Netzwelt-Ticker Google zähmt den Datenklauber Analytics

Google hat eine Browser-Erweiterung veröffentlicht, mit der Surfer dem Statistikdienst Analytics das Protokollieren verbieten können. Außerdem im Nachrichtenüberblick: USA plant Internetgesetz, Norwegen bittet Facebook & Zynga um Datenschutz und es gibt eine perfide neue Phishing-Methode.

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Google-Zentrale: 2006 erinnerten Demonstranten den US-Konzern ans Firmen-Credo
REUTERS

Google-Zentrale: 2006 erinnerten Demonstranten den US-Konzern ans Firmen-Credo


Google hat ein Programm veröffentlicht, mit dem misstrauische Surfer Website-Betreibern und dem Internet-Konzern verbieten können, mithilfe von "Google Analytics" Daten über sie anzuhäufen. Die Browser-Erweiterung - Download in Googles Datenschutzzentrum - gibt es für Googles Browser Chrome, für Microsofts Internet Explorer und Mozillas Firefox. Die beiden Alternativ-Browser Safari und Opera bleiben außen vor.

Allerdings können jetzt auch Website-Betreiber, die "Google Analytics" unbedingt benutzen wollen, etwas für den Datenschutz ihrer Besucher tun: Google bietet ihnen an, die übertragenen IP-Adressen der Besucher so zu verkürzen, dass eine geographische Lokalisation zwar noch grob möglich, eine Identifizierung eines Web-Besuchers aber nicht mehr.

Viele Websites nutzen Googles Analysedienst "Google Analytics", um Besucherströme besser analysieren zu können und ihr Angebot besser auf die tatsächlichen Besucher abzustimmen . Dabei werden aber viele zunächst nicht personenbezogene, aber datenschutzrechtlich potentiell brisante Informationen über die Aufrufer einer Web-Seite erhoben. Unter Datenschützern ist umstritten, ob man Analytics in Deutschland überhaupt einsetzen darf, ohne die Benutzer zuvor um Erlaubnis zu fragen. Nichtsdestotrotz wird es auch hierzulande häufig verwendet.

Da "Google Analytics" mitnichten das einzig datenschutzrechtlich fragwürdige Produkt Googles ist, hat SPIEGEL ONLINE eine achtteilige Anleitung geschrieben, wie Sie Google den Zugriff auf ihre Daten verweigern können. Wer Firefox benutzt, findet viele auch Datenschutz-relevante Einstellungen im Firefox-Plugin "OptimizeGoogle".

USA: Vierter Weg zur Internetregulierung

Eine überraschende Wende zeichnet sich im Hin und Her um die Regulierung des amerikanischen Internetmarktes ab: Nachdem sich Anfang Mai die US-Regulierungsbehörde pro Netzneutralität und für einen "dritten Weg" in der Behandlung des Internets sowohl als Informations- als auch als allgemeiner Netzbetreiberdienst entschied, haben nun der Senat und das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten angekündigt, gleich das ganze US-Telekommunikationsgesetz umzuschreiben. Die US-Presse spricht von einem "Vierten Weg".

Ein Kompromiss, wie ihn die FCC zunächst als "Dritten Weg" vorgeschlagen hatte, sei zumindest wenig angemessen für ein langfristiges Ende der Debatte darüber, wer oder was das Internet in den USA regulieren darf, fasst Betanews zusammen. Als ersten Schritt hin zu einem US-Telekommunikationsgesetz, welches das Internet als Medium ernst nimmt, sollen nun ab Juni "Interessenvertreter in parteiübergreifenden, problemorientierten Meetings" zusammengekommen. Sollte das Ansinnen Bestand haben, könnte zum ersten Mal in den USA festgelegt werden, was Internetkommunikation überhaupt ist und was sie etwa vom Telefon oder vom öffentlichen Rundfunk unterscheidet. Am Ende könnte die Regulierung des Internets sogar zur Reformierung der FCC führen.

Norwegen drängt auf mehr Datenschutz bei Facebook und Zynga

Der norwegische Verbraucherrat hat die Betreiber des sozialen Netzwerkes Facebook und des Spiele-Entwicklers Zynga (Farmville, Mafia Wars) bei der norwegischen Datenschutzbehörde Datatilsynet angezeigt. Facebook und Zynga verletzen nach Ansicht der Verbraucherschützer Grundrechte ihrer Kunden, wenn sie der Online-Community beitreten. "Indem wir bei Facebook oder Spielen wie Zyngas 'Café World' mitmachen, widerrufen wir bestimmte Rechte hinsichtlich unserer persönlichen Daten. Gleichzeitig erlauben wir den Verkauf unserer und unserer Freunde Daten", heißt es in einer Pressemeldung des Verbraucherrates. Und: "Die Dienste erscheinen kostenlos, aber wir zahlen einen hohen Preis - in Form von persönlichen Daten." Die Datenschutzbehörde soll Facebook und Co nun ein "eindeutiges Zeichen" geben: So nicht!

Tabnabbing: Elegant auf Surfer-Fang

Mozillas Lead Designer Aza Raskin hat einen, wie er meint, ebenso eleganten wie simplen Weg gefunden, selbst erfahrene Surfer auf eine manipulierte Phishing-Seite zu locken. Dazu verändert er scheinbar harmlose Websites im Browser-Hintergrund etwa in gefälschte Login-Seiten für Web-Mail oder soziale Netzwerke. Der nichts ahnende Surfer klickt sich routiniert durch seine Tabs, gibt automatisiert seine Zugangsdaten in das vermeintliche Facebook-Login-Feld ein, das diese Daten flugs an den Hacker weiterleitet. Das Verfahren nennt Raskin "Tabnabbing", das Kidnapping von Browser-Reitern, den Tabs, wie sie in allen modernen Browsern eingesetzt werden. Wie perfide dieser Trick ist, zeigt der Designer in einem eigenen Blogeintrag - der sich nach ein paar Minuten in ein Google-Mail-Loginfenster verwandelt - in das auch der Autor dieser Zeilen morgendumpf seine Zugangsdaten eintrug...

Noch perfider: Dieser Trick funktioniert - zumindest in Firefox - auch im Paranoiamodus, mit deaktivierten Javascript! Als Beweis hat Sicherheitsforscher Aviv Raff einen passenden Blogeintrag des amerikanischen IT-Journalisten Brian Krebs so manipuliert, dass dieser nach einiger Zeit in eine Eingabemaske für Google Mail wechselt.

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