wie den Produzenten der "CSI"-Krimiserien, Anthony Zuiker. Mit der Investition will YouTube den Fernsehsendern weiter Konkurrenz machen. "Wir glauben, dass mit dem Aufstieg des Internets bis 2020 75 Prozent aller Video-Inhalte über das Internet angesehen werden", sagte Kyncl. (dapd)

Auch das noch:

  • Keine besonders ermutigenden Worte vom obersten Cyber-Verteidiger der USA: Im Fall des Falles seien die Systeme nicht zu verteidigen. General Keith Alexander, Chef des US-Geheimdienstes NSA sowie des neuen militärischen Cyber-Kommandos, kritisierte bei einer FBI-Veranstaltung die Infrastruktur des Landes. Um kriminelle Angriffe zu verhindern, müsse man sie in Echtzeit sehen - und dafür brauche es gesetzliche Grundlagen.
  • "MySpace ist nicht tot, nähert sich nur immer mehr null Nutzern", schreibt "TechCrunch" süffisant über neue Social-Network-Zahlen.

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1. Liebe Netzwelt-Redaktion
Ganaw09 14.01.2012
Zitat von sysopZwei Jahre nach dem Bruch mit China wählt Google nun eine neue Strategie. Das Ziel: mit Android das Land erobern.*Doch Pekings Internetzensur bleibt ein Problem. Außerdem im Überblick: Facebook lässt Nutzer gemeinsam Musik hören, und MySpace "nähert sich null Nutzern". http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,808913,00.html
Google war niemals weg aus China, bitte plappert nicht diese Propaganda des US-Konzerns unsinnig nach. Google hat sich lediglich mit seiner Internet-Suche aus China zurückgezogen. Und selbst dies stimmt strenggenommen nicht, denn in China ist Google auch mit seiner Suchmaschine aktiv - nämlich in Hongkong. Das Unternehmen hat sich lediglich mit diesem Produkt aus Mainland China zurückgezogen. Außerdem unterhält Google seit mehreren Jahren seinen Musik-Dienst in China - und dieser scheint dem Konzern nach wie vor viel Geld einzubringen. Die gesamte Protest-Haltung von Google ist ein großer Marketing-Gag. Das ist jedem klar, der sich die Verbreitung von Google in Asien ansieht: In Südkorea spielt Google keine Rolle, in Taiwan, Singapur und Hongkong ist Google ebenfalls nicht Marktführer. Gerne wird auch immer von den Youtube-Klonen in China berichtet, die es angeblich nur geschafft haben, weil Youtube der Zensur unterliegt. Fakt ist: Dass diese Klone weitaus professioneller daherkommen als Youtube. Youku beispielsweise hat Lizenzen mit den diversen Staatssendern ausgehandelt und bietet ein reguläres Video-on-Demand-Angebot von Serien, Kinofilmen, etc.. Wie weiter unten im Netzwelt-Ticker schön zu lesen ist, fängt Google bei seiner Youtube-Tochter jetzt erst allmählich mal an, in diese Richtung aufzurüsten. Dreimal darf man raten warum...
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Zur Autorin
  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.


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